Bildung
Englischlehrmittel «Explorers» in der Kritik

Im Jahr 2006 wurde mit dem Englisch auf der Mittelstufe auch das Lehrmittel «Explorers» eingeführt. Heute, am Ende der Testphase, ist die Bilanz durchzogen. Die Lehrerkonferenz will nicht mehr, dass das Buch für alle obligatorisch ist.

Anna Wepfer
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Englischunterricht an der Schule (Symbolbild)

Englischunterricht an der Schule (Symbolbild)

Limmattaler Zeitung

«Explorers» heisst übersetzt: Entdecker. Und der Name ist Programm: Das neue Englischlehrmittel soll die Mittelstüfler im Kanton Zürich zu Entdeckern der englischen Sprache machen. Doch am eigens für die Deutschschweizer Primarschulen entwickelten Unterrichtsmaterial scheiden sich die Geister. Während die einen Lehrpersonen Feuer und Flamme sind für die neuartige Lernmethode, weigern sich zahlreiche andere, das Lehrmittel überhaupt zu verwenden. Das Problem: Im Kanton Zürich ist «Explorers» eigentlich in allen vierten bis sechsten Klassen obligatorisch.

Eine Wahlmöglichkeit für Lehrerinnen und Lehrer ist nicht vorgesehen. Das will die Zürcher Lehrpersonenkonferenz der Volksschule (LKV) jetzt ändern. In einem kürzlich verabschiedeten Positionspapier verlangt sie, dass «Explorers» vom Bildungsrat in Zukunft nur noch den Status «zugelassen» erhält. Das würde bedeuten: Es darf im Unterricht verwendet werden, muss aber nicht.

Konzeption als Grund für den Unmut

Grund für Unmut auf der einen und Begeisterung auf der anderen Seite ist vor allem die Konzeption des Lehrmittels. Denn es geht in Sachen Fremdsprachenunterricht neue Wege (siehe Kasten unten links). Damit verbunden ist etwa ein riesiger Fundus an Materialien, aus dem die Lehrperson das auswählen kann, was sie für ihren Unterricht gebrauchen will.

«Was für die einen eine Bereicherung ist, ist für andere eine Belastung», sagt Eliane Studer Kilchenmann, Vizepräsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV) und Präsidentin der dortigen Pädagogischen Kommission. Sie kritisiert auch, dass «Explorers» nicht an das Unterstufenlehrmittel «First Choice» anschliesse und für besonders schwache Schüler wenig unterstützendes Material biete. Sie lobt aber, dass die Fremdsprache handlungs- und themenorientiert vermittelt wird.

Dennoch kommt auch der ZLV zum Schluss, «Explorers» weise «gravierende Mängel» auf. Aus diesem Grund stellt sich der Verband hinter das Thesenpapier der LKV. Das hat er an einer Sitzung Anfang Woche entschieden. «Es ist uns wichtig, dass die Lehrer selber entscheiden können, mit welchem Lehrmittel sie arbeiten», sagt Studer. Darum sei auch der ZLV gegen ein «Explorers»-Obligatorium. In elf Forderungen verlangt das Papier auch eine Überarbeitung des Lehrmittels. Die Forderungen sind im Detail nicht bekannt, weil es sich noch um ein internes Dokument handelt. Sobald sich auch der Personalverband VPOD zum Papier geäussert hat, geht es an die Schulkapitel aller Bezirke.

Lehrer entschdeiden in den kommenden Wochen

In den kommenden Wochen entscheiden dort die Lehrer, welche Thesen sie unterstützen. Die gutgeheissenen Punkte verarbeitet die LKV in ein so genanntes Synodalgutachten zuhanden der Bildungsdirektion. Dort ist schon seit geraumer Zeit bekannt, dass «Explorers» viele Kritiker hat. So hat das Volksschulamt (VSA) sich vor einem Jahr mit einem Brief an die Schulpflegen gewandt und diese gebeten, besser darauf zu achten, dass sich kein Lehrer um die obligatorischen Lehrmittel drückt. Dabei nannte er insbesondere «Explorers».

Im August 2010 beschäftigte auch den Bildungsrat das Problem, dass «viele Lehrpersonen – teilweise ganze Schulgemeinden – mit einem anderen Lehrmittel unterrichten», wie es in einem Ratsbeschluss heisst. Er hat daher eine Umfrage zur Zufriedenheit mit «Explorers» veranlasst. Noch liegen keine Ergebnisse vor, wie VSA-Chef Martin Wendelspiess auf Anfrage sagt. Zurzeit stehe nicht zur Diskussion, den Status von «Explorer» von aktuell «provisorisch-obligatorisch» auf «zugelassen» zurückzustufen, sagt Wendelspiess. Die Ergebnisse der Lehrerbefragung und das Synodalgutachten würden aber diesen Sommer diskutiert und dem Bildungsrat vorgelegt. «Dann werden allfällige Massnahmen beschlossen.»