Gymi-Prüfung
Eltern finden Fehler in Gymi-Prüfung und gehen vor Gericht – Sohn kann jetzt doch an Kanti

Ein 13-jähriger schrieb an der Gymi-Prüfung eine 3,81. Nachdem die Eltern Unstimmigkeiten in der Prüfung beklagten, machte das Gymnasium aus der Note eine 3,875. Das war noch nicht genügend. Dann gingen die Eltern mit Kind zur Bildungsdirektion und wurden abgewiesen. Das Verwaltungsgericht gab ihnen dann aber Recht, das Kind kann nun ins Gymnasium.

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Der 13-jähriger Absolvent der Gymi-Prüfung darf nun an die Kantonsschule. (Symbolbild)

Der 13-jähriger Absolvent der Gymi-Prüfung darf nun an die Kantonsschule. (Symbolbild)

Keystone/Gaetan Bally

Der 13-jährige Marc (Name geändert) erhielt im März 2020 die Resultate seiner Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium: Mit einer Prüfungsnote von 3,81 habe er nicht bestanden. Als Schüler einer Privatschule hätte er eine 4 erreichen müssen. Das lag vor allem an seiner Deutschnote – einer 3,38. Seine Note in der Mathe war eine 4,25.

Marc und seine Eltern akzeptierten dieses Resultat nicht und begutachteten die korrigierte Prüfung, worauf Marcs Eltern mehrere Unstimmigkeiten bemerkten. Dies berichtet der «Tages-Anzeiger» am Dienstag. Eine Aufgabe der Deutschprüfung verlangte, dass die Kinder Synonyme nennen. Ein Wort, das Marc fand und im Kontext passte, gab ihm keinen Punkt. Der Grund: Es war nicht im Korrekturschema vorgesehen.

Marcs Aufsatz wurde mit 3,75 bewertet. Das war der Mutter, die selbst auch Deutschlehrerin ist, zu tief. Auch in der Mathematik hätte Marc gemäss seiner Eltern mehr Punkte verdient.

Kantonsschule lenkt ein – die neue Note reichte trotzdem noch nicht

Die Familie ging zur Kantonsschule Zürcher Unterland in Bülach. Dort hatte Marc seinerzeit die Prüfung absolviert. Die Schule gibt in der Deutschprüfung nach und rechnete Marc das nicht berücksichtigte Synonym an. Das war allerdings noch immer nicht genug. Der Notenschnitt war jetzt eine 3,875.

Marc und seine Eltern geben sich aber nicht geschlagen, viel eher legen sie bei der Bildungsdirektion Rekurs ein. Nachdem dieser abgelehnt wird, gehen sie vors Verwaltungsgericht. «Ich bin kein Mami, das ihr Kind ständig pusht», so die Mutter gegenüber dem «Tages-Anzeiger» am Telefon, «aber bei der Bewertung dieser Prüfung lief zu viel schief.» Die Mutter stockte gar ihr Arbeitspensum mit Stellvertretungen auf, um eine spezialisierte Anwältin bezahlen zu können.

Spezifisch nennt die Mutter den Aufsatz, den ihr Sohn schrieb. «Der Text war durchschnittlich, was eine Note von etwa 4,25 bis 4,5 geben müsste. Aber das Korrekturschema gibt vor, dass ein durchschnittlicher Aufsatz bloss mit 3,5 bis 4 bewertet wird.» Das sei als Ausgleich für die meist sehr guten Vornoten der Prüflinge aus öffentlichen Schulen gedacht, benachteilige aber Kinder aus den Privatschulen, so die Mutter.

Die Eltern erhielten in diesem Punkt nicht Recht. Gemäss Urteil des Verwaltungsgerichts habe das Bundesgericht in einem früheren Urteil bestätigt, dass Schülerinnen und Schüler aus Privatschulen an der Gymi-Prüfung nicht unrechtmässig benachteiligt würden. Die Vornoten von Privatschülern werden zwar nicht berücksichtigt, doch sie müssen lediglich eine 4 erreichen um ans Gymnasium aufgenommen werden – Kinder der Volksschule müssen dagegen inklusive Vornote eine 4,5 erreichen.

Unzulässiges Korrekturschema in einer Mathe-Aufgabe

Das Verwaltungsgericht entschied, dass Marc zum Gymi zugelassen wird: Das Korrekturschema in einer Mathe-Aufgabe, das vom Kanton vorgegeben wurde, ist unzulässig. Daher lehnte das Gericht dann auch ab, den Aufsatz einem unabhängigen Experten zur Betrachtung zu geben – Marc müsse so oder so ans Gymi zugelassen werden.

Die Mathe-Aufgabe bestand daraus, alle vierstelligen Zahlen zu finden, welche ungerade sind, durch 5 geteilt werden können, zwischen 3000 und 7000 liegen, aus lauter verschiedenen Ziffern bestehen und eine Quersumme von 23 aufweisen. Genau zehn Zahlen erfüllen diese Kriterien. Marc fand sechs korrekte und zwei falsche Zahlen. Dafür erhielt er einen Punkt. Möglich wären vier, laut Korrekturschema gab es für die zwei falschen Antworten einen Minuspunkt.

Das Verwaltungsgericht beurteilte dies als unrechtmässig, weil in der Aufgabe nichts von Minuspunkten stand. «Primarschüler müssen grundsätzlich nicht davon ausgehen, dass falsche Lösungszahlen zu einem Punkteabzug führen», so das Gericht. Das widerspreche Treu und Glauben.

Die Bildungsdirektion meint, die Minuspunkte verhinderten, dass die Schüler mit blossem Raten Punkte erziehlen. Das akzeptierte das Gericht allerdings nicht: «Die Wahrscheinlichkeit eines Zufallstreffers ist sehr gering.» Überdies habe Marc gezeigt, dass er die Aufgabe grundsätzlich verstanden habe: Selbst die beiden falschen Zahlen hätten vier der fünf Bedingungen erfüllt.

Er besucht nun die Kantonsschule – aber nicht die in Bülach

Dieser Punkt in der Mathe ermöglichte Marc den Übertritt ins Gymi. Er besucht die Kantonsschule seit Dezember – wenn auch nicht die in Bülach. Die Familie ist in der Zwischenzeit nämlich umgezogen.

Er müsse nun einiges an Stoff nachholen, vor allem in Latein, «aber er hat sich schnell und gut integriert», so die Mutter. Während seine Klassenkameraden die Probezeit nun schon fast beendet haben, beginnt Marc sie erst nach den Sportferien und absolviert sie bis zu den Sommerferien.

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