Landesmuseum
Es brauchte einen langen Atem für den Beginn des Erweiterungsbau

Es war eine muntere Gesellschaft, welche sich zum Spatenstich für den Erweiterungsbau des Landesmuseums einfand und sich darüber freute, dass ein Vorhaben, das 1997 vom Bundesamt für Kultur aufgegleist worden ist, nun endlich vor der Realisierung steht.

Alfred Borter
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Bei schönstem Wetter fand sich eine grosse Schar Beteiligter aus Bund, Kanton und Stadt zum Spatenstich ein.

Bei schönstem Wetter fand sich eine grosse Schar Beteiligter aus Bund, Kanton und Stadt zum Spatenstich ein.

ALESSANDRO DELLA BELLA/Keystone

«Es brauchte einen langen Atem», hielt Museumsdirektor Andreas Spillmann fest, der Wunsch einer Erweiterung sei nämlich schon Jahrzehnte alt. Tatsächlich sind entsprechende Ideen schon 1933 aufgekommen.

Martin Graf als Direktor der Justiz und des Innern des Kantons Zürich meinte launig, es sei ein Glück gewesen, dass im Jahr 2002 mit Emanuel Christ und Christoph Gantenbein zwei junge Architekten den Projektwettbewerb gewonnen hätten, sei es jetzt doch möglich, dass sie die für 2016 geplante Eröffnung noch erleben werden.

Christ verhehlte nicht: «Manchmal hatte ich, obschon im Grund ein grosser Optimist, echte Zweifel, ob es je eine Erweiterung gibt.» Ursprünglich waren die Verantwortlichen davon ausgegangen, dass man den Neubau im Jahr 2008 eröffnen könne.

Heimatschutz legte sich quer

Aber der Schweizer Heimatschutz hatte schon 1997 beim Auftauchen der ersten Ideen für einen Erweiterungsbau erklärt, er werde sich
mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen zur Wehr setzen, dass das schlossartige, von Stadtbaumeister Gustav Gull erbaute und 1898 eröffnete Landesmuseum verschandelt werde. Es sei widersinnig, «ein Wahrzeichen bürgerlichen Stolzes des ausgehenden 19.Jahrhunderts zugunsten einer kurzfristigen Verbesserung zu verstümmeln».

Auf die Idee, das Landesmuseum ganz oder teilweise abzubrechen, nachdem man 1994 ganze Teile hatte notfallmässig schliessen müssen, weil sich die Konstruktion als zu wenig tragfähig erwies, kam man nicht mehr zurück, auch wenn David Streiff, der damalige Direktor des Bundesamts für Kultur, gemeint hatte, man müsse «ohne Scheuklappen Ideen suchen».

Auch das Stimmvolk war dafür

Nach mehrmaliger Überarbeitung des ursprünglichen Projekts von Christ und Gantenbein, nach zwei Volksabstimmungen, in denen sowohl die Stadtzürcher Stimmbevölkerung wie auch der kantonale Souverän Beiträge bewilligt hatten und nachdem auch die juristischen Versuche, das Vorhaben zu torpedieren, letztinstanzlich erledigt sind, kann man jetzt mit dem Aushub der Baugrube beginnen. Für den Bau sind Gesamtkosten von 111 Millionen Franken bewilligt; eingeschlossen ist die Sanierung des Kunstgewerbeflügels.

Der Bund übernimmt den Hauptanteil, nämlich 76 Millionen, der Kanton steuert aus dem Lotteriefonds 20 Millionen bei, die Stadt überlässt das nötige Bauland im Wert von 10 Millionen und private Stiftungen beteiligen sich mit 5 Millionen.

Gustave-Ernest Marchand, Direktor des Bundesamts für Bauten und Logistik, gab zu verstehen, er freue sich, dass dieser Prunkbau, den der Bund in seinem Portefeuille habe, nun erweitert werde. Pläne seien lange genug gewälzt worden. Stadtpräsidentin Corine Mauch erwähnte, der Erweiterungsbau werde schon durch seine Erscheinung, aber auch durch die Möglichkeit, die Ausstellungsfläche zu vergrössern, die Attraktivität Zürichs noch steigern.

Alt-Regierungsrat Markus Notter als Präsident des Museumsrats merkte an, es habe auch sein Gutes, dass sich die Realisierung des Projekts von Christ und Gantenbein um Jahre verzögert habe: «Jetzt sind sie deutlich älter und haben sich einige Erfahrung aneignen können.»