Eritreer muss wegen Geiselnahme ins Gefängnis

Flavio Zwahlen
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Letztlich waren es die Aussagen der beiden Geschädigten, die den Beschuldigten überführten. «Für gewöhnlich gibt es bei solchen Strafverfahren einen Beweisnotstand», sagte der Richter am Bezirksgericht Bülach bei der Urteilsverkündung. Doch es sei ein extremer Glücksfall gewesen, dass es im vorliegenden Fall zwei Geschädigte gegeben habe, die Aussagen zur Sache hätten machen können. «Ihre Aussagen zur Geiselnahme stimmen in den wesentlichen Punkten überein.» Anzeichen dafür, dass sich die beiden Frauen zuvor abgesprochen haben, bestehen laut dem Richter nicht. «Es gibt also keinen Grund, den Aussagen der Geschädigten nicht zu glauben.»

An der Glaubwürdigkeit der Aussagen des 25-jährigen Beschuldigten hegt das Gericht hingegen Zweifel. «Die Geschichte der Flucht ist unlogisch.» Der Beschuldigte habe lange nicht das nötige Geld zusammengehabt, um bis nach Europa zu flüchten. Letztlich habe er dieses mit der Geiselnahme aufgetrieben. Zudem habe der Beschuldigte nach seiner Verhaftung ausgesagt, dass er lediglich über schlechte Arabischkenntnisse verfüge und somit gar nicht imstande gewesen sei, zwischen den Tätern und den Opfern zu übersetzen. «Im Asylgesuch wurde Arabisch jedoch als Muttersprache ausgewiesen. Zudem lernt man die Sprache in der Region, in der der Beschuldigte aufgewachsen ist, bereits in der Schule.»

Der Staatsanwalt forderte bei der Verhandlung, die bereits vergangene Woche stattgefunden hat, eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Der Vertei­diger plädierte hingegen auf einen Freispruch. Das Gericht verurteilte den Beschuldigten wegen qualifizierter Geiselnahme und bestraft ihn mit einer 7½-jährigen Freiheitsstrafe. Zudem muss er einer der beiden Geschädigten 20000 Franken Genugtuung bezahlen. Der Verteidiger argumentierte, dass sich die Frauen durch das Verfahren Vorteile im Asylverfahren sowie Geld erhofften. Obwohl die eine Geschädigte nun tatsächlich eine Genugtuung erhält, geht das Gericht nicht davon aus, dass sie dies zuvor einkalkulierte und deshalb eine beliebige Person beschuldigte. «Das sind Verschwörungstheorien.»