Schon die Geschichte zeigt, dass die Musik die Menschen verbindet. Sie spendet Freude und Trost. In der Adventszeit ist es für viele Menschen umso wichtiger, sich auf diese Kunst zu besinnen. Legendär ist der 24. Dezember 1914 in Frankreich an der Westfront. Während des Ersten Weltkrieges lagen sich auf engstem Raum französische, schottische und deutsche Kampfverbände gegenüber. Ein Berliner Tenor beschloss damals, am Weihnachtsabend für seine Kameraden zu singen. Daraufhin kam es zu Beifallsbekundungen aller Parteien und Verbrüderungsszenen. Diese wahre Begebenheit ging als «nicht autorisierter Weihnachtsfrieden» in die Geschichte ein.

Dietikon ist glücklicherweise fern von einer solchen Dramatik, aber dass feierlicher Gesang die Passanten anlockt, bewiesen am Freitag die katholische und die reformierte Kirche sowie die Bewegung Plus. Bei bitterer Kälte veranstalteten sie unter der Leitung von Pfarrer Daniel Wiederkehr und Philipp Erne ein «Offenes Adentssingen» in der Markthalle. Die Tische waren dezent mit Weihnachtsschmuck verziert und kleine Kerzen sorgten für eine zumindest optisch warme Stimmung.

Eigens gedruckte Liederbüchlein wurden verteilt, und als die ersten Töne einer Adventshymne erklangen, wurde man Zeuge eines kleinen Weihnachtsmärchens: Passanten blieben stehen, fassten sich ans Herz, nahmen eine Kerze in die Hand und stimmten voller Elan in den Chor ein. «Wir wollen heute innehalten, aber auch die Einstimmung auf Weihnachten feiern», sagte Philipp Erne in seinen Ansagen.

Es folgen verschiedene Chöre sowie das Zwischenkorps der Stadtjugendmusik Dietikon. «Es ist wichtig, dass wir Christen zusammenhalten und unsere Gemeinschaft fördern», so eine Teilnehmerin. In der Tat strömten Dutzende Menschen in die Markthalle, die sich mit all den Kerzen und der Musik beinahe in eine Kathedrale verwandelte.

Wie sehr sich die christlichen Kirchen in Dietikon zur Weihnachtszeit für ihre Gemeinde einsetzen, zeigt ein Blick in deren Agenda. Am 25. Dezember veranstalten sie eine Weihnachtsfeier mit Mittagessen für Alleinstehende. Nach eigenen Angaben wollen sie es nicht zulassen, dass jemand alleine die Festtage verbringen muss. Die Feier selbst wird umrahmt von Musik sowie einem besinnlichen Text. Eine Anmeldung ist bei den Kirchen und den Kirchgemeindehäusern möglich.