Nach acht Jahren Forschung stand das Projekt vor dem Aus. Stefan Kleiser hatte nach dem Doktorat noch ein Jahr ehrenamtlich weitergeforscht, aber alle Bemühungen um eine Weiterführung blieben ohne Erfolg. Dabei kann das entwickelte Gerät Leben retten. Es erlaubt die Messung des Sauerstoffgehalts in einem bestimmten Gewebeabschnitt. Dazu genügt das Auflegen eines Silikonbandes mit zwei Lämpchen und Sensoren, welche die ausgesandten Lichtimpulse im Gewebe messen. Anwendung finden soll es im Brutkasten, das Gerät würde den Babys am Kopf angebracht. Denn Frühchen sind gefährdet durch Sauerstoffmangel im Gehirn, der zu Behinderungen oder zum Tod führen kann.

Die Rettung brachte der neue Entrepreneur-Fellowship der Universität Zürich, sagte an deren gestriger Jahres-Medienkonferenz Alexander Nitsch. Er ist Teil des Forscherteams von Kleiser, der gerade in Warschau weilte. Bis 2019, so hofft man nun, wird das Gerät für eine europäische Studie zugelassen werden – ein unerlässlicher Schritt auf dem Weg zur Marktzulassung.

Veränderte Erwartungen

Der Entrepreneur-Fellowship ist ein neues Förderinstrument der Uni Zürich, erklärte Michael Schaepman, Prorektor Veterinärmedizin und Naturwissenschaften. Davon profitieren können Doktorierende und Postdocs. Sie erhalten damit für 18 Monate 150'000 Franken. Eine erste Ausschreibung mit zwei Vergaben hat im Frühling 2017 stattgefunden. Inzwischen kamen zwei weitere hinzu. Eine Spende der Werner-Siemens-Stiftung erlaubte eine Ausweitung von der Biologie auf die Medizintechnologie. Die Spende umfasst 10,7 Millionen Franken, verteilt auf zehn Jahre. Damit wird auch die Erstausstattung von Labors am Campus Schlieren ermöglicht.

Den zweiten Fellowship neben Kleiser gewann Jane Beil-Wagner. Sie steht noch am Anfang, erklärte sie. Ihr Ziel ist die Herstellung eines bestimmten Pferdehormons im Reagenzglas. Damit würden sogenannte Blutfarmen überflüssig. In ihnen gehaltene Stuten werden trächtig gemacht, denn nur so produzieren sie das erwünschte Hormon. Nicht selten werde ihnen zu viel Blut abgezapft, die Föten werden abgetrieben. Vor allem in Südamerika seien die Verhältnisse oft unhaltbar.

Die Rolle der Universitäten ändert sich, sagte Schaepman. Er erinnerte an die 1980er-Jahre, als die Forscher mit unbekanntem Ziel die Uni verliessen. In den 1990ern wurden Strukturen angelegt für eine akademische Karriere zum Beispiel via Nationalfonds. Heutzutage wird von den Forschenden nicht nur Innovation erwartet, sondern auch Unternehmertum, am besten gekrönt von einer Firmengründung.

Grosszügig bei den Patenten

Basiert diese Firma auf einem Patent, das im Rahmen der universitären Forschung erlangt wurde, spricht man von einem Spin-off. Wie Rektor Michael Hengartner ausführte, wird an der Uni Zürich alle zwei Wochen ein Patent angemeldet und alle zwei Monate ein Spinn-off gegründet. Die Forscher sind über einen Lizenzvertrag an die Uni gebunden. Bei einem Konkurs verbleibt so das Patent bei der Uni. Umgekehrt ist sie im Falle des Erfolges finanziell beteiligt. Im Schnitt zwei Millionen Franken pro Jahr nimmt die Uni so ein. Ums Geld geht es aber nicht in erster Linie, sagte Schaepman. Das sei auch ein Beitrag an die Schweizer Wirtschaft, die auf kleinen und mittleren Unternehmen beruht. Zürich sei als Spin-off-Standort nicht zuletzt deshalb erfolgreich, weil die Uni punkto geistiges Eigentum eine grosszügige, liberale Haltung einnehme. Die Fellowships sollen auf weitere Forschungsbereiche ausgeweitet werden, etwa die Digitalisierung. So könnten auch nicht naturwissenschaftliche oder technische Fächer Zugang erhalten.