Fördergelder
EKZ verärgern Solarenthusiasten

Bei Solaranlagen stehen den Hausbesitzern oft die Stromkonzerne vor der Sonne. In einem sind sich fast alle einig: Wäre die Einspeisevergütung nicht auf einen Maximalbetrag beschränkt, gäbe es auch keine Konflikte.

Marius Huber
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Stromkonzerne wie die EKZ planen Anlagen in grossem Massstab. Das Bild zeigt das Dach der EKZ Dietikon. Archiv/Emanuel Freudiger

Stromkonzerne wie die EKZ planen Anlagen in grossem Massstab. Das Bild zeigt das Dach der EKZ Dietikon. Archiv/Emanuel Freudiger

Zum zweiten Mal innert kurzer Zeit sorgt ein Energieunternehmen für Aufsehen mit Plänen für ein grosses Solarkraftwerk in unbebauter Natur. Waren es Ende letzten Jahres die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), die einen alten Steinbruch am Walensee ins Auge gefasst haben, sind es diesmal Centralschweizerischen Kraftwerke, die im Reusstal bauen wollen.

Diese Entwicklung irritiert nicht nur die Schweizerischen Energiestiftung, die der Ansicht ist, dass es genügt, die freien Dachflächen für die Stromgewinnung zu nutzen. Sie muss auch jenen Hauseigentümern im Kanton Zürich zu denken geben, die auf ihren Dächern Solarzellen installieren wollen. Die Privaten stehen im Ringen um staatliche Fördergelder nämlich in direkter Konkurrenz mit den grossen Energieunternehmen – und mit jedem Grosskraftwerk schwinden ihre Chancen, zum Zug zu kommen.

Warteliste wird lang und länger

Es geht um die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), die der Bund 2009 eingeführt hat, um die Energiewende voranzutreiben. Das Prinzip: Wer eine Solaranlage baut und Strom ins Netz einspeist, bekommt einen Zustupf, der hoch genug ist, dass die Anlage kein Verlustgeschäft wird.

Nötig ist das deshalb, weil die Produktion von Solarstrom mehr Geld verschlingt, als man auf dem Markt für den Strom bekommt. Das Problem: Der Topf mit den Fördergeldern enthält jedes Jahr nur einen beschränkten Betrag – er hat einen fixen Deckel. Wer profitieren will, muss sich auf eine Warteliste setzen lassen. Auf jener für Solaranlagen befanden sich laut der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid zuletzt 13600 Projekte.

Unausgereifte Projekte?

Der Unmut über die Warterei ist lauter geworden, seit private Hauseigentümer gemerkt haben, wer ihnen unter anderem vor der Sonne steht: Stromkonzerne und Elektrizitätswerke wie die EKZ. Diese planen Anlagen in grossem Massstab und nehmen ein entsprechend grosses Stück des Kuchens für sich in Anspruch.
Gemäss Zahlen von Swissgrid bezog die Energiebranche zuletzt fast gleich viele Fördergelder wie die privaten Hausbesitzer, obwohl diese zwanzigmal mehr Anlagen in Betrieb hatten.

Unter den Privaten kursiert auch der Verdacht, die Elektrizitätswerke hätten auf Vorrat unausgereifte Projekte auf die Warteliste gesetzt und diese so zusätzlich verstopft.

EKZ weisen Kritik zurück

Die EKZ verwahren sich dagegen. Sie hätten derzeit 27 Solaranlagen auf der Liste, sagt Mediensprecherin Priska Laïaïda, und alle liessen sich innert der vorgesehenen Fristen realisieren. Das umstrittene Grossprojekt am Walensee gehöre nicht dazu. Aktuell kassieren die EKZ nur für eine einzige Anlage in Dietikon eine Einspeisevergütung: 129000 Franken pro Jahr – also nur geschätzte ein bis zwei Prozent des Gesamtvolumens im Kanton.

Trotzdem zeigen Thomas Bachmann und Stefan Roth, Geschäftsführer der Winterthurer Photovoltaik-Firma Solarville, Verständnis für die Kritik an den EKZ. Diese hätten den Kanton im Rücken und den nötigen Marktzugang, um ihren Solarstrom auch ohne Einspeisevergütung an die Kunden zu bringen. Verständnis zeigt auch Felix Nipkow von der Energiestiftung. Er vermutet, dass grosse Firmen beim Gerangel um die Fördergelder gegenüber den Privaten im Vorteil sind. Sie hätten das Fachwissen, um ihre Projekte jeweils zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Form einzureichen.

Hans-Heiri Frei von Swissgrid kennt die Kritik der Privaten an den Stromkonzernen. Aber bei der Einspeisevergütung werde nun mal zuerst berücksichtigt, wer sich zuerst anmelde. Man müsse sich auch das Ziel in Erinnerung rufen. Dieses laute: möglichst viel erneuerbare Energie. So gesehen seien die Grossprojekte der Elektrizitätswerke durchaus von Vorteil, denn diese produzieren günstiger.

In einem sind sich fast alle einig: Wäre die Einspeisevergütung nicht auf einen Maximalbetrag beschränkt, gäbe es auch keine Konflikte. Insofern könnte der Herbst Entspannung bringen, wenn der Bund seine neue Energiestrategie publik macht. Diese sieht dem Vernehmen nach vor, den sogenannten KEV-Deckel fallen zu lassen. Allerdings gäbe es eine Einspeisevergütung neu nur noch für Grossanlagen. Private Hauseigentümer bekämen als Ersatz eine einmalige Anschubhilfe.