Winterthur

Es war Mord: «Hanfpapst» Martin Frommherz lag tot in seiner Wohnung

So zeigte sich Martin Frommherz auf seinem Facebook-Profil.Facebook

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«Hanfpapst» Martin Frommherz wies Kopfverletzungen, als er von einer Bekannten tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde – Polizei geht von einer Tötung aus. Die Hintergründe der Tat sind bislang völlig unklar.

Eine Bekannte wollte Martin Frommherz am Mittwochabend zu Hause besuchen und machte einen schrecklichen Fund. Er lag tot in seiner Einzimmerwohnung im knallgrünen Haus an der Zürcherstrasse. Die Frau rief die Polizei, die «nach ersten Abklärungen», davon ausgeht, dass er getötet worden ist. Er hatte Verletzungen am Kopf.

In diesem Haus an der Zürcherstrasse 62 geschah der Mord. Heinz Diener

In diesem Haus an der Zürcherstrasse 62 geschah der Mord. Heinz Diener

Martin R. Frommherz-San Dio, wie er sich nannte, war ein auffälliger, stadtbekannter Mann. In Winterthur zeigte sich der 53-Jährige häufig an unterschiedlichen Veranstaltungen, zum Beispiel Mitte April an der öffentlichen Verabschiedung der ehemaligen Baustadträtin. Auch sonst suchte er die Nähe zu Politikern, schüttelte dem Stadtpräsidenten die Hand, hielt an Podien einen Schwatz mit Stadtratskandidaten. Manchmal hatte er seine «Piratenzeitung» dabei, ein Pamphlet, mit dem er auf Missstände aufmerksam machte oder Firmen anprangerte. Dabei überschritt er auch mal Grenzen, in dem er Politikern wochenlang auf den Fersen blieb.

Martin Frommherz (l.) initiierte 1997 eine Hanf-Meisterschaft mit Ernst Meier (Garten-Center Tann-Rüti).Key

Martin Frommherz (l.) initiierte 1997 eine Hanf-Meisterschaft mit Ernst Meier (Garten-Center Tann-Rüti).Key

Frommherz versuchte immer wieder, auf sich aufmerksam zu machen, was er durchaus auch schaffte. Über Jahre hinweg stand er in den Schlagzeilen. Zum Beispiel wollte er dem Hanf zu einem besseren Ruf verhelfen – nicht zum Kiffen, sondern als Rohstoff für die Landwirtschaft. So pries er die Pflanze als ökologischen Treibstoff und Heilmittel an. Sein Engagement verhalf ihm zum Namen «Hanfpapst».

Suche nach Spuren und Zeugen

Vor drei Jahren liess er sich als bekennender Antifeminist porträtieren, weil er die Generalversammlung der Schweizer Bewegung nach Winterthur geholt hatte. Er sass damals im Vorstand und nannte Feministinnen «Frauen ohne empathische Intelligenz». Mehr als einmal setzte er sich mit politischen Ambitionen in Szene. Er wollte Bundesrat werden, liess sich offiziell als Nachfolger von Pascal Couchepin (FDP) aufstellen. Auch in Winterthur versuchte er 2010, ein politisches Amt zu bekommen. Auf der Liste des «Ethischen Bündnisses» kandidierte er für den Grossen Gemeinderat.

Zurzeit ermittelt die Polizei, weshalb er getötet worden ist. Laut Kantonspolizei sei dabei noch vieles offen und es würden in alle Richtungen Spuren gesucht. So wisse man nicht, ob er am Mittwoch umgebracht worden ist oder länger tot in der Wohnung gelegen habe. Oder ob er an den Kopfverletzungen gestorben sei. Die Polizei sucht Zeugen, insbesondere Leuten, die einen allfälligen Streit oder eine Schlägerei beobachtet haben.

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