Der Heimatschutz gelangte ans Verwaltungsgericht, nachdem das Baurekursgericht im November 2015 den zuvor verhängten Denkmalschutz für das Kino Sternen aufgehoben hatte.

Das Zürcher Verwaltungsgericht folgte nun der Beschwerde des Heimatschutzes und gab den Fall für ein neues Gutachten zurück ans Baurekursgericht, wie das Gericht in seinem am Mittwoch veröffentlichten Urteil schreibt.

Stellenwert im Gesamtwerk beurteilen

Das Kino Sternen stammt von Werner Stücheli, der zu den erfolgreichsten Zürcher Architekten der frühen Nachkriegszeit zählte und der neun Mal - mehr als jeder andere Architekt vor oder nach ihm - die Auszeichnung für gute Bauten erhielt.

"Welche Bedeutung das Kino Sternen im Gesamtwerk von Stücheli einnimmt, ist unklar", schreibt das Verwaltungsgericht. Das bei den Akten liegende Gutachten der Stadtzürcher Denkmalpflege äussere sich nicht zu dieser Frage. Für den Unterschutzstellungsentscheid müsse man sich auch mit dieser Frage befassen.

Für das Verwaltungsgericht ist klar, dass es denkmalpflegerisches Spezialwissen brauche, um "den Stellenwert des Kinos Sternen im Oeuvre von Stücheli" beurteilen zu können. Dieses Wissen hat das Verwaltungsgericht nicht.

Es gibt den Fall deshalb für ein ergänzendes Gutachten zurück ans Baurekursgericht. Dieses Gutachten solle auch beurteilen, welche Gebäudeteile im Einzelnen schützenswert seien und welche Teile im Interesse einer ökonomischeren Nutzung des Grundstücks abgebrochen oder umgestaltet werden können. Das Verwaltungsgerichts-Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Komplett abbrechen und neu bauen

Das zweigeschossige, längliche Gebäude wurde 1949/1950 errichtet. Im Erdgeschoss wurde ursprünglich der Tearoom "Micky Maus" und im Obergeschoss das "Kino Sternen" betrieben. Seit 1999 ist das Obergeschoss ein Sexkino.

Speziell: Im fensterlosen oberen Stock treten auf den schmäleren beiden Seiten die Leinwandnische und die Projektionskabine "je auskragend aus den Fassadenfluchten".

Die Grundeigentümerin möchte das Gebäude vollständig abbrechen und durch ein noch nicht näher konkretisiertes Wohngebäude ersetzen. Der Stadtrat von Zürich stellte das Gebäude "Kino Sternen" im April 2015 jedoch unter Denkmalschutz.

Die Eigentümerin gelangte ans Zürcher Baurekursgericht, das im November 2015 den Schutz aufhob. Dagegen rekurrierte der Zürcher Heimatschutz und zog den Fall ans Verwaltungsgericht.