Wädenswil
Engagierte Schweizer Tierschützer setzen Delfinschlächter unter Druck

Die in Wädenswil angesiedelte Organisation Oceancare setzt sich für den Schutz von Meeressäugern ein. Bei Japan, das für seine Jagd nach Meeressäugern bekannt ist, stösst sie bisher jedoch auf taube Ohren.

Simone Matthieu
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Laut Oceancare überleben 700 bis 800 Delfine jährlich die psychisch und physisch aufreibende Treibjagd und das abschliessende Gemetzel nicht; 250 bis 350 werden verkauft.

Laut Oceancare überleben 700 bis 800 Delfine jährlich die psychisch und physisch aufreibende Treibjagd und das abschliessende Gemetzel nicht; 250 bis 350 werden verkauft.

Elsa Nature Conservancy

Dank dem Engagement von Schweizer Tierschützern ist es gelungen, endlich einen Schritt vorwärts zu kommen im Kampf gegen das alljährlich von den Japanern verursachte Blutbad: die Delfin-Treibjagd. Der Oscar prämierte Dokumentarfilm «Die Bucht» brachte das blutige Treiben am japanischen Küstenort Taiji ins öffentliche Bewusstsein.

Die Japaner liessen bislang nicht mit sich reden über diese Zuwiderhandlung gegen die international geächtete Delfin-Treibjagd. Dabei geht es darum, Delfine für Delfinarien und Zoos zu fangen. «Die Tiere werden in die Bucht getrieben», erzählt Fabienne Boller von der Schweizer Meeressäuger-Schutzorganisation Oceancare. «Dann kommen Vertreter von Delfinarium und Zoos aus der ganzen Welt und suchen sich die schönsten Tiere aus.» Die, die sich nicht verkaufen lassen, würden abgeschlachtet – völlig sinnlos.

Oceancare kämpft seit 20 Jahren

«Früher assen Japaner gerne Delfinfleisch. Das ist jedoch nur noch selten der Fall, seit bekannt geworden ist, dass das Fleisch mit Giftstoffen belastet ist», sagt Boller. Heute werde das Delfinfleisch zu Hundefutter und Düngemittel verarbeitet.

Seit 20 Jahren versucht Oceancare, mit Japan über die Delfin-Treibjagd zu verhandeln -- vergebens. Federführend bei der Treibjagd ist der Jaza, der japanische Verband der Zoos und Aquarien. Jaza ist eine Unterorganisation des Waza, des Weltzooverbands, dem weltweit alle grossen Zoos, auch diejenigen in Zürich und Basel angehören.

Am vergangenen Freitag fand am Schweizer Sitz des Waza unter Vermittlung von Oceancare ein Gespräch über die von der Jaza gelenkten Delfin-Treibjagden statt, mit denen sie den Ehrenkodex des Weltzooverbandes verletzt. Dieser Kodex verpflichtet alle Mitglieder des Verbandes, auf den Handel mit Delfinen zu verzichten, die im Rahmen einer Treibjagd gefangen worden sind. Die Dachorganisation drückte bisher beide Augen zu und glaubte der Jaza, die ihr Tun als angebliche «Tradition» und «Kultur» rechtfertigt und legitimiert.

Nach einer Demonstration vor dem Schweizer Waza-Sitz letzten Freitag in Gland VS war Waza-Geschäftsleiter Gerald Dick endlich bereit zu einem Gespräch mit Oceancare-Präsidentin Sigrid Lüber, der japanischen Tierschützerin Sakae Hemmi sowie dem amerikanischen Delfin-Schützer Ric O’Barry. Hemmi überreichte Dick bei dieser Gelegenheit eine von 168 japanischen Tierschutzorganisationen unterschriebene Petition gegen die Delfin-Treibjagd der Jaza, in der auch deutlich erklärt wird, dass so etwas wie eine japanische Tradition und Kultur der Delfin-Treibjagd gar nicht existiert.

Die Tierschützer forderten von Dick, dass die Jaza von der Dachorganisation ausgeschlossen wird. Boller meint, das wäre ein starkes Signal an alle Zoos und Delfinarien. «Die sind interessiert an einem Gütesiegel, sie wollen keine Tiere von Händlern mit schlechtem Ruf, von einer von der Waza nicht anerkannten Organisation.» Doch Dick glaubt auch, dass ein Ausschluss das Problem nicht lösen würde. Damit würden im Gegenteil jede mögliche Einflussnahme, Kontakt und Dialog unterbunden.

Deshalb sind nun Gespräche geplant. An einem Treffen in Japan sollen die Jaza mit der Dachorganisation Waza sowie japanischen Tierschützern über eine Lösung der «Schande von Taiji» diskutieren. Die Verhandlungen müssen innerhalb der nächsten fünf Monate stattfinden, denn im September beginnt jeweils die blutige japanische «Tradition» der Delfin-Treibjagd.

«Wir werden dafür sorgen, dass die in Aussicht gestellten Massnahmen der Waza gegen das Verhalten der Jaza kein Lippenbekenntnis bleiben und halten den Druck hoch, dass diese Verhandlungen durchgezogen werden», sagt Boller.

China, Russland und arabische Länder jagen weiter

Laut Oceancare überleben 700 bis 800 Delfine jährlich die psychisch und physisch aufreibende Treibjagd und das abschliessende Gemetzel nicht; 250 bis 350 werden verkauft. Japan ist mit Abstand der grösste Delfin-Lieferant. Das Geschäft lohnt sich: Ein verkauftes Tier bringt den Delfin-Jägern rund 150 000 Franken ein.

In westlichen Ländern keimt zwar das Bewusstsein für die Grausamkeit des Tierhandels und für die unartgerechte Haltung in Delfinarien. Deshalb schliessen viele dieser Publikumsmagnete – wie 2013 das letzte Schweizer Delfinarium Connyland. In China, Russland und den arabischen Ländern wachsen dafür neue, gigantische Märkte für die Jäger der Meeressäuger.

Am Montag fiel nun ein historischer Entscheid zuungunsten von Japan: Der Internationale Gerichtshof hat den japanischen Walfang in der Antarktis für illegal erklärt. Trotz jahrzehntelangem Protest vonseiten der Tierschützer wurde der Walfang geduldet, den Japan unter dem Deckmantel der Wissenschaft über Jahre geführt hatte. Der Internationale Gerichtshof begründete den Entscheid damit, dass Japans Walfang keinen wissenschaftlichen Zwecken diene und damit gegen das kommerzielle Walfangverbot verstosse.