Jakob Schoch, den alle Köbi nannten, hat vor eineinhalb Jahren seiner Wohngemeinde 3,5 Millionen Franken hinterlassen. Wozu sie dieses Vermögen, das sich vor allem aus Grundstücken zusammensetzt, verwenden soll, das liess er offen. Er hatte einzig verfügt, dass es «der Gemeinde erlaubt ist, nach Gutdünken gemeinnützige Beiträge zu sprechen.»

Nun hat der Gemeinderat von Wila die Bevölkerung eingeladen, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Rund 60 Personen kamen; und Ideen hatten sie viele. Doch in welche Richtung soll es gehen? Den Steuerfuss senken? Den Steuerfuss keinesfalls senken? Einen Spielplatz für die Jungen oder betreutes Wohnen für die Alten?

Das Erbe ist grundsätzlich ein Segen für die Gemeinde im Tösstal, die mit einem Steuerfuss von 124 Prozent auf Finanzhilfe des Kantons angewiesen ist. Auf einen Schlag verdoppelte sich das Eigenkapital auf gut 8 Millionen Franken.

Geld erhalten – und jetzt?

Vizegemeindepräsident Hans-Peter Meier erklärte zu Beginn der sogenannten Mitwirkungsveranstaltung: «Wir wollen mit dem Geld nicht einfach irgendetwas machen und nachher ist die ganze Gemeinde anderer Meinung.» Der Abend sollte der Klärung zweier Hauptfragen dienen: Für welche Zwecke soll die Erbschaft eingesetzt werden, und wer verwaltet sie?

Zu Ersterer sollten erst einmal lose sämtliche Ideen gesammelt werden. Bei der zweiten Frage gab der Gemeinderat drei Möglichkeiten vor. Die Politische Gemeinde verfügt weiterhin über die Erbschaft; der Gemeinderat erklärt sie zur zweckgebundenen Zuwendung und führt eine Sonderrechnung; oder die Erbschaft wird in eine Stiftung ausgelagert.

Aufgeteilt in fünf Gruppen, hatten die Wilemer Zeit, zu diskutieren. Immer wieder waren dieselben Wendungen zu hören; in einer Gruppe hiess es, «Köbi hätte gewollt, dass . . .», in einer anderen meinte einer, «Köbi wollte sicher nicht, dass . . .» Uneinig war man sich etwa, ob das vererbte Land verkauft werden soll. Einige Nachbarn sprachen sich dezidiert dagegen aus. Der Grossteil der Erbschaft steckt jedoch in Grundstücken, nur etwa eine Viertelmillion sind flüssige Mittel. «Wenn wir das Land nicht verkaufen, müssen wir Darlehen darauf aufnehmen, um etwas zu finanzieren», erklärte Meier.

1000 Franken für jeden?

An Ideen, wofür die Millionen eingesetzt werden könnten, mangelte es nicht. Die Pragmatischen wollten einen tieferen Steuerfuss oder ein Spezialkonto für Wasser und Abwasser. Die Visionären wünschten Solaranlagen auf sämtlichen Wilemer Dächern. Die Heimatlichen möchten den Dorfkern erhalten und das Ortsmuseum sanieren. Ein Vorschlag, der in jeder Gruppe gemacht wurde, bezog sich auf Alterswohnungen und betreutes Wohnen. Jemand wünschte, dass sämtliche Wilemer 1000 Franken erhalten sollen: «Jeder von 0 bis 100 und auch Ausländer.»

In der Schlussdiskussion hielt Finanzberater Alfred Gerber zwei Konklusionen fest: Gewünscht wird ein Mitspracherecht der Bürger beim Reglement und auch beim Verkauf der Grundstücke. Keine klare Stossrichtung hatte sich bei der Frage nach der Verwaltung ergeben, die Präferenzen unterschieden sich je nach Diskussionsgruppe. Meier erklärte, dass nun alle Ideen und Vorschläge gesammelt und priorisiert werden. Anschliessend wird die Bevölkerung erneut informiert. Je nach Variante wird an einer Gemeindeversammlung oder an der Urne abgestimmt.