Das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft ist seit einer Volksabstimmung im Jahr 2008 in der Stadtzürcher Gemeindeordnung verankert. Nun doppelt das Stimmvolk nach: Das 2000-Watt-Ziel soll explizit auch beim Essen angepeilt werden. Den Zusatz, wonach die Stadt «die Förderung der umweltschonenden Ernährung und die Information über den Einfluss der Ernährung auf das globale Klima» anstrebt, haben 60 Prozent der Stimmberechtigten am Sonntag angenommen.

Die Vorsteherin des Gesundheitsdepartements, Stadträtin Claudia Nielsen (SP), will nun die Bemühungen der Stadt für eine nachhaltige Ernährung verstärkt fortsetzen, wie sie gestern vor den Medien sagte. «Die Leute sollen essen können, was sie wollen. Aber sie sollen wissen, was es heisst, wenn sie mehr Fleisch und wenig saisonale Produkte konsumieren.» Sie zitierte eine Studie des Bundes, wonach ein Drittel der Umweltbelastung auf Ernährung zurückzuführen ist. Beim CO2-Ausstoss mache die Ernährung immerhin 20 Prozent aus. «Das ist einer der Hebel, wo man lokal ansetzen kann», so Nielsen. Konkret solle dies in den städtischen Institutionen wie Alters- und Pflegeheimen, Spitälern und Schulen geschehen. Lebensmittelverschwendung sei dort zu vermeiden, nachhaltige Ernährung zu fördern.

Auch eine finanzielle Frage

Es brauche aber auch vermehrte Anstrengungen in der Öffentlichkeitsarbeit. Denn die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft, wozu auch die Reduktion des CO2-Ausstosses von heute 5,2 Tonnen pro Kopf und Jahr auf eine Tonne im Jahr 2050 zählt, liessen sich nur erreichen, wenn auch Private mitzögen, betonte die SP-Stadträtin.

Konkrete neue Projekte punkto Ernährung konnte Nielsen auf Anfrage nicht nennen. «Wir sind immer im Spannungsfeld zwischen den 2000-Watt-Zielen und den Finanzen», hielt sie fest. Gerade punkto Öffentlichkeitsarbeit setze das Stadtparlament besonders häufig den Rotstift an, wenn es jeweils im Dezember das städtische Budget berät. Und schon bei der Beratung der nun angenommenen Vorlage seien die Wogen im Gemeinderat hochgegangen.

SVP, FDP, AL und CVP hatten die Vorlage abgelehnt. Sie fanden, es werde heute schon bei der Verpflegung in städtischen Personalrestaurants, Alters- und Pflegezentren sowie Schulen darauf geachtet, dass möglichst saisonale Produkte aus biologischem Anbau und fairem Handel verwendet werden. Eine Ergänzung des 2000-Watt-Artikels in der Gemeindeordnung mit Bezug auf Ernährung sei daher unnötig. Die FDP teilte gestern mit, sie werde sich weiterhin «gegen die schleichende Bevormundung der Bürger einsetzen».

Bei der nun angenommenen Vorlage handelt es sich um den Gegenvorschlag des Zürcher Gemeinderats zur Volksinitiative «Nachhaltige und faire Ernährung» aus den Reihen der Grünen und der SP. Diese hatten ihre Initiative wegen des Gegenvorschlags zurückgezogen. Der Initiativtext verlangte unter anderem, dass in städtischen Verpflegungseinrichtungen mindestens ein tägliches veganes Menü angeboten werden müsse. Darauf angesprochen, meinte Nielsen gestern: «Wenn man in unseren Altersheimen auch noch zwischen vegan und vegetarisch auswählen könnte, käme es wohl zum Aufstand der Fleisch- und Fischesser.»