Bildung

Erwachsenenbildung will Dienstleisterin für Berufsbildung sein

Die EB Zürich im Seefeld. In den nächsten Jahren soll der Umzug in die alte Kaserne in Zürich erfolgen.

Die EB Zürich im Seefeld. In den nächsten Jahren soll der Umzug in die alte Kaserne in Zürich erfolgen.

Die Erwachsenenbildung Zürich steigt aus dem Kurswesen aus. Sie will eine Dienstleisterin für Berufsbildung sein.

Noch kann man Kurse buchen. Das Angebot auf der Webseite der Erwachsenenbildung Zürich (EB) ist breit. Es reicht von Fremdsprachen bis zu Software-Entwicklungen. Es handelt sich um ein letztes Programm, das nun gestartet werden konnte und bis in eineinhalb Jahren ausläuft. Er freue sich, dass damit ein geordneter Übergang möglich sei, sagte Sven Kohler gestern an einem Mediengespräch. Er ist seit einem Jahr Rektor an der EB Zürich.

Die in der früheren Kantonsschule Riesbach ansässige Institution ist in mehrerlei Hinsicht herausgefordert. Das 2017 auf eidgenössischer Ebene in Kraft getretene Weiterbildungsgesetz verlangt, dass auch staatliche Einrichtungen für ihre Weiterbildungsangebote kostendeckende Preise verlangen. Damit verlor die EB Zürich stark an Konkurrenzfähigkeit, denn ihre Angestellten unterstehen dem kantonalen Lohnreglement. Sie sind somit teurer als das Lehrpersonal privatwirtschaftlicher Bildungsanbieter. Die Folge waren Entlassungen. 65 Lehrpersonen, verteilt auf 24 Vollzeitstellen, betraf es letztes Jahr. Bis Oktober 2020 werden weitere 50 Angestellte, verteilt auf 15 Vollzeitstellen, dazukommen.

Traditionell innovativ

Eine Herausforderung waren und sind aber auch neue Lerngewohnheiten. Zum Beispiel lassen sich Tutorials auf Youtube gratis herunterladen. Aber gerade im digitalen Bereich sieht die EB Zürich nun auch Potenzial für die Zukunft. Rektor Kohler verwies auf die «Industrielle Revolution 4.0», bei der vor allem um die Vernetzung von Menschen, Geräten und Anwendungen geht. Diese zweite Stufe der Digitalisierung bestimmt auch Lerninhalte und Lernmethoden. Und Kohler ist überzeugt, dass man innovative Konzepte anbieten kann. Er verwies auf die 1980er, als die EB Zürich bei der Informatik-Bildung eine Pionierrolle übernommen hatte, ebenso ein Jahrzehnt später mit dem Aufkommen des Internets.
Zu ihren Kunden kommt die neue EB vor allem auf indirektem Weg. So ist sie etwa vom Kanton mit dem Aufbau eines Digitalen Learning Hubs beauftragt worden. Er steht seit 4. Oktober im Pilotbetrieb und richtet sich vor allem an die Lehrkräfte an den 30 Berufsfachschulen im Kanton Zürich. Wer von ihnen ein gutes digitales Lernsetting entwickelt hat, kann es in die Plattform einspeisen, damit auch die Kollegen und Kolleginnen davon profitieren. Es gehe auch darum, Doppelspurigkeiten an den Schulen zu vermeiden, sagte Markus Zwyssig vom kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamt.

Von Learning Hub und beruflicher Zukunft

Vier Geschäftsbereiche hat Kohler für die neue EB Zürich erarbeitet. Der Learning Hub gehört in den Bereich «Digitales Lernen». Er umfasst generell das Beraten bezüglich digitalen Lern- und Kommunikationsformen in der Berufsbildung.

Ein weiterer Bereich trägt die Überschrift «Berufliche Zukunft». Zu ihm gehört auch die einjährige Integrationsvorlehre für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene im Rahmen eines Pilotprogramms des Staatssekretariats für Migration. Einen ersten Lehrgang mit 70 Teilnehmenden hat die EB Zürich zusammen mit der Firma Planzer kürzlich erfolgreich abgeschlossen. Der nächste umfasst 90 Teilnehmende. Weiterhin tätig sein will man auch in der Um- und sogenannten Nachholbildung. Im Bereich «Grundkompetenzen» geht es um Lesen, Schreiben, Rechnen, aber auch gesellschaftlichen Fragen. Die EB entwickelt Dienstleistungen und Kursangebote für Erwachsene mit Defiziten in diesen Fertigkeiten. Geschäftsbereich Nummer 4 heisst «Berufsbildungsprofis». Die EB will weiter Lehrende in den Lehrbetrieben, in den überbetrieblichen Kursen und an den Berufsfachschulen ausbilden. Verstärkt soll der Fokus auf deren Vernetzung gelegt werden.

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