Schlieren
Ertrunkene Autos und unzählige Schäden - die Bilanz des Unwetters

In Schlieren stand die Unterführung Goldschlägistrasse komplett unter Wasser. Zwei Autos versanken dort in den Wassermassen – doch das sind bei weitem nicht die einzigen Folgen des gestrigen Gewitters, das im Limmattal besonders stark wütete

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Arbeiten in der überschwemmten Goldschlägi-Unterführung.
11 Bilder
Auto unter Wasser in Goldschlägi-Unterführung, Schlieren
Der Abfluss Marmoriweiher nach dem Gewitter vom Sonntag. Bild von Lesereporter Ursi Walpen
Ein Auto ist in der überfluteten Unterführung versunken. (Bild von Lesereporter Heiri Lüthi)
Ein Auto ist in der überfluteten Unterführung versunken. (Bild von Lesereporter Heiri Lüthi)
Ein Auto ist in der überfluteten Unterführung versunken. (Bild von Lesereporter Heiri Lüthi)
In der Unterführung in Schlieren kommt das Auto zum Vorschein.
Verschüttete Strasse unterhalb des Sportplatzes Breite in Birmensdorf. Bild fni
So zog das Gewitter über die Schweiz.
Eine spektakuläre Szene in der Unterführung Goldschlägistrasse in Schlieren. Ein Mann steigt aus dem Dachfenster, ein anderer rettet sich über ein Geländer. (Leserbild)
In Schlieren gerät ein Auto in der Unterführung Goldschlägistrasse ins Wasser.

Arbeiten in der überschwemmten Goldschlägi-Unterführung.

Limmattaler Zeitung

Das Unwetter von gestern Nacht zog das Limmattal ganz besonders in Mitleidenschaft. Vor allem die Gemeinden Schlieren, Birmensdorf und Uitikon traf das Gewitter schwer. Wie Schutz & Rettung auf Anfrage erklärt, gingen rund die Hälfte der nächtlichen Feuerwehreinsätze im Kanton Zürich auf das Konto des Bezirks Dietikon. Verletzt wurde niemand.

Das Betreibungsamt, welches im selben Gebäude untergebracht ist, wurde durch den Brand ebenfalls beeinträchtigt. Weil es beim Brand zu starker Rauchbildung kam, und die Russpartikel auch in die Büros des Betreibungsamts gelangten, bleibt das Amt den ganzen Tag durch geschlossen. Die Räume würden nun gereinigt, diese Arbeiten nähmen aber auch den ganzen Dienstag in Anspruch, teilte die Gemeinde mit. Das Betreibungsamt werde seine Arbeit daher erst am Mittwoch wieder aufnehmen können.

Die Birmensdorfer Feuerwehr musste zwischen 22 und 5 Uhr 90 Mal ausrücken. Seither war sie für rund 60 weitere Einsätze unterwegs. "Das Wasser in den Kellern stand teilweise 2,5 Meter hoch", sagt Hofstetter. Insgesamt waren bisher 50 Einsatzkräfte mit dem Beheben der Gewitterschäden beschäftigt.

An der Lielistrasse stand das Wasser zudem 1,5 Meter hoch - die Wassermassen begruben laut Hofstetter zwei Autos fast vollständig. Zudem wurde unterhalb des Sportplatzes Breite eine Strasse zugeschüttet.

Einsatzkräfte werden abgelöst

In Urdorf musste die Feuerwehr insgesamt zehn Mal ausrücken. Dabei ging es vor allem darum, Wasser aus Kellern zu pumpen, wie Thomas Bollinger, Kommandant der Urdorfer Feuerwehr, sagt. „Es standen zwischen 15 und 20 Personen von 23 Uhr bis 3 Uhr morgens und dann wieder von 4 bis 7 Uhr im Einsatz.“ Zudem unterstützte die Urdorfer Feuerwehr auch den Einsatz der Birmensdorfer Kollegen in der Swisscom-Zentrale.

In Uitikon musste die Feuerwehr zwischen 23 und 6 Uhr für 22 Einsätze ausrücken, seither für 18 weitere. Insgesamt sind noch 10 Einsätze offen, wie Feuerwehrkommandant Werner Oetiker sagt. Schichtweise waren im Verlauf des Tages 25 Personen im Einsatz. Zwischen 16 und 17 Uhr sollen nun die Nacht-Einsatzgruppen alarmiert werden, damit die bisher im Einsatz stehenden Kräfte abgelöst werden können.

Auto in Unterführung gestrandet

In Schlieren gerieten in der Bahn-Unterführung Goldschlägistrasse zwei Autos in die Wassermassen, die sich dort angesammelt hatten. Gestern Nacht trugen sich dort dramatische Szenen zu, wie die Bilder eines Leserreporters zeigen: Einer der Insassen musste sich über das Dachfenster aus dem Auto retten, ein anderer kletterte über das Geländer. Die Bergungsarbeiten sind zurzeit immer noch im Gang, die Strasse ist nach wie vor gesperrt.

Grösseren Aufwand bescherte der Feuerwehr laut einer Mitteilung der Stadt zudem Wasser, das in den Elektrokanal im Gebiet Wagistrasse eintrat.

Die Schlieremer Feuerwehr musste 50 Mal ausrücken, wie die Stadt im Laufe des Vormittags mitteilte - verschiedene Equipen sind zudem immer noch im Einsatz. Hauptsächlich gilt es Keller, Garagen und Liftschächte auszupumpen; auch in verschiedenen Schulhäusern und dem Stadthaus steht das Wasser in den Kellern. Der Schulbetrieb und die Stadtverwaltung sind jedoch nicht beeinträchtigt.

Zudem ist der Werkhof weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar - ein Blitzschlag legte die Kommunikation lahm. Notrufe betreffend Gas- oder Wasserversorgung nimmt deshalb nur die Stadtpolizei entgegen. Nicht betroffen vom Unwetter sei hingegen das Schwimmbad Im Moos. Die biologische Reinigung funktioniere ohne Probleme, schreibt die Stadt.

Auf der Linie der Bremgarten-Dietikon-Bahn verursachte das Gewitter eine Stellwerkstörung, die Verspätungen auf der Strecke der S17 nach sich zog, wie Pendler auf Twitter meldeten. Auch die S-Bahn-Strecke Birmensdorf – Altstetten musste gestern Nacht wegen eines Erdrutsches unterbrochen werden. Mittlerweile verkehren die Bahnen wieder normal.

800 bis 1000 Schadensmeldungen

Die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) verzeichnete bis am Mittag 200 Schadensmeldungen im ganzen Kanton. Diese Zahl dürfte aber noch steigen, erklärt Kirstin Steyer, Kommunikationsverantwortliche bei der GVZ: „Insgesamt dürften es am Ende zwischen 800 und 1000 Schadensmeldungen sein.“

Im ganzen Kanton Zürich mussten 31 Feuerwehrorganisationen mehrere Hundert Mal ausrücken. Ab 21.30 Uhr wurden zahlreiche überflutete Keller gemeldet, wie Schutz & Rettung am früheren Morgen mitteilte. Die Gewitterfront zog aus Richtung Süden über das Kantonsgebiet. Neben dem Bezirk Dietikon sorgte es insbesondere auch in den Bezirken Affoltern, Horgen und Zürich für Schäden.

Zahlreiche Einsätze entfielen auf die Stadt Zürich. Um die Notrufe entgegennehmen und bearbeiten zu können, wurde das Personal in der Einsatzleitzentrale von Schutz & Rettung zeitweise auf bis zu 30 Personen aufgestockt.

Flugzeuge standen still

Auch am Flughafen Zürich ging zeitweise gar nichts mehr. Zwischen 22.30 und 23 Uhr musste ein so genannter Handlingstop verfügt werden. Es kam zu Verspätungen; ein Dutzend Maschinen konnte erst nach Beginn der Nachtsperre um 23.30 starten. Die letzte verliess Zürich um 00.15 Uhr, wie Flughafensprecherin Sonja Zöchling gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. (az/sda)