«Das Resultat kennen Sie», sagt ETH-Forscher Paul Weiser und projiziert ein Foto der smogverschleierten Stadt Zürich an die Wand: «Tägliches Verkehrschaos und Luftverschmutzung.»

Zusammen mit ETH-Doktorand Dominik Bucher und Forschern der Tessiner Fachhochschule Südschweiz hat Weiser eine Handy-App entwickelt, die zu umweltverträglicherem Alltagsverkehr beitragen soll.

Sie heisst GoEco! und funktioniert so: Zunächst zeichnet sie die alltäglichen Verkehrswege ihrer Nutzer auf. Dabei erkennt sie, ob jemand mit dem Auto, Bus, Zug, Tram, auf dem Velo oder zu Fuss unterwegs ist.

Die Erkennung funktioniert zum einen via Handy-Bewegungssensor, zum anderen durch Verknüpfung dieser Daten mit Fahrplänen der öffentlichen Verkehrsmittel.

Wer mit der App unterwegs ist, erhält Angaben über seinen Energieverbrauch, CO2-Ausstoss, Reisezeiten und -strecken.

Ausserdem liefert sie dem Nutzer oder der Nutzerin Vorschläge für umweltfreundlichere Alternativen. So rechnete sie Paul Weiser vor, dass er im Zürcher Feierabendverkehr zu Fuss etwa gleich schnell von der ETH Hönggerberg zur Europabrücke gelangt wie motorisiert – nämlich in 22 Minuten.

Doch nicht nur mit trockenen Fakten wollen die Forscher Benützer der App aus ihrem womöglich nicht immer umweltfreundlichen Alltagstrott holen.

«Das Ganze soll auch Spass machen», so Bucher bei der gestrigen Präsentation in der ETH Hönggerberg.

Dafür sorgen spielerische Elemente: Wer die App nutzt, kann sich mit anderen Nutzern messen, virtuelle Auszeichnungen sammeln und sich Woche für Woche neue Ziele setzen – wie zum Beispiel zehn Prozent weniger Auto zu fahren.

Ruhmeshalle für die Besten

Die App hält ihn oder sie darüber auf dem Laufenden, ob die Ziele erreicht sind – und wie man im Vergleich mit anderen Nutzern im Rennen ist.

Die Besten kommen in eine virtuelle Halle des Ruhmes. So wollen die Forscher nicht nur umweltschonendes Alltagsverhalten fördern, sondern auch herausfinden, wie sich das Verhalten via Social Media beeinflussen lässt.

Um dies wissenschaftlich zu untersuchen, brauchen sie mindestens 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Tessin und dem Kanton Zürich. Anmeldungen sind bis 22. Februar möglich.

Die Studie beginnt im März und dauert bis August 2017. Ihr Fokus liegt zum einen auf der Agglomeration Zürich, zum anderen auf dem mit öffentlichen Verkehrsmitteln weniger dicht erschlossenen Tessin.

Sie wird hauptsächlich vom Schweizer Nationalfonds mit 405 000 Franken unterstützt. Support erhält sie gemäss der Projekt-Website ferner unter anderem auch von den Städten Zürich und Bellinzona sowie von Mobility.

Datenschutz mit Vorbehalt

Bedenken punkto Datenschutz versuchen die ETH-Forscher bei der Präsentation zu zerstreuen: Individuelle Daten über das Mobilitätsverhalten der Studienteilnehmer würden weder gespeichert noch veröffentlicht.

Allerdings habe die Firma Move, deren ursprünglich für Fitnesssportler konzipierte App in die GoEco!-App integriert ist, via IP-Adresse der Handys Zugriff auf die Mobilitätsdaten. Move gehört dem Internetgiganten Facebook.

«Es macht also nicht mehr so viel aus, weil Facebook sowieso schon alles weiss», meinte der österreichische ETH-Professor Martin Raubal, Co-Leiter der Studie, mit einem Lachen voller Wiener Schmäh.

ETH-Forscher Dominik Bucher erklärt die App GoEco! - Clipped by Online Redaktion

Anmeldungen bis 22. Februar unter www.goeco-project.ch