"Wir haben in Zürich ein ernsthaftes Problem", sagte Filippo Leutenegger, Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartementes, am Donnerstag vor den Medien. Die Situation sei zwar noch nicht dramatisch, könne aber schnell dramatisch und teuer werden, wenn nichts gegen die Problempflanzen unternommen werde.

Ein ausgesprochen hartnäckiger Ausländer hat sich entlang der Limmat eingenistet: der japanische Staudenknöterich. Dieser Neophyt wächst täglich bis zu dreissig Zentimeter und kann mit seinen ausladenden Wurzeln ganze Uferböschungen destabilisieren. Die Bekämpfung dieser Problempflanze sei aufwendig, erklärte Leutenegger. Eine einmalige Aktion reiche nicht aus, um sie einzudämmen.

Der Knöterich ist aber längst nicht die einzige Problempflanze in der Stadt Zürich: So gedeihen auf 162 Standorten der Riesen-Bärenklau prächtig und gar auf 634 Standorten hat sich die Goldrute ausgebreitet.

Sie alle gehören zu den 24 Pflanzenarten, die auf der schwarzen Listen aufgeführt sind, weil sie hierzulande in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit oder Ökonomie Probleme verursachen. So kann beispielsweise der Riesen-Bärenklau, wenn er berührt wird, zu schmerzhaften Verbrennungen führen.

Laut Leutenegger bekämpft Grün Stadt Zürich Problempflanzen seit Jahren und erfasst die Standorte im Geo-Informationssystem. Auch der Gemeinderat sei sich des Problems, das von den sich extrem schnell ausbreitenden Pflanzen ausgehen kann, bewusst und habe das Budget für den Kampf gegen Problempflanzen um 200'000 auf 350'000 Franken erhöht.

Kampf kontinuierlich und koordiert führen

Die Neophyten-Bekämpfung könne nur erfolgreiche sein, wenn sie konsequent und kontinuierlich über mehrere Jahre stattfinde, betonte Adrian Stolz, Bereichsleiter Naturförderung, bei Grün Stadt Zürich. Das Vorgehen werde mit angrenzenden Gemeinden und dem Kanton koordiniert. Eine gänzliche Ausrottung sei aber praktisch nicht möglich.

Den Kampf angesagt hat die Stadtgärtnerei den Problempflanzen derzeit vor allem auf stadteigenen Flächen, auf die sie direkt Einfluss nehmen kann, wie Stolz erklärte. Im Fokus stehend dabei jene 12 Arten, die das ökologische Gleichgewicht am meisten gefährden.

Kleine Bestände oder Einzelpflanzen werden ausgegraben, grosse Bestände mehrmals pro Jahr gemäht. Die sicherste Entsorgung ist die Verbrennung in der Kehrichtverbrennungsanlage. Um eine Verschleppung von Samen zu verhindern, rät Stolz von einer Kompostierung eher ab. Zumindest brauche es dazu eine Fachberatung.

Auch Private sensibilisieren

Heute besteht die paradoxe Situation, dass die öffentliche Hand verstärkt die Pflanzen bekämpfen will, die in Privatgärten noch immer gehalten werden. "Wir können niemanden zwingen, invasive Neophyten zu mähen oder auszureissen, um deren Verbreitung zu verhindern", erklärte Leutenegger.

Die Stadtgärtnerei will deshalb im nächsten Jahr vermehrt auch Private für das Problem sensibilisieren und entsprechende Informationsangebote für Hausbesitzer und Gärtnereien schaffen. "Wir brauchen einen Schub, damit die öffentliche Wahrnehmung geschärft wird, betonte Leutenegger.

Dazu beitragen soll auch ein Aktionstag der Stadtgärtnerei am 22. Juni: Von der Sachbearbeiterin bis zum Chef werden alle ausrücken, um Neophyten den Garaus zu machen. Hand anlegen will dabei auch Stadtrat Filippo Leutengger. (sda)