In den letzten 180 Jahren waren die Frauen stets in der Mehrheit. Seit diesem September ist es allerdings umgekehrt: Die Stadt zählte knapp hundert Männer mehr als Frauen, wie sie am Mittwoch mitteilte. Eine Männermehrheit gab es letztmals im Jahr 1836.

Diese Verschiebung liegt nicht etwa am vermehrten Zuzug von Männern an den Technologiestandort Zürich mit Google-Sitz und ETH. Die Stadt erkennt keinen "Google-Effekt", wie sie schreibt. Die Geschlechterverschiebung habe vielmehr mit der Migrationsgeschichte seit Anfang des 20. Jahrhunderts zu tun.

Viele Frauen aus Süddeutschland

Anfang des 20. Jahrhunderts, konkret zwischen 1910 bis 1939, wanderten überproportional viele Frauen in die Stadt ein, die als Bedienstete, in der Gastronomie und in der Industrie arbeiteten. Viele von ihnen stammten aus dem süddeutschen Raum.

Auch nach dem Krieg kamen deutlich mehr Ausländerinnen als Ausländer in die Stadt Zürich. Dieses Ungleichgewicht begann sich erst ab den 1960er-Jahren bis zu den 1990er-Jahren langsam zu ändern. Zuerst kamen viele männliche Arbeitskräfte aus Italien, danach Männer, die vor den Balkankonflikten in die Schweiz flüchteten.

Die frauenstarken Jahrgänge sind somit heute eher fortgeschrittenen Alters und sterben. Gleichzeitig rücken jüngere Generationen mit hohem Männeranteil nach.

Der Trend wird wohl so weitergehen. Die Prognose sei, dass es bis 2035 über fünftausend mehr Männer als Frauen haben werde. 

Quelle: Statistik Stadt Zürich