Als der Zürcher Künstler Alex Zwalen und Regierungsrat Mario Fehr gestern in der Ahnengalerie das Ölbild enthüllten, wussten sie noch nicht lange, dass etwas nicht stimmte. «Wir haben erst vorher festgestellt, dass der Rahmen nicht der richtige ist», sagte Fehr grinsend.

Was war geschehen? Sein Porträt wurde irrtümlicherweise in einen breiten goldenen Rahmen eingefasst. Ein solcher ist jedoch nur den Zürcher Bundesräten vorbehalten. Nun muss das Gemälde nochmals in die Werkstatt. Alex Zwalen störts nicht. Dass ihm das Malen und das Gegenüber wichtiger sind, wird deutlich, wenn man ihm bei der Arbeit zuschaut.

Rückblende: ein heisser Tag Anfang Juli, im Büro von Mario Fehr. Es läuft die Fussball-WM, und vor den Sommerferien drängen noch einige Termine in die prall gefüllte Agenda des Regierungsrats. Eigentlich fehlt ihm die Zeit, sich porträtieren zu lassen. Doch Alex Zwalen, farbverschmiertes Shirt, die Farbpalette in der einen Hand, den Pinsel in der anderen, lässt ihn nicht aus den Augen, studiert sein Gegenüber und korrigiert die Wangenpartie. «Er steht ja nie still», sagt Zwalen und lacht.

Es geht locker zu und her im Büro des SP-Politikers. «Ich mag es eigentlich nicht, fotografiert oder gemalt zu werden», sagt Fehr. «Das hat etwas Starhaftes.» Die Malsitzungen mit Zwalen nehme er aber gerne auf sich. «Auch wenn viel Arbeit liegen bleibt, es ist lustig, wir haben schnell harmoniert und gemeinsame Themen gefunden.» Fussball zum Beispiel. Hier Mario Fehr, Fan der Tottenham Hotspurs und des FCZ, dort Alex Zwalen, der es bis in die Reservemannschaft des FCZ geschafft hatte, ehe er die Töggelischuhe an die Wand hängte und zum Pinsel griff.

«Nicht wie eine Seerose»

Gekannt haben sich die beiden nicht. Sowieso habe er wenig Ahnung von Kunst, sagt Fehr. Bei der Wahl des Malers hat ihn Madeleine Herzog unterstützt. Die Kulturverantwortliche der Sicherheitsdirektion hat ihm eine Mappe mit verschiedenen Bildern gezeigt. Dabei seien ihm Zwalens Arbeiten ins Auge gestochen, sagt Fehr: «Ich mag die Impressionisten, aber ich wollte ja nicht aussehen wie eine Seerose von Monet. Bei Zwalen ist es eine Mischung aus Impressionismus und Realismus, die mir auf Anhieb gefallen hat.»

Damals wusste Fehr nicht, dass ihn Zwalen zu acht Malsitzungen à ein bis zwei Stunden überredet. Seine Vorgänger in der Ahnengalerie, die Regierungsräte Thomas Heiniger (FDP) und Ernst Stocker (SVP), hatten dafür keine Zeit. Ihre Porträtmaler mussten sich als Vorlage mit Fotografien begnügen.

«Durch die Begegnung und das Gespräch lerne ich ihn kennen, erfahre, was ihm wichtig ist», sagt Zwalen. Fehr zeigt auf ein Regal in der Büroecke, voll mit Erinnerungsstücken: ein Kelch vom Dalai Lama, den er verehrt, ein Fussball, unterschrieben von Sepp Blatter. An der Tür hängt ein Garderobenschild der Tottenham Hotspurs. Manche Objekte verewigt Zwalen auf dem Bild. «Der hier darf nicht fehlen», ruft Fehr und tippt auf den kleinen Fussball auf seinem Schreibtisch.

Nun hält es den Regierungsrat nicht mehr an seinem Büroplatz. Er will noch Fotos seiner Bhutan-Reisen zeigen. Zwalen grinst. Die Zeit drängt. «Es ist ein Stress, ich male mit Adrenalin», sagt Zwalen. «Aber diese Herausforderung ist ein Geschenk. Ich mache 1000 Fehler, muss ständig korrigieren, aber am Ende ist es richtig so.»

Für 20 000 Franken

Von Fehr gibts keine Anweisungen, keine Vorgaben. «Ich könnte stärker partizipieren», so Fehr. «Aber ich will, dass er frei ist. Mein Porträt soll einfach natürlich herauskommen.» Zwalen nickt: «Ich male ihn, wie ich ihn sehe. Aber ich versuche natürlich auch, auf ihn einzugehen. Er soll sich wohlfühlen, wenn er sein Bild sieht: als Privatperson, aber auch als Regierungsrat.»

Von ihm hat er vor seinem Auftrag nicht viel gewusst, ausser dass er Sicherheitsdirektor und Mitglied der SP ist – «und dort nicht unbedingt der parteikonformste». Viel wichtiger als die Biografie sei aber die Offenheit. «Dass man sich auf der menschlichen Ebene trifft – ja dass man die Person auf irgendeine Weise mag», sagt Zwalen.

Fehr ist die erste prominente Persönlichkeit, die er auf einer Leinwand verewigt. Der 60-jährige Künstler malt Porträts, Stillleben und Stadtansichten, die auf der Strasse oder in seinem Atelier an der Geroldstrasse entstehen.

Der Auftrag des Regierungsrats sei schon etwas Besonderes, sagt Zwalen. Nicht nur, weil er etwa das Vierfache seines üblichen Honorars erhält.

Pro Porträt zahlt die Fachstelle Kultur des Kantons Zürich 20 000 Franken. Die einzige Vorgabe ist die Grösse des Bildes. Das gilt auch für die Zürcher Bundesräte, die sich wie die Regierungspräsidenten seit Anfang des 20. Jahrhunderts in der Ahnengalerie verewigen lassen dürfen.

Und nun, wie gefällts dem Regierungsrat? «Ich bin sehr zufrieden», sagt Fehr, als er gestern das Bild präsentiert. «Alex Zwalen hat mich besser und freundlicher getroffen, als ich mich selber oft sehe.» Natürlich fehlen weder der Kelch vom Dalai Lama noch die Fotos aus Bhutan auf dem Bild. Sogar sein Handy hat es auf die Leinwand geschafft. Ob ihn eine freudige Nachricht so sanft lächeln lässt? Fehr: «Wer genau hinschaut, erkennt, dass ich die Fussball-App geöffnet habe.»