Gestern kommunizierte die Universität Zürich, dass sie einer Mitarbeiterin des Medizinhistorischen Instituts gekündigt hat. Den Namen nannte die Uni nicht. Er lautet Iris Ritzmann, Titularprofessorin und Stellvertreterin von Institutschef Flurin Condrau, der diese Funktion allerdings vorübergehen an einen externen Kollegen abgegeben hat.

Ritzmann habe einen Journalisten des «Tages-Anzeigers» mit vertraulichen Informationen versorgt und ihm ihre Login-Daten für den Zugriff auf Uni-Rechner zugestellt, schreibt die Universität. Damit entsteht der Eindruck, es sei Ritzmann gewesen, die den damals als geheim taxierten Jahresbericht des Instituts herausgegeben hat. Dieser Bericht führte letztlich zur Entlassung des langjährigen Museumsleiters Christoph Mörgeli.

Der Verdacht, dass Ritzmann den Bericht weitergegeben hat, stand bereits vor rund einem Jahr im Raum: Damals hatte der Staatsanwalt die Medizinhistorikerin und ihren Ehemann, der ebenfalls am Institut arbeitet, verhaften und ihren Privathaushalt durchsuchen lassen.

Laut Ritzmann basiert die Entlassung auf einer E-Mail-Korrespondenz mit dem «Tagi»-Journalisten. Dieser habe sie mit seinen Recherchen konfrontiert. Unter anderem soll es darum gegangen sein, ob und wie die angebotenen Lehrveranstaltungen von Mörgeli besucht würden und ob sie ein Teil des Medizinstudiums seien.

Ritzmann erklärt, sie habe dem Journalisten Zugang zu zwei Lernplattformen der Uni gegeben. Dass sie damit Grenzen überschritten hat, räumt die Wissenschafterin zwar ein, doch würde dies keine Entlassung rechtfertigen. Ritzmann sagt: «Damit habe ich die kritische Berichterstattung über Christoph Mörgeli weder initiiert noch verschärft.»

Tatsächlich könnte man bei der Lektüre der Medienmitteilung leicht annehmen, Ritzmann sei das grosse Leck gewesen. Dort steht etwa: «Ihr Verhalten hat zu einer medialen Berichterstattung über Prof. Mörgeli beigetragen». Die Rede ist von «schwerwiegenden Loyalitätspflichtverletzungen» und von einem «sehr grossen Schaden», den Ritzmann der Uni zugefügt habe.

Trotz dieser schweren Anschuldigungen verzichtete die Unileitung aber auf eine fristlose Kündigung – wohl auch, weil fristlose Kündigungen das Prozessrisiko erhöhen. Weil Ritzmann seit ihrer Verhaftung im November freigestellt ist, fordert die Uni aber rückwirkend Lohn zurück. Damit bewegt sich die Unileitung aber auf juristisch dünnem Eis.

Ermittlungen gehen weiter

Und wie steht es ums Strafverfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung? Ritzmann selbst ist überzeugt, dass der Staatsanwalt sie nicht zum Kreis der Verdächtigen zählt. Dieser sei in den letzten Monaten stark erweitert worden, sagt sie. Jüngste Einvernahmen stützen ihre Position: Noch vergangene Woche liess die Staatsanwaltschaft etliche Uni-Mitarbeiter befragen, die telefonischen Kontakt zu Zeitungsredaktionen hatten – egal, worum es dabei ging. Eine Person etwa wurde polizeilich vorgeladen, weil sie wegen einer Veranstaltung mit der Kulturbeilage des «Tages-Anzeigers» telefoniert hatte.