Im September 2018 hatte die Branchenplattform Kleinreport berichtet, dass eine Feuilleton-Redaktorin die "NZZ" verlasse - allerdings mit Nebengeräuschen. Im Text stand unter anderem, dass sich die Redaktorin mit der Ehefrau von Chefredaktor Eric Gujer angelegt habe. Seine Frau arbeitet ebenfalls bei der "NZZ".

Dem Feuilleton-Ressortleiter René Scheu sei nichts anderes übriggeblieben, als "die Reissleine zu ziehen", schrieb der Kleinreport und insinuierte so, dass Scheu auf die Kündigung der Mitarbeiterin hingewirkt habe. Zudem habe die Redaktorin den "Rückhalt der Ressortleitung" vermisst, schrieb der Kleinreport.

"Aus freien Stücken gegangen"

Die "NZZ" wollte diesen Artikel nicht so hinnehmen. Sie kritisierte, dass von fehlendem Rückhalt und Streit mit der Ehefrau des Chefs keine Rede sein könne. Der Ressortleiter habe auch nicht "die Reissleine gezogen" oder sonst wie auf die Kündigung der Mitarbeiterin hingewirkt. Richtig sei vielmehr, dass die Mitarbeiterin aus freien Stücken gegangen sei.

Die "NZZ" klagte und verlangte vor dem Bezirksgericht eine Gegendarstellung. Das Gericht hiess den Antrag im Oktober 2018 gut und wies den Kleinreport an, die Gegendarstellung zu publizieren. Die Branchenplattform zog den Fall jedoch ans Obergericht - in erster Linie, weil ihr die Gerichtskosten auferlegt wurden und sie diese nicht bezahlen wollte.

Betrieb in "äusserst ungünstigem Licht"

Das Gericht ist jedoch auf der Seite der "NZZ", wie aus dem kürzlich publizierten Urteil hervorgeht. Die Unterstellung, ein Ressortleiter habe "die Reissleine gezogen", also auf die Kündigung einer Mitarbeiterin hingewirkt, wiege schwer. "Das stellt den Betrieb der NZZ in ein äusserst ungünstiges Licht."

Ob Gujer beschämend kleinlich auf persönliche Kränkungen oder auf Kränkungen seines nächsten Umfeldes reagiere, sei in diesem Verfahren nicht zu entscheiden. Die Unterstellung, dass dem so sei, ist gemäss Obergericht aber verletzend für die "NZZ".

Das Urteil des Obergerichtes ist rechtskräftig. Das Branchenportal muss somit definitiv die Kosten des Verfahrens zahlen. Die Gegendarstellung sei bereits zu einem früheren Zeitpunkt aufgeschaltet worden, sagte Chefredaktorin und Verlegerin Ursula Klein gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Vorbei sind die juristischen Streitigkeiten zwischen Kleinreport und "NZZ" noch nicht. Gemäss Klein fordert der Verlag nun, dass sie vier weitere Texte löscht. Dazu sei sie aber nicht bereit. Zudem hat die ehemalige Redaktorin des Feuilleton-Ressorts, um die es in dem stritten Artikel ging, am Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den Kleinreport erwirkt.