Hanni und Viktor Huber, die Gründer der Eselhilfe Schweiz, haben lange gekämpft und geschuftet für diesen neuen Stall. Er bietet Platz und Auslauf für 50 Esel. Doch derzeit leben dort nur 31 langohrige Huftiere – obwohl die Nachfrage nach Pflegeplätzen weitaus grösser wäre, wie Hubers beim Rundgang über den Eselhof Aline sagen.

«Solange wir uns nicht mehr Personal leisten können, ist es uns nicht möglich, mehr Tiere aufzunehmen», sagt Hanni Huber. Sie und ihr Mann haben zusammen in den letzten 15 Jahren in Feldbach oberhalb des Zürichsees eine schweizweit einzigartige Institution aufgebaut: die Eselhilfe Schweiz. Sie bietet Zuflucht für misshandelte und kranke Esel, aber auch für solche, deren Halter sich um ihre Tiere nicht mehr kümmern können oder wollen.

«Es ist ja nur ein Esel.» Diesen Satz haben Hubers mehr als oft genug zu hören bekommen. Er widerspiegle das tiefe Ansehen, das den Tieren häufig entgegengebracht werde. Dabei seien es hochintelligente Lebewesen, man müsse sie nur lesen können. Oft fehle es jedoch an Wissen über ihre Bedürfnisse, selbst bei manchen Tierärzten.

Mit einem Pferd fing es an

Die Geschichte der Eselhilfe Schweiz begann mit dem Tod eines Pferdes. Hubers hatten diesem die Eselstute Aline als Kumpanin zur Seite gestellt. Auch Aline ging es nicht gut, bevor sie bei Hubers ein neues Zuhause fand. Für die zurückgebliebene Eselstute übernahmen sie von einer Tierschutzorganisation eine weiteres Grautier. Im Jahr 2009 gründeten sie den Verein Eselhilfe Schweiz.

Weil die Anzahl der Tiere stetig stieg, wurde der Platz auf dem Areal von Hubers Gärtnerei zu eng und entsprach nicht mehr den vorgeschriebenen Tierschutznormen. Um den Vorschriften zu genügen, musste ein neuer Stall gebaut werden. Doch bis zu dessen Realisierung folgte ein neun Jahre langes behördliches Hin und Her.

Hubers entschieden sich schliesslich, ihre Gärtnerei aufzugeben, um mehr Platz für die Esel zu schaffen. Und aus dem Verein wurde die Stiftung Eselhilfe Schweiz. Nun konnte der neue Stall gebaut werden. Im Frühling dieses Jahres war es endlich soweit: Die Langohren zogen in den Neubau ein.

Besuch auf der Eselfarm Aline, das Making-Of

Besuch auf der Eselfarm Aline, das Making-Of.

In enger Zusammenarbeit mit dem Tierspital Zürich wurden auch separate Boxen für rekonvaleszente Tiere eingerichtet, in denen sie sich beispielsweise nach einer Operation erholen können. Sie sind bis heute ungenutzt, weil die entsprechenden personellen Ressourcen noch nicht zur Verfügung stehen.

Zur Zeit führt die Familie Huber den Hof mit ehrenamtlichen Helfern und einer angestellten Pferdepflegerin. Haupteinnahmequelle der Stiftung Eselhilfe sind Patenschaften, Legate, Gönnerbeiträge und Spenden. Daneben trägt auch der Verkauf gesunder Tiere in artgerechte Haltung, die von Mitgliedern der Stiftung kontrolliert wird, etwas zur Finanzierung des Betriebs bei.

Eselstutenmilch für Kosmetik

Die Zahl der registrierten Esel in der Schweiz ist in den letzten Jahren stark gestiegen, wie einem Bericht der eidgenössischen Forschungsanstalt Agros-
cope zu entnehmen ist. Demnach gibt es aktuell schweizweit rund 8000 Tiere in der Kategorie Esel, Maultiere und Maulesel. Das sind etwa 40 Prozent mehr als zu Beginn des Jahrzehnts.

Viele von ihnen kommen laut Viktor Huber im Tessin zum Einsatz, um das Verwalden von Baulandreserven zu verhindern. Ein weiterer grosser Teil der Esel, vornehmlich im Wallis, diene der Kosmetikbranche zur Produktion von Eselstutenmilch. In der Deutschschweiz wiederum würden sie häufig als Rasenmäher eingesetzt, was ihren Ernährungsbedürfnissen eigentlich widerspreche.

Auf dem Speisezettel des Eselhofs Aline stehen in erster Linie Stroh, Heu, Karotten und Obst. Zudem seien die Hufe der Esel von Natur aus auf karge Böden ausgerichtet. Weichen Untergrund vertrügen sie schlecht. Die Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten werden, seien oft alles andere als artgerecht. Was auch mit fehlender Wertschätzung zu tun hat, wie Hanni Huber betont. «Wenn die Gesellschaft mehr Verantwortung gegenüber den Tieren übernähme, bräuchte es uns nicht mehr», sagt sie am Ende des Rundgangs durch den Eselhof Aline.