Opernhaus
Einziger Schweizer am Junior Ballett: «Wir sind wie eine grosse Familie»

Der Romand Benoît Favre ist der einzige Schweizer im Zürcher Junior Ballett. Schon mit drei Jahren nahm er an Ballett-Kursen teil, dass er in Zürich landete, war aber ein Glücksfall.

Alfred Borter
Merken
Drucken
Teilen
Benoît Favre (stehend) verkörpert in «Bellulus» von Stephan Thoss den Rigoletto (Szenenbild). Der gebürtige Neuenburger studiert seit seinem 12.Lebensjahr in Zürich Tanz.

Benoît Favre (stehend) verkörpert in «Bellulus» von Stephan Thoss den Rigoletto (Szenenbild). Der gebürtige Neuenburger studiert seit seinem 12.Lebensjahr in Zürich Tanz.

Judith Schlosser

Natürlich freut sich Benoît Favre auf die Premiere auf der grossen Bühne vom 14. Dezember, wie er sagt. Dann treten die Tänzerinnen und Tänzer des Junior Balletts, zu denen der 20-Jährige gehört, in einem eigens für sie konzipierten Programm auf der grossen Bühne des Zürcher Opernhauses auf.

Der dreiteilige Ballettabend des Junior Balletts wurde bereits in der letzten Spielzeit mit grossem Erfolg auf der Studiobühne ausprobiert. Nun kommt er in überarbeiteter Form und neuer Besetzung auf die Bühne des Opernhauses.

Drei Choreografen, eine Aufführung

Drei völlig verschiedene Produktionen sind es. «Es hat Spass gemacht, sie einzuüben», hält der junge Tänzer fest. Die Choreografien stammen vom Briten Douglas Lee, vom Zürcher Ballettdirektor Christian Spuck und von Stephan Thoss, Ballettdirektor am Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

Das Junior Ballett wurde von Christian Spucks Vorgänger Heinz Spoerli im Jahr 2001 gegründet, mit dem Ziel, jungen Tänzern aus aller Welt hier die Möglichkeit des betreuten Übergangs vom Ende ihrer Ballettausbildung bis zum Eintritt ins volle Berufsleben zu geben.

Im Rahmen eines bis zu zwei Jahre dauernden Engagements trainieren sie gemeinsam mit den Mitgliedern des Balletts Zürich, tanzen mit ihnen in etlichen Vorstellungen des Repertoires sowie an einem eigenen Ballettabend und sammeln dabei für eine Tänzerlaufbahn wichtige Erfahrungen.

Der einzige Schweizer

Favre ist das einzige Schweizer Mitglied im Junior Ballett. Seine Kolleginnen und Kollegen kommen aus allen Erdteilen. Er liebt die internationale Atmosphäre, ihm gefällt es, dass seine Kolleginnen und Kollegen sehr unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben.

«Aber wir verstehen uns alle, wir haben dasselbe innere Feuer für den Tanz», sagt er. «Wir sind wie eine grosse Familie.»

Englisch ist die Sprache, der sich alle bedienen. Eigentlich möchte er, der Romand, gern mehr deutsch sprechen, wenn er schon hier in der deutschsprachigen Schweiz sei.

Zur Schule ging er in Colombier (Neuenburg), doch die Tanzausbildung absolvierte er von seinem 12. Lebensjahr an in Zürich an der Tanzakademie, die zur Zürcher Hochschule der Künste gehört.

Von klein auf begeisterter Tänzer

Er selber wusste von klein auf, dass er Tänzer werden wollte. Schon seine Schwester und sein älterer Bruder nahmen Ballettunterricht, und mit drei Jahren durfte er an entsprechenden Kursen teilnehmen. Buben, hat er festgestellt, trauen sich heutzutage eher, sich fürs Ballett zu entscheiden. «Vielleicht hat hier der Film «Billy Elliott – I will dance» einen Beitrag geleistet», mutmasst er.

Dass er gleich ins Junior Ballett Zürich aufgenommen wurde, bezeichnet er als Glücksfall. Nicht alle Absolventen erhalten eine solche Möglichkeit, Erfahrungen als Profitänzer zu sammeln und sich zu bewähren.

Zweites Standbein Choreograf

Nach Abschluss des zweijährigen Engagements im Junior Ballett hofft er auf ein Engagement an einer der grossen Bühnen der Welt, am liebsten in Europa.

In Zürich gefällt es ihm sehr gut, doch weiss er, dass die Aussicht, in die Compagnie aufgenommen zu werden, sehr begrenzt ist. Aber Tänzer sind flexibel, Engagements im Ausland gehören ganz einfach zum Beruf.

Obschon er voll und ganz Tänzer ist, wie er betont, ist Favre daran, sich ein zweites Standbein zu kreieren, nämlich als Choreograf. Er weiss: Tänzer auf hohem Niveau kann man nur eine beschränkte Zeitspanne lang sein, nachher ist ein Wechsel angesagt.

Vielleicht in einen verwandten Beruf, etwa als Lehrer in einer Tanzschule oder eben als Choreograf. «Ich werde mal schauen, wie sich das entwickelt», sagt er.

Die Aufführung mitgestalten

Auch die Choreografen der kommenden Aufführung des Juniorballetts, der grosse Douglas Lee, auch Christian Spuck und Stephan Thoss waren früher Tänzer.

Übrigens: Lees Art, den Tänzerinnen und Tänzern nicht genau vorzugeben, was er von ihnen verlangt, sondern mit ihnen zusammen eine Choreografie zu entwickeln, hat Favre zunächst erstaunt. Dann aber sah er es als bereichernde Herausforderung, selber im Prozess einen Beitrag leisten zu können.

Favre tritt ebenso gern in einem klassischen Stück auf wie in einem zeitgenössischen Ballett. Letztes Jahr hatte er einen Auftritt in Tschaikowskis Schwanensee. «Das war ein sehr schönes Erlebnis.»

Das Junior Ballett tritt am 14. Dezember um 14 Uhr auf (Premiere auf der grossen Bühne). Weitere Vorstellungen: 25. Januar, 16. und 22. März 2014. Weiteres unter www.zuercherballett.ch.