Beschäftigung

Erstmals mehr Männer als Frauen in Textilbranche

In der Textilindustrie arbeiten erstmals mehr Männer als Frauen. (Symbolbild)

In der Textilindustrie arbeiten erstmals mehr Männer als Frauen. (Symbolbild)

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei der Teilzeitarbeit ist in Zürich geringer als in der Restschweiz. Erstmals arbeiten zudem mehr Männer als Frauen in der Herstellung von Textilien.

Neben der Verwaltung ist es auch im Grundstücks- und Wohnungswesen so. Auch bei der Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen, in der Erziehung und im Unterricht sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen zeichnet sich das gleiche Bild ab: Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten sind Frauen. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2015 und stammen vom Statistischen Amt des Kantons Zürich. Im Gesundheits- und Sozialwesen liegt die Frauenquote gar bei 76 Prozent.

Fast die gleiche Struktur weist die weibliche Beschäftigungsquote in der Stadt Zürich auf. Wirtschaftliche Dienstleistungen erbringen in der Stadt aber mehrheitlich Männer. Dafür aber liegt die Frauenquote bei den Beschäftigten im Handel und der Instandhaltung sowie Reparatur von Motorfahrzeugen bei 54 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass die Frauenquote aber lediglich durch die Untergruppe Detailhandel – 68 Prozent der Beschäftigten sind weiblich – nach oben gezogen wird. Das gilt für die Stadt wie auch den gesamten Kanton.

Teilzeitarbeit ist typisch

Auffallend für alle Wirtschaftszweige ist, dass die Zahl der beschäftigten Frauen etwa doppelt so hoch ist wie die Zahl der weiblichen Vollzeitbeschäftigten. Bei den Männern ist dieser Unterschied deutlich kleiner. «In der Schweiz ist Teilzeitarbeit ein typisches Merkmal weiblicher Erwerbsarbeit. In kaum einem europäischen Land ist diese Arbeitsform so weit verbreitet wie hier», sagt Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich.

Im Vergleich zur Gesamtschweiz (58,7 Prozent) ist der Anteil der Teilzeit arbeitenden Frauen in Zürich mit 51,8 Prozent im Jahr 2015 kleiner und der Anteil der Teilzeit erwerbstätigen Männer mit 20,9 Prozent (Schweiz 16,4 Prozent) grösser. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bezüglich Teilzeitbeschäftigung sind in der Stadt Zürich geringer als in der gesamten Schweiz.

Unbezahlte Sorgearbeit

Die hohe Teilzeiterwerbsquote der Frauen erklärt sich laut Derungs durch negative steuerliche Anreize für das Zweiteinkommen von Ehepaaren, die ungleiche Verteilung der Haus- und Familienarbeit, die gesellschaftlichen Rollenerwartungen und die Lohnungleichheit. «Unsere Arbeitswelt und die Möglichkeit, beruflich aufzusteigen, ist auf diejenigen Menschen zugeschnitten, die Haushalts- und Betreuungsarbeit an andere delegieren und dazu noch uneingeschränkt mobil und flexibel sind. Diese Attribute treffen auch heute – leider – noch immer mehrheitlich auf Männer zu», sagt Derungs.

Entsprechend leisten die Frauen – oft neben einer Teilzeitbeschäftigung – die unbezahlte Sorgearbeit. «Eine Arbeit mit wenig Wert und Anerkennung, die unbezahlt verrichtet wird: zuhause, ohne dass sie jemand sieht, eine ‹Arbeit aus Liebe›, die nicht rationalisierbar ist», so Derungs.

Lücken schliessen sich langsam

Der Blick zurück bis 2011 zeigt, dass es in Zürcher Wirtschaftszweigen kaum Bewegung gab punkto Beschäftigungsquote von Frauen. Eine Zunahme weist seit 2014 der Sektor der Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen auf. Dort liegt die Zahl der beschäftigten Frauen seither leicht über 50 Prozent. Während bei der Herstellung von Textilien 2015 erstmals mehr Männer als Frauen beschäftigt sind, stieg dafür der Frauenanteil bei der Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen seit 2011 auf über 53 Prozent.

Möglich ist, dass der Zeitraum der Beobachtung zu kurz greift, wie Derungs sagt: «Es braucht Zeit, bis sich gängige Ein- und Vorstellungen verändern. Die Lücken in der Gleichstellung schliessen sich nach wie vor langsam.» Die Rückweisung der Vorlage zur Revision des Gleichstellungsgesetzes im Bundesparlament ist laut Derungs deshalb bitter.

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