Kunstraub
Entstehungsgeschichte der Sammlung Bührle soll thematisiert werden

Das Auffinden eines wertvollen gestohlenen Cézanne-Bildes aus der Sammlung Bührle fällt zeitlich zusammen mit der Traktandierung eines passenden Vorstosses im Zürcher Stadtparlament. Es geht um die Entstehungsgeschichte der Bührle-Sammlung.

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Ausschnitt aus einer Reproduktion des in Serbien sichergestellten Cézanne-Gemäldes (Archiv)

Ausschnitt aus einer Reproduktion des in Serbien sichergestellten Cézanne-Gemäldes (Archiv)

Keystone

Auf der Traktandenliste vom kommenden Mittwoch steht sie an erster Stelle: Die Weisung zu einem Postulat von SP und AL, welche die «Schaffung einer Plattform für einen öffentlichen Diskurs über die Bührle-Sammlung» vorschlägt. Die stadträtliche Weisung wird am kommenden Mittwoch allerdings nicht materiell behandelt, sondern der zuständigen Kommission überwiesen.

Nach der Erweiterung des Zürcher Kunsthauses wird die Bührle- Sammlung aus einer Villa im Seefeld ins Kunsthaus gezügelt. Dort wird sie einem ungleich grösseren Publikum zugänglich sein.

Der Öffentlichkeit dürfe man aber nicht nur die Sammlung zeigen, sondern auch deren Entstehen klar machen, argumentieren die Postulanten. Die Bilder seien mit Mitteln aus Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Waffen erworben worden.

Offene Türen

Das Stadtparlament überwies den Vorstoss Mitte April 2010. Wie aus der stadträtlichen Weisung hervorgeht, rennt der Vorstoss offene Türen ein. Die Präsentatoin der Sammlung solle «flankiert werden von historischen Angaben zur Entstehungsgeschichte der Sammlung und zur Provenienz der Bilder», heisst es da etwa.

Die Stiftung Sammlung Bührle habe im übrigen die Erforschung der Herkunft in den letzten Jahren «auf vorbildliche Art und Weise vorangetrieben». Der Stadtrat zitiert Kunsthausdirektor Christoph Becker, wonach das Kunsthaus «ein hohes Interesse» habe, die Sammlung Bührle im historischen Kontext der damaligen Schweiz einzuordnen und diesen Kontext öffentlich zu machen.

Im Zusammenhang mit der Weisung zu den Betriebskosten des neuen Kunsthauses, sagte Becker Ende Februar 2012 vor der beratenden Kommission laut Protokoll, Bührle sei «der einflussreichste und umstrittenste Unternehmer des 20. Jahrhunderts in der Schweiz» gewesen. Diese habe damals «eine Rolle eingenommen, in welcher wiederum Bührle eine wichtige Rolle spielte».

Zusammengetragen wurde die Sammlung Bührle laut deren Website vom Industriellen Emil Georg Bührle (1890-1956). Den grössten Teil der Bilder erwarb er zwischen 1951 und 1956.

Bührle hatte die 1906 gegründete Schweizerische Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon in den 1920er Jahren zu einem Unternehmen ausgebaut, dessen Hauptzweig die Waffenproduktion war.