Zürich

Erste Firmen haben das Interesse am Standort Zürich verloren

Die Baustelle der "Greater Zurich Area"

Die Baustelle der "Greater Zurich Area"

Das Ja zur SVP-Zuwanderungsinitiative stellt die Greater Zurich Area AG und die angesiedelten Unternehmen vor Herausforderungen – und zwei Firmen haben kein Interesse mehr an Zürich.

89 Unternehmen haben 2013 mit Unterstützung der Greater Zurich Area (GZA) Zürich oder umgebende Kantone als neuen Standort gewählt. Das sind sechs mehr als im Vorjahr. Die Spitzenzahl von 103 Ansiedelungen in 2009 und 2010 wird aber nicht erreicht. Rund 362 Arbeitsplätze konnten geschaffen werden, wie Geschäftsführerin Sonja Wollkopf an der gestrigen Medienkonferenz mitteilte. In den nächsten fünf Jahren planen die 89 Firmen, weitere 1075 Stellen zu schaffen. Diese Zahlen liegen klar unter den Werten der letzten fünf Jahre.

Wollkopf erklärt sich die Abnahme vor allem mit der wirtschaftlichen Krise in anderen Ländern, die Spardruck mit sich bringe. Zwar sei Zürich und Umgebung als Standort für Funktionen beliebt, aber die Unternehmen analysierten momentan sehr genau, welche überhaupt gebraucht werden.

Dieses Jahr könnten auch politische Entscheide das Standortmarketing empfindlich treffen. Nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative hätten sich bereits zwei Firmen zurückgezogen, mit denen die GZA in Kontakt gestanden habe, sagte Wollkopf. Ein weiteres grosses US-Unternehmen aus dem Bereich Präzisionstechnologie habe den Ansiedelungs-Prozess deutlich verlangsamt.

Verunsicherte Mitarbeiter

«Firmen haben das Bedürfnis, mit ihrer eigenen Kultur in die Schweiz zu kommen. Sie leben sich ein und rekrutieren erst später Arbeitskräfte auf dem lokalen Markt», erklärte die GZA-Geschäftsführerin. Sie bekämen zu spüren, dass Mitarbeiter verunsichert seien und sich fragten, ob sie in der Schweiz noch willkommen seien. Viele würden das politische System der Schweiz nicht gut kennen und wüssten nicht, dass die Umsetzung Jahre dauern wird.

Die Unsicherheit spürt auch Bert van Kampen, Direktor der Yingli Green Energy International AG. Die weltweit grösste Herstellerin von Solarmodulen ist seit drei Jahre mit der GZA in Kontakt und seit 2012 in Zürich vertreten. Van Kampen betrachtet die politischen Entwicklungen kritisch. Vor allem schnelles Handeln könne verkompliziert werden. In seiner Branche sei es bis jetzt unproblematisch, Personal aus anderen Ländern zu holen, falls es gebraucht werde.

Die Probleme sieht er noch nicht in den nächsten zwei Jahren, aber langfristig sei die Lage sehr schwierig einzuschätzen. «Man könnte sich überlegen, in ein anderes Land umzuziehen. Die Steuern in Curaçao sind besser als in der Schweiz. Aber schlussendlich ist die Kundennähe der wichtigste Faktor», sagte er.

Zürichs Vorteile betonen

Wie viele Firmen die Schweiz nach dem Volksentscheid gar schon verlassen haben, konnte Wollkopf nicht sagen. Die GZA kümmere sich darum, dass möglichst welche reinkämen. Sie nehme es als eine ihrer Pflichten wahr, den Schweizer Entscheid im Ausland zu erklären. Die Vorteile des Wirtschaftsstandorts Greater Zurich Area müssten nun noch aktiver herausgestrichen werden. Generell kritisiert die GZA den leichtfertigen Umgang mit vorhandenen Stärken in der Schweiz. Im Standortwettbewerb trete Zürich und Umgebung gegen andere Metropolitanregionen wie London, Kopenhagen oder Luxemburg an. Zu diesen müsse Abstand hergestellt werden.

GZA hat 2013 erfolgreich fünf chinesische Firmen bei der Ansiedelung unterstützt. Auch für 2014 hat die Organisation theoretisch eine «gut gefüllte Pipeline».

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