In der Schweiz gibt es schätzungsweise rund 5000 Personen, die an einer MCS leiden. Bereits geringste Chemikalien-Konzentrationen oder elektromagnetische Felder lösen bei diesen Menschen Probleme aus, beispielsweise Schwindel, Kopf- und Gliederschmerzen, Haut- und Atemwegprobleme sowie chronische Erschöpfung.

Auslöser sind Alltagsstoffe wie Parfums, Waschmittel, Lösungsmittel Rauch, Schwermetalle oder Dieselabgase. Viele Betroffene können kaum noch einer Arbeit nachgehen und sind sozial isoliert. Praktisch unmöglich ist es für sie, geeigneten Wohnraum zu finden.

Die Stadt Zürich hat für ein Pilotprojekt deshalb ein Grundstück im Baurecht zur Verfügung gestellt, das von Umwelteinflüssen wie Elektrosmog, Lärm und Abgasen möglichst wenig belastet ist. Wie die Stadt am Montag mitteilte, ist der Pionierbau der Genossenschaft Gesundes Wohnen nun fertiggestellt.

Glasfaserstäbe statt Armierungseisen

Auf der Baustelle galten strenge Vorschriften: Bei der Montage wurden möglichst keine Chemikalien eingesetzt, Montageschäume und Spraydosen waren komplett verboten. Die Arbeiter durften sich zudem keine Zigaretten anzünden.

Auch bei der Materialauswahl lief einiges anders als auf normalen Baustellen. Bevor Materialien verbaut wurden, testete eine Gruppe Umwelterkrankter sie auf ihre Verträglichkeit. Statt Armierungseisen wurden deshalb wo immer möglich Glasfaserstäbe verwendet.

Durch eine Schmutzschleuse nach Hause

Damit die Luftqualität in den Räumen möglichst gut ist, wurde das MCS-Haus nach dem Zwiebelprinzip aufgebaut. Der Zugang in die Aussenwelt, das Treppenhaus, liegt im Gebäudekern, darum herum wurden die potenziell belasteten Zonen gruppiert. In die Ruhe- und Erholungsräume gelangen die Bewohner durch eine Schmutzschleuse.

Der Bau von MCS-gerechten Wohnungen ist etwa 25 Prozent teuer als bei normalen Wohnungen. Das Projekt in Zürich kostete knapp sechs Millionen Franken. 80 Prozent der Wohnungen werden mit Mitteln der Wohnbauförderung vergünstigt. Eine kleine 2-Zimmer-Wohnung mit einer Fläche von 56 Quadratmetern kostet so 1050 Franken.