Wahlserie
Er ist ein hemdsärmliger Experte und möchte in den Ständerat

Urs Hany hofft auf einen politischen Szenenwechsel. Der CVP-Ständeratskandidat macht sich zwar keine grossen Hoffnungen auf einen Sitz, führt aber einen intensiven Wahlkampf.

Sandra Hohendahl-Tesch
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«Als Unternehmer fühle ich mich verpflichtet, für das Wohl der Arbeitnehmer und für gute Rahmenbedingungen der KMU und der Wirtschaft einzustehen», sagt Urs Hany. zvg

«Als Unternehmer fühle ich mich verpflichtet, für das Wohl der Arbeitnehmer und für gute Rahmenbedingungen der KMU und der Wirtschaft einzustehen», sagt Urs Hany. zvg

Dass Wahlkampf und Session viel von ihm abverlangen, merkt man daran, dass Urs Hany kaum Zeit für ein Interview findet. Gleich anschliessend an den Medientermin wird er nach Bern eilen, um im Parlament an der «Too big to fail»-Debatte teilzunehmen.

Der CVP-Nationalrat weiss, dass er wenig Chancen auf einen Ständeratssitz hat. Dennoch nimmt er seine Kandidatur ernst: «In der Politik gibt es immer Überraschungen.» An den Rand drängen lässt er sich nicht. Als er jüngst keine Einladung zu einem Wahlpodium von NZZ und Radio DRS erhalten hatte, quittierte er dies mit einem gehässigen Communiqué an die Presse. «Die öffentlichen Sender haben die Pflicht zu informieren und nicht zu selektionieren.»

Mit dem Service public befasst sich Hany auch in seinem politischen Tagesgeschäft. Seit 2006 ist er Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen. Sein Kerndossier aber ist die Mobilität. «Strasse, Schiene und Luft, gekoppelt mit der Raumplanung», liegen dem Hobbypiloten gleichermassen am Herzen. Vor zwei Jahren postulierte er, die Autobahnvignette von 40 auf 100 Franken zu erhöhen, um mit den Mehreinnahmen das Nationalstrassennetz auszubauen. Mit Erfolg: Sein Vorschlag fand Eingang in den Gesetzesentwurf zur Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur, zu dem die Vernehmlassung abgeschlossen ist.

Für eine offene Aussenpolitik

Mit 30 Jahren hat sich Hany selbstständig gemacht. Bis vor zwei Jahren führte der Ingenieur in Hochfelden die Greuter AG, eine Spezialtiefbaufirma mit 130 Angestellten. Vor kurzem wurde er zum Präsidenten des Fachverbandes der Infrastrukturbauern gewählt. «Als Unternehmer fühle ich mich verpflichtet, für das Wohl der Arbeitnehmer und für gute Rahmenbedingungen der KMU und der Wirtschaft einzustehen.» Und dieses Wohl geht für ihn einher mit einer offenen Aussenpolitik: «Die Aufhebung der Personenfreizügigkeit wäre für uns verheerend.»

Was den ehemaligen CVP-Kantonsrat geradezu zum Kochen bringt, ist, wenn man ihn als «wendehalsig» bezeichnet. «Auch in der Politik muss es möglich sein, seine Meinung anzupassen.» Zum Beispiel in der Atomfrage. Bis Fukushima war er nicht gegen die Kernenergie. Das Unglück habe ihm die Augen geöffnet. Heute ist er klar für ein Gesetz, welches das Errichten von neuen Atomkraftwerken verbietet. Ferner glaubte er daran, dass sich das Investmentbanking mit den übrigen Bankgeschäften vereinbaren lässt. Seit dem jüngsten UBS-Skandal hält er eine Trennung «allenfalls für angebracht».

Die Bürgerlichen vergrault

Bei seinen Kommissionskollegen wird Hany als «profunder Verkehrsexperte» bestätigt. Wenig Sympathien namentlich bei den Bürgerlichen hat er sich just mit seinem grössten Erfolg, der Autobahnvignette, gemacht. Dass man den Leuten mit höheren Gebühren das Geld aus der Tasche ziehe, sei für einen Mittepolitiker unwürdig und pures Lobbying für die Baubranche, sagt ein FDP-Vertreter, der mit ihm in der nationalrätlichen Kommission für öffentliche Bauten sitzt. Als Ständerat käme er für ihn nicht infrage. Ohnehin geht es für Hany, der parallel zu seiner eigenen Kandidatur auch den Wahlkampf für seine Partei leitet, vor allem darum, seinen Nationalratssitz zu verteidigen. Denn hält der Abwärtstrend an, muss einer der drei Zürcher CVP-Repräsentanten über die Klinge springen.

Einen Ausgleich zum aufreibenden Politbusiness findet der Familienvater im Hobby-Kochklub seiner Wohngemeinde Niederhasli. Auf seiner Homepage findet sich ein Bild, das ihn, gewohnt hemdsärmlig und lässig, beim Wenden eines Bratens zeigt.