Es erfülle ihn mit Stolz und Freude, die Stadt ein Jahr lang als "höchster Zürcher" repräsentieren zu dürfen, sagte Wiesmann in seiner Antrittsrede.

Er wolle keinen starren, andächtigen, langweiligen Rat, sagte Wiesmann weiter. Eine gewisse Lebendigkeit sei durchaus angebracht und erwünscht. Bei 125 Personen mit unterschiedlichen Ansichten könne nicht immer Stille und Eintracht herrschen.

Die Zauberworte heissen gemäss Wiesmann aber "Anstand und Respekt". Dieser kleinste gemeinsame Nenner sei seine Bitte an die Parlamentarier für sein Amtsjahr. Wichtig sei ihm auch, die Ratseffizienz hoch zu halten. Diese habe sich in den letzten Jahren stark verbessert.

Einerseits sei dies der Ratsführung und neuer Instrumente seiner Vorgängerinnen und Vorgänger zu verdanken. Andererseits würden zunehmend schriftliche Anfragen eingereicht. Diese würden die Verwaltung auf Trab halten, während sich die Traktandenliste verschlanke. Dafür fehle weitgehend eine Debatte im Rat, was in manchen Fällen natürlich schade sei.

Seit 2010 im Gemeinderat

Der 39-Jährige ist in Zürich-Oberstrass aufgewachsen, sein Heimatort ist Oberneunforn im Kanton Thurgau. Nach dem Geschichtsstudium arbeitete er im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv in Basel, das er zuletzt leitete. Heute ist der Wirtschaftshistoriker als Projektleiter für ein Zuger PR- und Kommunikationsbüro tätig.

Er hat zudem das Buch "Bier und wir - Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums in der Schweiz" geschrieben.

Wiesmann wurde bei den Erneuerungswahlen 2010 für den Kreis 6 in den Gemeinderat gewählt. Die Grünliberalen schafften damals mit zwölf Sitzen den Einzug ins Stadtparlament. Wiesmann wurde bald innerhalb der GLP-Fraktion Ansprechperson für alle Fragen rund um den Ablauf der Sitzungen.

Als die Anfrage an die GLP-Fraktion kam, ob sie einen Ratspräsidenten stellen möchte, war Wiesmann mehr oder weniger gesetzt. "Ich habe gerne Ja gesagt zu diesem Amt."

Mit Wiesmann präsidiert erstmals ein Grünliberaler das Stadtzürcher Parlament. Er erhielt 101 Stimmen der 115 anwesenden Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Während des Amtsjahres 2015/2016 leitet er nun die Sitzungen des Gemeinderats.

Wiesmann rückt als bisheriger Vizepräsident turnusgemäss auf den Präsidiumssitz nach und ersetzt Dorothea Frei von der SP. Neben dem neuen Ratspräsidenten wurde Roger Bartholdi (SVP) mit 97 Stimmen zum ersten Vizepräsidenten gewählt. Peter Küng (SP) ist neu zweiter Viezpräsident, er erhielt 96 Stimmen.