Es ist Sonntagabend, 2. August, kurz nach 22 Uhr, als plötzlich während mehrerer Minuten Böllerschüsse die Stille im Wohnquartier zerreissen. «Hört das denn nie auf?», frage ich mich leicht genervt. Feiern ist ja grundsätzlich gut. Und dass die Schweiz es an ihrem Nationalfeiertag mal so richtig krachen lässt, finde ich ebenfalls okay, obwohl: Dass in Zürich am 1. August morgens ab 7.15 Uhr mit 26 Kanonenschüssen aus dem Schlaf geballert wird, wer nahe beim Albisgüetli wohnt, müsste wirklich nicht sein. Patriotismus ginge auch später. Schon klar, der Schweizerpsalm beginnt mit den Worten: «Trittst im Morgenrot daher . . .» Aber den Text und die dazugehörige Ballerpraxis könnte man auch mal ändern, ohne deswegen gleich zum Vaterlandsverräter zu werden.

Doch jetzt ist der 1. August vorbei, und es knallt noch immer da und dort. Darf es das? Eines vorweg: Die Situation ist in bester eidgenössischer Manier föderalistisch-komplex. Gestützt auf das Sprengstoffgesetz des Bundes haben die Kantone die Kompetenz, Verkauf und Gebrauch von Feuerwerk zeitlich einzugrenzen. 14 Kantone mit 5,2 Millionen Einwohnern machten davon Gebrauch, stellte das Bundesamts für Umwelt im Jahr 2007 per Umfrage fest. Und heute?

«Grundsätzlich ist das Abbrennen von Feuerwerk nur am 1. August und am 31. Dezember erlaubt. Ansonsten muss man eine Bewilligung bei der Gemeinde einholen», sagt Carmen Surber von der Kantonspolizei Zürich. Eine Regel für den ganzen Kanton gebe es aber nicht, zuständig seien die Gemeinden. Ähnlich siehts im Aargau aus.

Im Kanton Zürich gab es im Nachgang zum diesjährigen 1. August laut Surber vier Reklamationen wegen Abbrennens von Feuerwerk am Tag danach: in Bäretswil, Volketswil, Dällikon und Opfikon. Die Vorfälle hätten sich alle am 2. August zwischen Nachmittag und Abend ereignet. Bei Eintreffen der Polizei sei jedoch jeweils kein Feuerwerker mehr anzutreffen gewesen. Wer erwischt würde, müsste mit einer Anzeige und Busse rechnen, deren Höhe in der Kompetenz der Gemeinde läge. Auch die Zahl der Schadensfälle im Zusammenhang mit 1.-August-Feuerwerk hielt sich im Kanton Zürich dieses Jahr in Grenzen: In Benken im Zürcher Weinland brannte ein Baum. Ansonsten gab es laut Polizeiangaben keine feuerwerksbedingten Brände und Verletzte – «zum Glück», so Kapo-Sprecherin Surber.

Zurück zur Stadt Zürich. Dort ist das Abbrennen von Lärm verursachendem Feuerwerk am 1. August sowie in der Nacht auf den 2. August erlaubt, ebenso in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar. Für alles, was darüber hinausgeht, bedarf es einer Polizeibewilligung. Ansonsten droht laut Stadtpolizei-Sprecher René Ruf eine Busse in Höhe von 120 Franken.

Reklamationen im Nachgang zum 1. August sind laut Ruf selten: «Dieses Jahr hatten wir einen Anruf, weil früh am Morgen des 2. August noch Feuerwerk abgelassen wurde.» Ansonsten habe es keine Reklamationen und Zwischenfälle wegen Feuerwerks gegeben. Auch nicht wegen der morgendlichen Kanonenschüsse am 1. August beim Albisgüetli.

Es scheint, als nehme die Lärmtoleranz in der Schweiz rund um den Nationalfeiertag für kurze Zeit schlagartig zu.