Der Hochschulzugang dürfe nicht durch finanzielle Hindernisse erschwert werden, sagte die Waadtländer Bildungsdirektorin Anne-Catherine Lyon (SP) am Freitag in einem Interview mit der Zeitung "24 heures". "Wir lehnen diese Massnahme ab, bei der wir übrigens gerne konsultiert worden wären."

Die Waadtländer Regierung zieht nun eine Erhöhung der Stipendien in Betracht. Diese Massnahme ist laut Lyon durchaus denkbar.

Der ETH-Rat hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass die Studiengebühren für die ETH Zürich und die EPFL in Lausanne - frühestens ab dem Herbstsemester 2015/2016 - verdoppelt werden sollen. Seit 2004 betragen die jährlichen Studiengebühren unverändert 1160 Franken.

"Inakzeptabler Entscheid"

Der Verband der Studierenden der ETH Zürich (VSETH) bezeichnete den Entscheid als "inakzeptabel". Die Erhöhung werde zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten für viele Studierenden führen, sagte VSETH-Präsidentin Rahel Zoller auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Der Verband bezweifelt, dass mit dem Entscheid kein Systemwechsel eingeläutet worden sei. Im Gegensatz zum angelsächsischen Modell sei universitäre Bildung in der Schweiz gratis, sagte Zoller. Studiengebühren gelten demnach als administrative Gebühren. "Wir verstehen nicht, wie sich eine Verdoppelung auf einen Schlag rechtfertigen lässt."

Der ETH-Rat hatte argumentiert, dass der Finanzierungsbeitrag des Bundes nicht mit dem Wachstum der Studierendenzahlen Schritt halte. Zwischen 2004 und 2013 sind diese um 50 Prozent gestiegen. Ein Studienjahr kostet zwischen 20'000 und 40'000 Franken.

Zudem hat er die beiden ETH beauftragt, gemeinsame Lösungen mit den Studierendenverbänden zur Abfederung zu erarbeiten. Die Diskussion werde jedoch offen gestaltet, sagte EPFL-Pressesprecher Jérôme Gross gegenüber der sda.

Harmonisierung der Stipendien

Obwohl der VSETH das Mitwirkungsrecht an der Ausgestaltung des Abfederungssystems grundsätzlich begrüsst, ist der Verband in Bezug auf die Wirksamkeit skeptisch. Solle die Abfederung greifen, müsse das System in Einklang mit dem Stipendienwesen ausgestaltet sein.

Dieses ist jedoch kantonal geregelt. Als valablen Weg erachtet der VSETH deshalb einzig eine schweizweite Harmonisierung des Stipendienwesens, wie es die Stipendieninitiative des Verbands der Schweizer Studierendenschaften (VSS) vorschlägt.

Die im Januar eingereichte Initiative fordert, dass die Ausbildungsbeiträge angeglichen werden und dass sie den Studierenden einen minimalen Lebensstandard ermöglichen. Der Bundesrat lehnt das Volksbegehren ab, da er die Kompetenzen bei den Kantonen belassen möchte.

Linke Parteien verurteilen Entscheid

Linke Parteien haben den Entscheid des ETH-Rats verurteilt. Die Hochschulen erwiesen sich einen Bärendienst, indem sie auf "das Portemonnaie und nicht auf die grauen Zellen der jungen Menschen setzen", wird SP-Nationalrat Matthias Aebischer in einer Mitteilung zitiert. Angesichts des Fachkräftemangels in der Schweiz sei dies umso unverständlicher.

Keine Stellungnahme wollte die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli abgeben.