Sie ist vielleicht der schönste Badeplatz zwischen Ellikon am Rhein und Rheinau – die Chuetränki. Doch die idyllische kleine Waldlichtung mit Kiesstrand am Rheinufer ist momentan für Badende gesperrt. Mit Plakaten bittet die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung, hier nicht ins Wasser zu gehen.

Die Verwaltung gehört zum Amt für Landschaft und Natur. «Der Rhein ist gegenwärtig für viele Fischarten zu warm», schreibt die Verwaltung auf den farbigen Plakaten, die mit «Erholungszone für Fische» überschrieben sind. An dieser Stelle, der Chuetränki, können sich die Fische erholen, «weil sich in diesem Bereich kalte Grundwasseraufstösse befinden».

Tanzende Kieselsteinchen

Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff enthält es. Eine Fischart, die besonders darunter leidet, ist die Äsche – ein hervorragender Speisefisch. Der Hitzesommer 2003 raffte fast alle Äschen im Rhein dahin. Ein Augenschein letzten Dienstag zeigte, dass die Leute die Erholungszone für die Fische respektieren und ausweichen. Sowohl ober- als auch unterhalb der Chuetränki darf normal gebadet werden. Auch kann man genug weit draussen im Rhein an der Stelle vorbeischwimmen. Denn das kühle Grundwasser quillt in Ufernähe aus dem kiesigen Untergrund. Die Quellen sind an einigen Stellen anhand der gekräuselten Wasseroberfläche sichtbar. Und dort, wo das Wasser aus dem Kies aufstösst, tanzen Kieselsteinchen. Weiter flussaufwärts, ausserhalb der Schutzzone, tritt das spürbar kalte Quellwasser aus dem trockenen Kies und fliesst hinab in den Rhein.

Entdeckt hat die sehr ergiebigen Grundwasseraufstösse bei der Chuetränki der in Marthalen geborene Geologe Jakob Hug im Jahr 1908. Die Chuetränki, in Texten manchmal auch Kühtränke, wird auf offiziellen Landkarten so genannt. Früher führten die Bauern der Gegend die Kühe hier zum Tränken an den Rhein. Nicht das aufstossende Grundwasser war der Grund dafür, sondern das flache und somit für Kühe gut zugängliche Ufer. Wer von Ellikon am Rhein nach Rheinau geht, sieht, wie hoch und steil das Rheinufer in dem Abschnitt sonst ist. Später wurde das Ufer verbaut und war nicht mehr so flach.

Die Nase freuts

Bei der Revitalisierung 2013 wurde eine nicht mehr benötigte Schiffsanlegestelle zurückgebaut und die Uferverbauung wieder entfernt. Danach wurde das heutige Flachufer modelliert. Initiiert wurde das Projekt vom WWF. Umgesetzt hat es das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Als die Chuetränki vor gut fünf Jahren revitalisiert wurde, wurden am Flachufer grosse Findlinge, Bänkchen und eine Feuerstelle platziert. Das neue Kiesufer bietet vor allem der stark bedrohten Fischart Nase ideale Laichbedingungen. Wegen der sandigen Flächen bei der Chuetränki gilt die Stelle als ein national bedeutender Libellenstandort.