Vor bald zwei Jahren hat Rafi Hazera den Zukkihund ins Leben gerufen. Er mag zwar Hunde, es ist aber nicht sein eigener. «Ich kann alles überspitzen, kokettieren», sagt Hazera. «Es wird immer besser». Der Zukkihund habe natürlich auch einige autobiografische Eigenschaften, gesteht Hazera: «Natürlich nur die guten, wie den Humor ...» Der Name der Figur bezieht sich auf den Zürcher Club Zukunft, unter Szene-Leuten auch Zukki genannt.

Zukkihund schreibt etwa via Twitter in grotesk schlechtem Englisch an US-Rapper Kanye West, er hätte eine tolle Idee für eine gemeinsame Food-Produkte-Linie: «Hello I iz dog frum Swiss. I had idea for fud prodacts like ‹Smoothye West›, ‹Cookye West› or ‹Ice Creamye›.» Als logischerweise keine Antwort kam, hakte Zukkihund nach: «kan ye understand me?» und nach weiterem vergeblichem Warten: «Now other idea i hadz for business 4 u was adult toys. Teh brand: ‹Kan ye feel it.›»

Oder Zukkihund postet einen Kleber, der wie ein DHL-Lieferschein aussieht. Sein Vorschlag: Dem Nachbarn ein Paket mit dem Kleber drauf vor die Tür stellen oder an den Briefkasten heften. Vorschläge für Absender hat er auch parat. Etwa «Giant Black Dildos Inc.» oder «Penis Enlargement Pills Ltd.» oder «SadoMasoNeeds Inc.»

Hazera hat auch Auftritte als Zukkihund. Im Hundekostüm. «Der Hund ist einfach toll, weil man tierische mit menschlichen Elementen mischen kann. Zukkihund sagt zum Beispiel einer Frau, er liebe sie und sie wirft ihm, ohne seine Liebe zu erwidern, einfach das Stöckchen.» Viel Erfahrung auf der Bühne könne er allerdings noch nicht vorweisen. «Ich hatte bisher rund 15 Auftritte und mittlerweile ein Programm von etwa 20 Minuten beisammen. Ziel ist ein abendfüllendes Programm». Seine ersten Auftritte waren im Zürcher Club Zukunft, wo er Initiant und Mitveranstalter von Comedy in der Zukunft ist.

Zukkihund ist ein typisches Zürcher-Phänomen, doch nun beginnt sich auch der Rest der Schweiz für ihn zu interessieren. Er hatte schon Auftritte in Luzern, im Aargau und am Dienstag in der Reithalle in Bern. Auch Anfragen für Privatauftritte liegen auf seinem Tisch. «Ich kann mir schon vorstellen, an einem Firmenfest aufzutreten, dazu müsste ich einfach mein Standard-Programm etwas entschärfen, sonst könnte es heikel werden.»

Mit dem Erfolg von Zukkihund – demnächst veröffentlicht Hazera sein zweites Buch über den Husky – wurden auch die Nicht-Szene-Leute aus Zürich aufmerksam auf ihn. Inzwischen hat er eine eigene Kolumne auf der Newsplattform Watson. Dort agiert er als Rafi Hazera, «weil es auch schön ist, Sachen als Mensch sagen zu können. Und vor allem auch auf Hochdeutsch, denn Zukkihund kann ja nur Schwiizerdütsch.» In der Rubrik «Hipsterlitheater» schreibt er beispielsweise über die «First World Problems Switzerland»: Unter denen macht er unter anderem folgende aus:

  • Bis zu meinem nächsten Skigebiet benötige ich fast eine Stunde mit dem Auto.
  • Ich habe die Papiersammlung verpasst und muss jetzt mein perfektes Bündeli 2 Wochen in den Keller stellen.
  • Ich habe wieder vergessen, Gebührensäcke an der Migroskasse zu kaufen.
  • Mein Zug hat 2 Minuten Verspätung.
  • Meine deutschen Freunde verstehen nicht, was ich mit Natel meine.
  • Mein Zug ist voller voller Rekruten (der Satz stimmt schon so).
  • Stephan Klapproths Frisur lenkt mich extrem vom Inhalt der Nachrichten ab. Ich schwör, die fliegt jetzt dann davon.
  • Der nächste Abfalleimer ist 30 Meter entfernt und ich muss mein Apfelbütschgi bis dahin herumtragen, wie so ein Irrer.
  • Ich muss für Bier extra vom Migros in den Coop oder Denner.
  • Unsere Vertretung am Eurovision Song Contest erweckt in mir wilde Auswanderungsfantasien.
  • Unser Nationalgetränk besteht hauptsächlich aus Käseproduktionsresten.
  • Es hat keine Säckli mehr beim Gemüse im Coop.

Hazera wollte schon immer Comedy machen. «Ich war bereits als Kind der Pausenclown. Und Zukkihund hat mir die Bestätigung gegeben». Mit drei Jahren kam die Familie aus dem Tessin nach Zürich, seither wohnt Hazera hier. Er ist gelernter Grafiker und Mitinhaber einer kleinen Agentur. «Wenn ich nur von Zukkihund leben würde, gäbs bloss noch Rahmnudeln zum Essen».

Die Zeit mit Hazera vergeht wie im Flug. Ständig lässt er während des Interviews auf dem Platzspitz Sprüche fallen wie «Darf ich hier etwas zu Drogen und Nutten sagen?» Dann posiert er unter einem Baum im Stil einer ebensolchen auf Männerfang.

Twitter, Facebook, Watson, Zukkihund-Website – ist das Leben ständig im Netz nicht etwas viel? «Tja ich wünschte mir manchmal schon, ich hätte Maurer gelernt», flachst Hazera.

Aber er hat keine Lust auf etwas anderes. «Anfangs gab es Leute, die die Zukkihund-Idee kopieren wollten. Hive-Büsi war so eine» (benannt nach einem anderen Zürcher Klub). Das sorgte für Empörung unter seinen Fans. Doch Hazera ist längst mit ihr befreundet. Nichts scheint ihn aus der Ruhe zu bringen. Nur als er leicht ironisch mitteilt, wir dürften als Erste verkünden, dass es ein zweites Zukkihund-Buch geben werde, wird er etwas heftiger. «Hier in Zürich wollen alle immer die Ersten sein. Als ich einmal einen Termin bei einem Zürcher Privatradio hatte und einen bei einem zweiten, sagte mir das eine Radio ab, da ich ja schon bei der Konkurrenz auftrete.»

Abgesehen davon: So frech seine Sprüche auch sind, fertigmachen will Hazera niemanden. «Ich muss höllisch aufpassen, denn in den Online-Kommentaren kann es schon ganz wüst zu- und hergehen. Viele Leute kennen da gar nichts.» Wenn er jemanden angreife, dann jemanden, der so weit entfernt und unerreichbar sei wie Kanye West. Auch Politik und Religion trennt er von Zukkihund.

Für seine Pöbeleien als Zukkihund würde er selten angegriffen. «Die Comedy vom Zukkihund ist aus der Situation des Schwächeren und etwas Dümmlichen heraus gemacht, das ist lustig. Comedy aus der Situation des Starken heraus würde dagegen nicht ankommen. Der Spruch ist übrigens nicht von mir. Ich glaube, das ist Viktor Giacobbos Weisheit.»