ETH Zürich
Erfindungen: Jetzt braucht es Unternehmergeist

Am ETH Institut für Polymertechnologie wurde eine zukunftsträchtige Folie entwickelt. Die Folie könnte für die Nahrungsmittel-Branche wichtig sein. Denn dank der Folie könnte die eingepackte Nahrung deutlich länger haltbar sein.

Alfred Borter
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Jan Giesbrecht mit der Maschine zur Herstellung der Spezialfolie an der ETH Hönggerberg.abr.

Jan Giesbrecht mit der Maschine zur Herstellung der Spezialfolie an der ETH Hönggerberg.abr.

Die Entwickler um Jan Giesbrecht sind mit grossem Einsatz an der Arbeit. Das am ETH-Standort Hönggerberg tätige Team will versuchen, beim Venture-Wettbewerb den besten Businessplan zu präsentieren und wenn möglich das Preisgeld von 60000 Franken zu erringen.

Auftrieb gibt, dass sie es mit ihrer Geschäftsidee in der ersten Phase des Wettbewerbs von 191 teilnehmenden Teams unter die ersten zehn geschafft haben, was zunächst einmal hochwillkommene 2500 Franken und, wie Giesbrecht freudig erwähnt, auch gute Kontakte zur Wirtschaft eingetragen hat.

Für den jungen Doktor am Institut für Polymertechnologie ist jetzt schon klar, dass sich die Teilnahme am Wettbewerb gelohnt hat. «Wir haben enorm viel gelernt», sagt er. Wer am Wettbewerb teilnimmt, erhält nämlich die Möglichkeit, sich bei Coachs wertvolle Anregungen und Feedback zu holen. Die hochkarätige Jury habe wichtige Inputs gegeben, so Giesbrecht.

Die Idee

Die Idee, an der Giesbrecht und sein Team nun schon seit sieben Jahren arbeiten, ist die Herstellung einer speziellen Polymer-Folie, die beinahe unzerreissbar ist und weitere besondere Eigenschaften aufweist. Grundidee ist, dass die Moleküle alle in eine Richtung ausgerichtet sind.

Taenia Tec, nennt Giesbrecht seine Firma; Taenia ist das lateinische Wort für Band.

Vielseitig anwendbar

Doch wozu kann man diese Folien brauchen? Jan Giesbrecht erwähnt die Nahrungsmittelindustrie, die interessiert sein könnte an der Folie, um abgepackte Nahrungsmittel zu schützen, denn die Folie ist zum Beispiel für Wasserdampf und Sauerstoff sehr undurchlässig. Die so verpackten Nahrungsmittel behalten ihre Frische und nehmen keine Gerüche von aussen auf.

Auch die Dämpfungseigenschaften sind hervorragend, sodass man die Folie zum Beispiel im Automobilbau für die Karosserie einsetzen könnte. Weil man die Autos dann leichter bauen kann, käme man mit weniger Benzin aus.

«Es gibt unzählige Möglichkeiten, wo man unsere Folie einsetzen kann», erwähnt Giesbrecht. Sehr zukunftsträchtig ist, dass man sie etwa als Innenschicht des Wasserstofftanks verwenden könnte, wenn es einmal dazu kommt, dass Autos mit Wasserstoff betrieben werden können. Auch in Pneus liesse sich die Folie einbauen.

Am Anfang der ganzen Arbeit übrigens stand die Frage, ob es möglich ist, ein Segel zu konstruieren, das die guten Eigenschaften der bisher am America’s Cup verwendeten Segel aufweist, aber leichter ist. Daraus wurde mehr. Man hat weiter entwickelt, etwa wie die Düse beschaffen sein muss, um die Folie herzustellen, wie man das Band am besten abzieht und abkühlt.

Jan Giesbrecht ist Pioneer Grant Fellow an der ETH, damit profitiert er von Fördergeldern und kann die Labors benützen und geniesst die Unterstützung von verschiedenen Institutionen der ETH. «Aber jetzt müssen wir den Durchbruch schaffen», sagt er, die Anstellung ist nämlich befristet auf 18 Monate.

Sein Team übrigens besteht neben ihm selber aus zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern, dem ehemaligen Doktoranden der auf diesem Gebiet gearbeitet hat, zwei Professoren und auch ein Patentanwalt sind dabei.

Spannende Kombination

Zur Materialwissenschaft gekommen ist Giesbrecht, weil ihm das zunächst aufgenommene Physikstudium zu wenig breit gefächert vorkam. «Die Materialwissenschaft enthält Elemente von Physik, Chemie, Biologie und Ingenieurwissenschaften», zählt er auf, «diese Kombination ist extrem spannend.» Für ihn habe sich das als ideales Fach erwiesen.

Jetzt ist er sehr zuversichtlich, dass die Idee über kurz oder lang von der Industrie aufgegriffen und die Folie in grösseren Mengen produziert werde. «Jetzt braucht es immer mehr nicht nur Erfindergeist, sondern auch Unternehmergeist», merkt er an.