Zürich
Elektrizitätswerk Zürich erklärt Staumauern für sicher

Auf den allerletzten Termin hat das städtische Elektrizitätswerk Berechnungen zu Staumauern nachgereicht. Eigentlich hätte das Werk dies schon längstens einreichen sollen. Es drohte Sanktionen.

Marius Huber
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Blick auf die Albigna-Staumauer und den Stausee des EWZ Bergell oberhalb Löbbia im Kanton Graubünden.

Blick auf die Albigna-Staumauer und den Stausee des EWZ Bergell oberhalb Löbbia im Kanton Graubünden.

KEYSTONE/Gaetan Bally)

Schaut man vom Talgrund des Bergells hinauf zur Albigna-Staumauer, sieht sie aus, als wäre sie unzerstörbar.

Ein kompromissloser Riegel aus verwittertem Beton, der dort, tausend Meter oberhalb, sein Gewicht jenen Millionen Tonnen von Wasser entgegenstemmt, die sich sonst in einer unvorstellbaren Sturzflut nach unten ergiessen würden.

Ob dieser trutzige Bau aber sein Versprechen auch halten würde, falls die Erde plötzlich unerwartet heftig bebte, bleibt vorerst ungewiss.

Denn das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ), das die Mauer in den Fünfzigerjahren errichtet hat, reichte den entsprechenden Sicherheitsnachweis erst vor wenigen Tagen beim Bund ein – mit einiger Verspätung und auf den allerletzten Drücker. Den Experten in Bern blieb bisher noch keine Zeit, ihn auf seine Plausibilität zu kontrollieren.

Zehn Jahre waren zu wenig Zeit

Eigentlich müssten die Papiere aus Zürich schon seit Monaten beim Bundesamt für Ener­gie liegen.

Dieses hatte den Schweizer Stromproduzenten ursprünglich zehn Jahre Zeit gegeben, die zweihundert grössten Staumauern und Dämme darauf zu prüfen, ob sie einem extremen Erdbeben standhalten, wie es nur alle 10 000 Jahre vorkommt.

Doch als die Frist Ende März 2013 auslief, fehlten noch immer Dutzende Sicherheitsnachweise.

Darunter jene von fünf Anlagen des EWZ im Kanton Graubünden, inklusive Albigna-Mauer und jener für den Erddamm des Klöntalersees im Glarnerland, Eigentum der Axpo, an welcher der Kanton Zürich beteiligt ist.

«Unerwartet zeitaufwendige Arbeit»

Das Bundesamt für Energie verlängerte die Frist für die säumigen Kraftwerksbetreiber bis Ende 2013 und drohte zugleich mit Sanktionen.

Die Verantwortlichen des EWZ wiesen damals jede Kritik von sich. Der Hauptgrund für die Verspätung sei, dass es nur wenige Experten gebe, die der Aufgabe gewachsen seien.

Zudem habe sich die Arbeit als unerwartet zeitaufwendig erwiesen. Die Mauern müssten in numerische Modelle umgerechnet werden, um die Folgen eines Erdbebens simulieren zu können.

Auf diese Schwierigkeiten wies EWZ-Mediensprecher Harry Graf wenige Tage vor Weihnachten erneut hin. Denn inzwischen war auch die zweite Frist in unmittelbare Nähe gerückt, aber in Bern waren erst der fehlende Sicherheitsnachweis der Axpo und jene des EWZ für die Mittelbündner Anlagen Marmorera und Solis eingetroffen.

Noch immer wartete man auf jene für die drei EWZ-Anlagen im Bergell: die kleinen Staumauern Löbbia und Prä und die 759 Meter lange und 115 Meter hohe Albigna-Staumauer.

Graf versicherte, das EWZ werde die Papiere trotz anstehender Weihnachtsferien bis Ende Jahr eingereicht haben. Dass dies erst auf den letzten Termin geschehe, bewerte er nicht negativ. Und tatsächlich: Die ausstehenden Sicherheitsnachweise sind unterdessen beim Bundesamt für Energie angekommen, wie dieses bestätigte.

Nachbessern nur selten nötig

Dessen Fachleute werden die Berechnungen nun analysieren. Zurzeit lasse sich noch keine der EWZ-Staumauern abschliessend für sicher erklären. Bei anderen Anlagen hat sich aber gezeigt, dass bauliche Nachbesserungen nur selten notwendig sind. Dies, obwohl die Sicherheitsanforderungen beim Bau in den Fünfzigerjahren geringer waren als heute. Die Mauern sind speziell dafür gemacht, den Horizontalkräften des Wassers zu widerstehen. Sie werden daher auch mit jenen eines Erdbebens besser fertig als andere Bauwerke.

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