Gegen 12.30 Uhr traf gestern die Delegation um Bundespräsident Ueli Maurer und den finnischen Staatspräsidenten Sauli Niinistö in Seegräben ein. Programmpunkt ihrer Visite im Zürcher Oberland, die im Rahmen eines zweitägigen Staatsbesuchs stattfand: Mittagessen auf dem Erlebnisbauernhof der Jucker Farm AG. Maurer wollte seinem finnischen Amtskollegen auf dessen Wunsch zeigen, wie sich Landwirtschaft und Tourismus verbinden lassen. Dass die Wahl dabei auf den juckerschen Hof fiel, überrascht nicht: Idyllisch auf dem Hügelrücken zwischen Aathal und Pfäffikersee gelegen, hat sich der Betrieb in den letzten Jahren zu einem Publikumsmagneten sondergleichen entwickelt.

«Zwischen 100 und 8000 Besucher kommen täglich, je nach Wetter», sagt Mitinhaber Martin Jucker. An Spitzentagen können es auch mehr sein. Kinder tollen auf Strohballen herum und können Geissen streicheln. Erwachsene laben sich derweil an den Tischen vor dem hofeigenen Restaurant mit Blick über den Pfäffikersee an regionalen Produkten. Anschliessend kaufen sie vielleicht noch im Hofladen ein, pflücken Beeren von Juckers Feldern und runden ihren Ausflug mit einem Spaziergang um den See ab. «Angesichts der zunehmenden Urbanisierung wird so ein Ort immer wichtiger», sagt Jucker.

Eine Seilbahn zum Bauernhof

Besonders im Herbst, wenn jeweils die grösste Kürbisausstellung der Schweiz lockt, überlastet der Besucherstrom die lokale Verkehrsinfrastruktur. Deshalb plant Jucker eine Seilbahn, die Seegräben künftig vom Bahnhof Aathal aus erschliessen soll, wie kürzlich bekannt wurde. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen: Nachdem eine Machbarkeitsstudie bereits vorliegt, strebt Jucker nun einen Richtplaneintrag an. Er ist überzeugt, dass die Millioneninvestition in eine Seilbahn sinnvoll wäre. Schon heute finanziert die Jucker Farm AG mit jährlich 80 000 Franken einen öffentlichen Shuttlebus. Geld, das Jucker lieber in eine Seilbahn stecken würde. Denn dann könnte er – anders als beim Bus, der zum Zürcher Verkehrsverbund gehört – auch an den Ticketeinnahmen verdienen. Jucker hofft, die Seilbahn bis in zehn Jahren realisieren zu können.

Staatsbesuch, Erlebnisbauernhof mit Seilbahnprojekt – wie konnte es überhaupt so weit kommen? Jucker erinnert sich: «1997 machten mein Bruder und ich erste Versuche mit Kürbisanbau.» Dahinter steckte die Erkenntnis, dass der Betrieb, den Juckers in fünfter Generation führen, nur noch knapp überlebensfähig war. Auch um den Bauernhof in Rafz, von dem die Mutter stammte, sei es wirtschaftlich schlecht gestanden.

Die Kürbisversuche hatten unerwartete Folgen: Ausflügler sahen die 50 Tonnen Kürbisse, die Juckers aus Platzmangel im Hof gelagert hatten, als Ausstellung an. Die Jungbauern konnten die gesamte Ernte verkauften. Von da an führten sie jedes Jahr eine Kürbisausstellung durch. Schon 1999 seien im September und Oktober 300 000 Besucher gekommen. Im Folgejahr veranstalteten Juckers erstmals auch Kürbisausstellungen in Deutschland.

Schnelles Wachstum

Das schnelle Wachstum führte nicht nur zu Verkehrsproblemen, sondern auch zu betrieblichen Schwierigkeiten: «Im Jahr 2000 waren wir fast pleite», sagt Jucker. «Wir besannen uns zurück aufs Kerngeschäft.» In der Folge wurde der Betrieb in Seegräben ab 2003 konsequent als ganzjähriger Erlebnisbauernhof positioniert, mit Hofladen, eigenem Selbstbedienungsrestaurant und einer um Spargeln, Erdbeeren, Heidelbeeren und Melonen erweiterten Produktepalette. Auch Seminarräume kamen hinzu. Neben dem Ausflugstourismus sind Firmenanlässe ein wichtiges Standbein geworden. Laut Jucker zählt der Betrieb, der seit zwei Jahren ohne Direktzahlungen aus Steuergeldern auskommt, inzwischen 150 Angestellte.

Zur Jucker Farm AG zählen heute auch ein Erlebnisbauernhof in Jona sowie der auf Gemüseproduktion spezialisierte Betrieb in Rafz. Ferner veranstaltet das Unternehmen acht Kürbisausstellungen in Deutschland.

An neuen Ideen mangelt es nicht: Jüngste Errungenschaft in Seegräben ist ein als Irrgarten angelegter Apfelhain für die Mostproduktion. Und im Januar soll erstmals ein Strohfestival stattfinden, um den Ganzjahresbetrieb auch im Winter zu stärken. Details will Jucker noch nicht verraten. Doch ein riesiges Strohhuhn im Hof lässt ahnen, was die Besucher erwarten dürfte.