Zoo-Apéro
Erfolgreiche Brutsaison: Sieben Magellan-Dampfschiffenten geschlüpft

Eine der wichtigsten Aufgaben von Zoos ist die Zucht. Um Eier von Vögeln oder Reptilien auszubrüten, muss der Zoo Zürich der Natur manchmal etwas auf die Sprünge helfen, entweder durch Ammenbrut oder mit Hilfe moderner Technik im Brutschrank.

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Magellan-Dampfschiffente

Magellan-Dampfschiffente

Keystone

Die Ammenbrut, bei der eine Hühnerglucke oder eine Ente fremde Eier ausbrütet, eignet sich nur für Vogeleier, sagte Zoo-Kurator Samuel Furrer am Mittwoch vor den Medien. Die Methode hat den Vorteil, dass schlechte Witterung oder Bruträuber dem Gelege nichts anhaben können.

Bei der als äusserst wehrhaft geltenden Magellan-Dampfschiffente hat der Zoo auf verschiedene Brutmethoden gesetzt. Die 15 Eier, die das Weibchen insgesamt gelegt hat, wurden aufgeteilt.

Das erste Gelege brütete eine Amme aus. Kurz vor dem Schlüpftermin wurden die Eier in den Brutkasten umgesiedelt, um zu verhindern, dass die Amme die Küken tötet, wenn sie sie als artfremd erkennt. Ende Mai schlüpften fünf Küken,Anfang dieser Woche zwei weitere.

Das zweite Gelege wurde von der Dampfschiffente selbst ausgebrütet. Das Elternpaar verhielt sich vorbildlich, die Ente brütete unentwegt. Bei Störungen fauchten beide Vögel und verteidigten ihr Brutgebiet.

Doch vor einigen Tagen verschwand das ganze Gelege über Nacht spurlos. Samuel Furrer hat einen Marder als Nesträuber im Verdacht. Mit sieben geschlüpften Dampfschiffentenküken ist es trotzdem bislang die erfolgreichste Brutsaison für den Zoo Zürich.

Ihren Namen tragen die grossen Enten, die bis zu sechs Kilogramm wiegen können, weil sie bei Gefahr ins Wasser flüchten und dabei mit beiden Flügeln das Wasser so zur Seite schaufeln, dass es an einen Raddampfer erinnert. Sie kommen nur in den Küstengewässern von Chile und südlich der Magellanstrasse vor.

Temperatur beeinflusst das Geschlecht

Weil Reptilieneier eine konstant hohe Temperatur und Luftfeuchtigkeit brauchen, werden im Zoo die meisten von ihnen mit Hilfe moderner Brutapparate ausgebrütet. Sie lagern in einem speziellen Substrat und werden genau beschriftet mit Tierart, Lege- und erwartetem Schlupfdatum, so dass es keine «Überraschungseier» gibt.

Mit der Bruttemperatur kann das Geschlecht des Nachwuchses beeinflusst werden. Bei Echsen fördern tiefere Temperaturen die Entwicklung von Weibchen, bei Schildkröten umgekehrt die von Männchen.

Erfolgreich ausgebrütet wurden im Zoo Zürich die Eier des seltenen Blauen Baumwarans. Die hochspezialisierten Kletterer leben nur auf einer winzigen Insel in Neuguinea und wurden vor zwölf Jahren zum ersten Mal beschrieben. Die schlanken Tiere können bis zu einen Meter lang werden, wiegen aber nur rund 200 Gramm

Neben den erwachsenen Baumwaranen sind im Zoo Zürich zurzeit gleich neun Jungtiere zu bestaunen. Die Rasselbande hat die Tierpfleger schon gehörig gefordert: immer wieder sind die wendigen Tiere in Hohlräumen und Ritzen verschwunden. Inzwischen ist das Terrarium jedoch ausreichend abgedichtet und die Besucher können die jungen Akrobaten beobachten.