Zürichsee
Erstaunliche Ruhe – nur auf dem See wirft das Jetboot hohe Wellen

Seit über einem Monat rast das Jetboot über den Zürichsee – bisher Widerstand aus der Bevölkerung.

Heinz Zürcher
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Über 250 Mal ist das Jetboot seit der Betriebsaufnahme im Juli dieses Jahres schon über den Zürichsee geflitzt – ohne dass sich jemand daran störte. ZVG.

Über 250 Mal ist das Jetboot seit der Betriebsaufnahme im Juli dieses Jahres schon über den Zürichsee geflitzt – ohne dass sich jemand daran störte. ZVG.

Zur Verfügung gestellt

Eine Katastrophe für den Uferschutz und die Wasserfauna – eine Gefahr für Schwimmer und andere Seebenutzer: Die Bedenken waren gross, als das Jetboot im Juli das erste Mal mit 60 Sachen über den Zürichsee flitzte und spektakuläre Manöver wie 360-Grad-Drehungen oder Vollbremsungen hinlegte. Obwohl Betreiber Thomas Lang die Bewilligung für die neue Attraktion erhalten hatte, rechnete er mit Widerstand und Reklamationen. Auf dem Brienzersee, wo ein Jetboot bereits seit letzter Saison seine Runden dreht, hagelte es anfänglich Kritik. Die Stiftung für Landschaftsschutz reichte eine Beschwerde ein. SP und Grüne bekämpften die Spritzfahrten auf politischem Weg. Die Vorstösse blieben erfolglos.

Und in Zürich? Über einen Monat nach den ersten Fahrten scheint es, dass das Jetboot geduldet wird. «Wir haben keine einzige Reklamation erhalten – weder aus der Bevölkerung noch von politischer Seite», sagt Thomas Lang. Die kantonale Seepolizei bestätigt: «Es gab keinerlei Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem Jetboot.» Das überrascht selbst Lang. Er sagt: «Ich hatte ehrlich gesagt mit mehr Gegenwind gerechnet.» Dass ihm dieser nicht entgegenblies, verdanke er seinen Kapitänen. «Das sind keine Rowdys. Sie haben die Uferabstände eingehalten, das Kreuzen von Schiffen vermieden und sind auch sonst keine Risiken eingegangen.»

Warten auf Laufkundschaft

Ausserdem habe sich bestätigt, dass ausserhalb des Seebeckens genügend Platz für Tempofahrten und Manöver vorhanden sei. «Zumal es ja nur ein Jetboot gibt – und nicht 50.» Lang hat nicht vor, ein weiteres Boot anzuschaffen. «Wir wollen so weiterfahren», sagt er. Mit dem bisherigen Verlauf sei er «sehr zufrieden». Wenn ihm seine Hostingpartner – das Hotel Storchen in Zürich sowie die Gastrobetriebe Fischers Fritz in Wollishofen und Quai 61 am Mythenquai – keine Fahrgäste vermitteln, wartet das Boot am Nautischen Zentrum Lago am Utoquai auf Laufkundschaft.

Über 250 Mal ist das Jetboot seit Juli losgefahren. Gebucht hatten Firmen, Familien, Touristen oder Vereine. 99 Franken zahlt ein Erwachsener für die einstündige Fahrt. Für 792 Franken sichert man sich alle elf Plätze. Gut gelaufen seien auch die kürzeren Fahrten zu einem Spezialpreis anlässlich des Rapperswiler Seenachtsfests. Keinen Erfolg brachte dagegen die Street Parade. «Zu viele Betrunkene – wir waren bald wieder weg», sagt Lang.

Neuer Heimathafen

Im Juli hatte das Jetboot noch von seinem Heimathafen in Nuolen am Obersee Richtung Zürich fahren müssen. Neu liegt das Boot in Horgen. «Das ist unweit der Seemitte, was uns natürlich entgegenkommt», sagt Lang. Entgegengekommen ist ihm auch das gute Sommerwetter. «Wir haben davon profitiert, die Einnahmen stimmen», sagt Lang, ohne Zahlen zu nennen. Solange Wind und Regen nicht zu stark sind, wird das Jetboot auch in diesem Monat noch ein paarmal ablegen. Viele Gruppen hätten sich bereits angemeldet. Bis im Oktober dürfte der rote Flitzer also noch auf dem Zürichsee zu sehen sein.