Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich beschreitet neue Wege, um gegen international agierende Enkeltrickbetrüger vorzugehen. Die Zürcher Strafverfolger sind im vergangenem Jahr einem «Joint Investigation Team» (JIT, gemeinsames Ermittlungsteam) beigetreten. Dem JIT gehören Strafverfolgungsbehörden aus Deutschland und Polen an. Neben dem Kanton Zürich hat sich auch der Kanton Bern der Gruppe angeschlossen. Gemäss Statistiken sind in den beiden Kantonen relativ viele Einwohner von der Enkeltrickbetrugsmasche betroffen. Im vergangenen Jahr wurden 662 Fälle verzeichnet, 156 davon im Kanton Zürich und 59 in Bern. In den meisten Fällen blieb es jedoch beim Versuch.

Das Vorgehen der Betrüger folgt immer dem selben Schema. Sie suchen in Telefonbüchern nach Personen mit alt klingendem Vornamen. «Hallo Oma, hier ist dein Enkel aus Deutschland!», heisst es beispielsweise zu Beginn des Anrufs. Kommt eine Antwort wie «Jakob, bist du es?», gibt sich der Anrufer ab dann als Jakob aus. Der Jakob braucht dann dringend Geld, etwa für den Kauf einer Wohnung. Der Betrag soll natürlich rasch wieder zurückbezahlt werden. Willigt die Betroffene Person ein, wird eine Übergabe vereinbart. Weil «Jakob» dann kurzfristig verhindert ist, wird mitgeteilt, dass ein Bekannter das Geld abholen komme.

Die Anrufer der Enkeltrickbetrüger, die sogenannten Keiler, sind normalerweise von Polen aus tätig. Die Betroffenen wohnen hauptsächlich in Deutschland und der Schweiz. Die Geldabholer reisen meist aus dem nahen Ausland kurzfristig zum vereinbarten Treffpunkt. Falls ein Opfer rechtzeitig misstrauisch wird und die Polizei einschaltet, gelingt es dieser hin und wieder, den Abholer zu verhaften. An die Keiler, oder sogar an die Hintermänner ranzukommen, ist jedoch schwieriger. Wegen der Arbeitsteilung kann ein verhafteter Abholer einfach ersetzt werden und die Betrüger machen weiter.

«Mit der Kooperation betreten wir ermittlungstechnisches Neuland», sagt der Zürcher Staatsanwalt Cyrill Hüsser gestern an der Jahresmedienkonferenz der Staatsanwaltschaft. Das auf einem Vertrag basierende JIT vereinfache die internationale Zusammenarbeit deutlich, indem es die mühsame und langsame internationale Rechtshilfe ersetze. So werden der Informationsaustausch beschleunigt und gemeinsame Ermittlungen ermöglicht. «Wir führen aktuell beispielsweise ein Verfahren gegen zwei Beschuldigte. Dank der Kooperation haben wir in dem Fall Zugriff auf Beweismittel aus Polen», sagt Hüsser.

Die Zürcher Strafverfolger wiederum melden etwa die Telefonnummern nach Polen, die die Anrufer verwenden. Die Behörden in Polen können so die Keiler zur Verantwortung ziehen und den Hintermännern auf die Spur kommen. «Die Delikte können einigen wenigen Clans zugeordnet werden», sagt Hüsser. Offen ist, wie die Enkeltrickbetrüger auf das noch relativ neue gemeinsame Vorgehen der Behörden reagieren. Sie könnten beispielsweise ihre Opfer vermehrt in anderen Kantonen als Zürich und Bern suchen. Oder die Anrufer arbeiten künftig von einem anderen Land aus als Polen.

Betrüger haben neuen Trick

Da die Enkeltrickbetrugsmasche relativ bekannt ist, wurde bereits eine neue Methode entwickelt, die «falscher Polizist» genannt wird. Dazu geben sich die Anrufer als Polizist aus und warnen die Betroffenen vor einem Betrüger, der es auf sie abgesehen haben soll. Man solle deshalb alle Wertgegenstände und Bargeld einem «Polizisten» übergeben, der vorbeikommen werde. Besonders perfid an der Masche: Den Opfern wird eingeredet, dass auch ihr Geld auf der Bank nicht sicher sei. Dieses soll deshalb ebenfalls abgehoben und übergeben werden.