Bezirksgericht Zürich
Er glaubte, der Teufel sei im Haus: Mann sticht nach Cannabiskonsum auf Nachbarin ein

Nachdem ein Mann nach intensivem Cannabiskonsum glaubte, der Teufel sei im Haus, stürmte er die Wohnung einer Nachbarin und stach mit einem Schraubenzieher mehrfach auf sie ein. Gestern stand der 42-Jährige vor dem Bezirksgericht.

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Das Bezirksgericht stufte den Angeklagten aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens als schuldunfähig ein. (Themenbild)

Das Bezirksgericht stufte den Angeklagten aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens als schuldunfähig ein. (Themenbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Im Januar 2016 ereignete sich eine Tat wie in einem Horrorfilm. Nach intensivem Cannabiskonsum riecht ein heute 42-jähriger Zürcher nachts plötzlich einen starken Schwefelgeruch in seiner Wohnung. Der Mann glaubt, der Teufel oder der Dämon sei im Haus, nimmt einen Schraubenzieher und zieht sich ein Shirt mit einem weissen Kreuz an, weil er denkt, dass dieses ihn vor dem Teufel schützt.

Anschliessend geht er im Treppenhaus dem Geruch nach. Er meint, die Herkunft des Gestanks in einer Wohnung im Stockwerk oberhalb lokalisiert zu haben, schlägt die Tür ein und stürzt sich auf die darin lebende, schlafende Frau, wie der "Tages-Anzeiger" berichtet.

Mit dem Schraubenzieher sticht der Mann mehrfach auf die 33-Jährige ein und beschimpft sie als Hure und Hexe. Da das Opfer sich wehrt und um Hilfe schreit, eilt ein Nachbar herbei und ruft die Polizei, welche den Angreifer verhaftet.

Angreifer ist schuldunfähig

Gestern musste sich der 42-Jährige vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Angeklagt ist er wegen versuchter Tötung, da die Frau durch die Stiche in die Brust hätte sterben können. Der Staatsanwalt forderte allerdings keine Strafe, sondern eine ambulante Massnahme für eine schuldunfähige Person.

Der Verteidiger ist der Ansicht, dass es sich nicht um ein Tötungsversuch handelte, da für die Frau nie eine Lebensgefahr bestand. Allerdings war er mit dem Staatsanwalt einig, dass der Angeklagte seine Tat in einer wahnhaften Psychose verübt habe und daher schuldunfähig sei.

Das Gericht folgte der Forderung des Staatsanwalts und qualifizierte die Tat als versuchte vorsätzliche Tötung. Wegen der Schuldunfähigkeit des Mannes verzichtete das Gericht auf eine Strafe und ordnete stattdessen eine ambulante Massnahme an, welche Drogenabstinenz und ein Kontakt- und Rayonverbot bezüglich des Opfers beinhaltet, so der "Tages-Anzeiger".

Gemäss der Opfervertreterin leidet die 33-jährige Frau noch immer unter dem Angriff, war aus psychischen Gründen lange arbeitsunfähig und lebt momentan von der Sozialhilfe.