3,5 Millionen
Erbschaft: Wila stellt die Millionen-Frage

Die Gemeinde Wila im Tösstal hat 3,5 Millionen erhalten – was soll sie damit tun? Die Bevölkerung wurde eingeladen, über das weitere Vorgehen zu diskutieren.

Nicole Döbeli
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Eines der geerbten Grundstücke: Nun überlegt sich die Bevölkerung der Tösstaler Gemeinde Wila, was sie mit der Erbschaft anstellen soll.

Eines der geerbten Grundstücke: Nun überlegt sich die Bevölkerung der Tösstaler Gemeinde Wila, was sie mit der Erbschaft anstellen soll.

Landbote

Jakob Schoch, den alle Köbi nannten, hat vor eineinhalb Jahren seiner Wohngemeinde 3,5 Millionen Franken hinterlassen. Wozu sie dieses Vermögen, das sich vor allem aus Grundstücken zusammensetzt, verwenden soll, das liess er offen. Er hatte einzig verfügt, dass es «der Gemeinde erlaubt ist, nach Gutdünken gemeinnützige Beiträge zu sprechen.»

Wenn die Gemeinde erbt

Dass zufriedene Bürger ihre Wohngemeinde in ihrem Testament berücksichtigen, kommt immer wieder vor. Meist handelt es sich dabei aber um kleinere Summen als im Fall von Wila (Haupttext). Und meist sind diese Schenkungen auch zweckgebunden.

Für kleine Gemeinden kann ein solcher, unverhoffter Zustupf eine Art «Lottogewinn» sein. So bezeichnete es zumindest die damalige Sternenberger Gemeindepräsidentin Sabine Sieber; vor rund zehn Jahren hatte die höchstgelegene Zürcher Gemeinde (sie war noch eigenständig) aus einem Nachlass 2,5 Millionen Franken erhalten. Vorgegeben war, dass dieses Geld für kulturelle und soziale Zwecke verwendet wird und den Einwohnern zugutekommen soll. Nach einigen Diskussionen wurde schliesslich unter anderem der kleine Skilift saniert. Zudem wurde auch die in der Berggemeinde mit ihren abgelegenen, kleinen Weilern teure Trinkwasserinfrastruktur subventioniert. Kürzlich sorgte auch Russikon für Schlagzeilen. «Hiermit vermache ich mein ganzes Vermögen meiner Wohngemeinde», hatte ein zurückgezogen lebender Mann in seinem Testament festgehalten – und mit diesem einzigen Satz der Gemeinde im Zürcher Oberland 4,5 Millionen hinterlassen. Die Gemeinde, die für das laufende Jahr in ihrer Rechnung ein unerwartetes Plus ausweisen wird, will nun die Planung für eine seit langem gewünschte Turnhalle wieder vorziehen. Der Gemeinderat hatte sie aus finanziellen Überlegungen zurückgestellt. (og)

Das Erbe ist grundsätzlich ein Segen für die Gemeinde im Tösstal, die mit einem Steuerfuss von 124 Prozent auf Finanzhilfe des Kantons angewiesen ist. Auf einen Schlag verdoppelte sich das Eigenkapital auf gut 8 Millionen Franken.

Geld erhalten – und jetzt?

Vizegemeindepräsident Hans-Peter Meier erklärte zu Beginn der sogenannten Mitwirkungsveranstaltung: «Wir wollen mit dem Geld nicht einfach irgendetwas machen und nachher ist die ganze Gemeinde anderer Meinung.» Der Abend sollte der Klärung zweier Hauptfragen dienen: Für welche Zwecke soll die Erbschaft eingesetzt werden, und wer verwaltet sie?

Zu Ersterer sollten erst einmal lose sämtliche Ideen gesammelt werden. Bei der zweiten Frage gab der Gemeinderat drei Möglichkeiten vor. Die Politische Gemeinde verfügt weiterhin über die Erbschaft; der Gemeinderat erklärt sie zur zweckgebundenen Zuwendung und führt eine Sonderrechnung; oder die Erbschaft wird in eine Stiftung ausgelagert.

Aufgeteilt in fünf Gruppen, hatten die Wilemer Zeit, zu diskutieren. Immer wieder waren dieselben Wendungen zu hören; in einer Gruppe hiess es, «Köbi hätte gewollt, dass . . .», in einer anderen meinte einer, «Köbi wollte sicher nicht, dass . . .» Uneinig war man sich etwa, ob das vererbte Land verkauft werden soll. Einige Nachbarn sprachen sich dezidiert dagegen aus. Der Grossteil der Erbschaft steckt jedoch in Grundstücken, nur etwa eine Viertelmillion sind flüssige Mittel. «Wenn wir das Land nicht verkaufen, müssen wir Darlehen darauf aufnehmen, um etwas zu finanzieren», erklärte Meier.

1000 Franken für jeden?

An Ideen, wofür die Millionen eingesetzt werden könnten, mangelte es nicht. Die Pragmatischen wollten einen tieferen Steuerfuss oder ein Spezialkonto für Wasser und Abwasser. Die Visionären wünschten Solaranlagen auf sämtlichen Wilemer Dächern. Die Heimatlichen möchten den Dorfkern erhalten und das Ortsmuseum sanieren. Ein Vorschlag, der in jeder Gruppe gemacht wurde, bezog sich auf Alterswohnungen und betreutes Wohnen. Jemand wünschte, dass sämtliche Wilemer 1000 Franken erhalten sollen: «Jeder von 0 bis 100 und auch Ausländer.»

In der Schlussdiskussion hielt Finanzberater Alfred Gerber zwei Konklusionen fest: Gewünscht wird ein Mitspracherecht der Bürger beim Reglement und auch beim Verkauf der Grundstücke. Keine klare Stossrichtung hatte sich bei der Frage nach der Verwaltung ergeben, die Präferenzen unterschieden sich je nach Diskussionsgruppe. Meier erklärte, dass nun alle Ideen und Vorschläge gesammelt und priorisiert werden. Anschliessend wird die Bevölkerung erneut informiert. Je nach Variante wird an einer Gemeindeversammlung oder an der Urne abgestimmt.