Städtebau

«Es braucht ein Feu sacré und Glück»

Verschiedene Geschäfte haben sich in der Mühle Tiefenbrunnen eingemietet.  abr.

Verschiedene Geschäfte haben sich in der Mühle Tiefenbrunnen eingemietet. abr.

Die Mühle Tiefenbrunnen lebt und bietet Wohn- und Arbeitsplätze. Und das seit 25 Jahren. Fritz Wehrli, Spiritus Rector der Mühle ist ganz zufrieden.

Es war ein ungewöhnliches Experiment, aber es hat sich gelohnt: In der Mühle Tiefenbrunnen wird zwar längst kein Korn mehr gemahlen, oder bloss noch zu Demonstrationszwecken, aber die Mühle lebt. Sorgfältig umgestaltet und mit einigen Zusatzbauten ergänzt, bietet sie Wohn- und Arbeitsplätze, und Hunderte kommen herbei in die Blaue Ente zum Dinieren, in die Fitnessoase zum Trainieren, in Miller’s Studio, wo ein hochkarätiges Kabarettprogramm gezeigt wird oder auch Geburtstagsfeste steigen, ins Mühlerama-Museum, das im Jahr 20000 Besucher zählt, oder auch einfach zum Shoppen in einem der exquisiten Läden. Und das seit 25 Jahren.

Qualität beim Mietermix

Fritz Wehrli, Spiritus Rector der Mühle, ist denn auch ganz zufrieden, wie es läuft. Er ist hier aufgewachsen und erzählt voller Begeisterung davon, wie es war rund um die Pferde, die man brauchte, um die schweren Wagen durch die Stadt zu fahren, er kennt das herrliche Gefühl, wenn man die Sackrutsche hinuntersaust.

Er betont, es brauche ständig ein wachsames Auge auf die umgenutzte Mühle, damit alles gut laufe und sie lebendig bleibe. «Die Mühle hat mich in Beschlag genommen», gesteht er, andere Aktivitäten wie etwa bei der Bäckerei Buchmann hingegen hat er abgegeben.

Er liebt es, präsent zu sein und Einfluss zu nehmen. Beim Mietermix etwa achtet er auf Qualität. So sind etwa Christa de Carouge mit ihrer avantgardistischen Mode und Teo Jakob mit Designmöbeln mit von der Partie, Jungunternehmer im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Architekten haben hier ihre Büros, auch ein Coiffeur hat sich niedergelassen, was Wehrli besonders freut. «Der gehört einfach dazu.»

Dass die Zürcher Hochschule der Künste hier mit ihrer Tanzabteilung zu Gast war, hat ihn gefreut, die jetzige Lösung mit dem Studio von Aktiv Fitness findet er «perfekt». Gerne hätte er auch einen Blumenladen einquartiert, aber dafür brauchte es wohl eine bessere Passantenlage, meint Wehrli. Er achtet darauf, dass die Mühle ein Anziehungspunkt bleibt. Lauter Galerien, die vielleicht einen oder zwei Kunden im Tag anziehen, das reizt ihn nicht.

Dass der Hof auch abends belebt ist, dass Gelächter ertönt, das macht ihm Spass. Und die Wohnungsmieter, die alle Kinder haben, wissen, dass sie nicht auf der grünen Wiese leben, sondern in einem urbanen Umfeld. «Und das schätzen sie», weiss Wehrli. Als allerdings die Partyszene überhandzunehmen drohte, hat er den Riegel geschoben. Er will Ordnung in seinem Reich.

Warum eigentlich hat er sich denn mit allen Kräften dafür eingesetzt, die Mühlengebäude möglichst zu erhalten? Ist Wehrli ein Nostalgiker? Nein, sagt er. Er sei zwar ein Bewahrer, aber ein moderner Bewahrer.

Wenn er sich zusammen mit den andern Eigentümer dazu entschieden habe, die Mühle nicht einfach abzubrechen, so nicht nur darum, weil eine Abbruchbewilligung wohl schwierig zu bekommen gewesen wäre, sondern weil es ganz einfach schade gewesen wäre, die als Repräsentationsbau im Schlössli-Stil 1889/90 erbaute ehemalige Brauerei dem Boden gleichzumachen.

«Wir betrieben eine Quartiererneuerung», hält er fest. Und dass immer noch Fachleute herbeikommen, um das Pionierprojekt zu studieren, macht ihn stolz. «Wir erbringen den Beweis, dass es funktionieren kann, wenn man Altes und Neues miteinander verbindet», sagt er.

«Es macht Mut, etwas Ähnliches an einem andern Ort zu versuchen.» «Das Geheimnis für den Erfolg ist, dass die Mühle Tiefenbrunnen voller Leben ist», sagt Wehrli. Und eines sei klar, wenn man so etwas am Leben erhalten und Innovationen zulassen wolle: «Es braucht ein Feu sacré.»

Und, fügt er bescheiden hinzu: Es brauche auch Glück, um zur richtigen Zeit mit den richtigen Leuten zusammen ein solches Projekt zu realisieren.

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