Zürcher Kantonsrat
Es soll dabei bleiben: Zwei Fremdsprachen in der Primarschule

Zürcher Schülerinnen und Schüler sollen weiterhin auf der Primarstufe sowohl Englisch als auch Französisch lernen: Der Kantonsrat hat sich am Montag mit 96 zu 68 Stimmen gegen eine Volksinitiative ausgesprochen, die eine der beiden Fremdsprachen auf die Sekundarstufe verschieben will.

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Zürcher Kantonsrat beschäftigte sich heute mit der Frage, wie viele Fremdsprachen in der Primarschule angemessen sind. (Archiv)

Zürcher Kantonsrat beschäftigte sich heute mit der Frage, wie viele Fremdsprachen in der Primarschule angemessen sind. (Archiv)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Am Lernziel wollen die Initianten nichts ändern: Am Ende der Schulzeit sollen Jugendliche in den beiden Fremdsprachen dasselbe Niveau aufweisen wie heute.

Den Weg dahin wollen sie aber neu gestalten. An der Primarschule soll gemäss Initiative nur noch eine einzige Fremdsprache vermittelt werden. Die zweite würde erst später, dafür dann mit mehr Lektionen, an der Oberstufe folgen.

Ein Ende des "Pseudo-Unterrichts"

In Fremdsprachen-Debatten gehen die Wogen rasch hoch - es geht letztlich auch um grosse politische Fragen und um den nationalen Zusammenhalt. Von dieser Ebene wollte Kantonsrat Christoph Ziegler (GLP, Elgg) die Diskussion fernhalten: Die Initiative habe keine politische Frage zum Inhalt, sondern eine pädagogische.

Denn das Konzept mit zwei Fremdsprachen sei vorschnell eingeführt worden und habe nicht den erhofften Erfolg gebracht, sagte Ziegler. Mit heute bloss je zwei Wochenlektionen in Englisch und Französisch bleibe es bei einem "Pseudo-Unterricht", der nichts bringe. "An der Oberstufe beginnen wir von vorne."

Anita Borer (SVP, Uster) wies darauf hin, dass sich die Wirtschaft unter anderem über mangelhafte Deutschkenntnisse der Jugendlichen beschwere. Statt derart früh an der Primarschule zwei Fremdsprachen vermitteln zu wollen, müsste der Fokus zunächst auf grundlegende Fächer gelegt werden, forderte Borer.

Die Bedeutung der Vielsprachigkeit

Die Kantonsratsmehrheit will hingegen an zwei Fremdsprachen an der Primarschule festhalten. In einer globalisierten Welt sei Vielsprachigkeit ein Vorteil, sagte Hanspeter Hugentobler (EVP, Pfäffikon). In der modernen Welt seien Fremdsprachen von zentraler Bedeutung, meinte auch Cornelia Keller (BDP, Gossau).

Dass zwei Fremdsprachen gewisse Primarschüler überfordern könnten, räumten auch Gegner der Volksinitiative durchaus ein. Das sei aber kein Grund, gleich ein ganzes Schulfach für alle Schüler zu streichen, sagte Cäcilia Hänni (FDP, Zürich). Es wäre fahrlässig, die Volksschule nach unten zu nivellieren.

Laut Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP) erreichen 80 Prozent der Schüler die gesteckten Ziele ohne Weiteres. Viele Kinder seien unterfordert, für diese seien zwei Fremdsprachen alles andere als eine Last. "An jeder Tagung wird mir der Fachkräftemangel an den Kopf geworfen", sagte Steiner. Und sie fragte rhetorisch: "Wollen wir dem mit weniger Unterricht begegnen?"

Englisch würde verschoben

An den Zürcher Schulen steht heute Englisch ab der zweiten Klasse auf dem Stundenplan, Französisch ab der fünften. Welche der beiden Sprachen aus der Primarschule verbannt werden soll, lässt der Initiativtext offen.

Für den Regierungsrat ist aber bereits heute klar, dass an der Primarstufe die Landessprache Französisch verbleiben dürfte und die Businesssprache Englisch erst an der Oberstufe gelehrt werden würde. Eine andere Lösung dürfte der Bund kaum zulassen.

Auch aus diesem Grund setzten sich verschiedene Politiker im Kantonsrat für den Beibehalt von zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe ein. Bei einer Annahme würde das Englisch geopfert, merkte unter anderem Corinne Thomet (SVP, Kloten) an. "Das ist nicht im Interesse des Wirtschaftsstandortes Zürich."

Initianten bleiben zuversichtlich

Trotz der ablehnenden Haltung im Kantonsrat zeigen sich die Initianten zuversichtlich: "Der hohe Anteil an Ja-Stimmen verdeutlicht, dass die Pro-Argumente stichhaltig sind", halten sie in einer Medienmitteilung fest.

Dem Komitee gehören unter anderem der Zürcher Lehrerverband ZLV, die Zürcher Kantonale Mittelstufe zkm und der Lehrerverband SekZH an.