Zürich

Einstiger Top-Anwalt veruntreut und verjubelt 1,6 Millionen Franken

Berufungsprozess vor Zürcher Obergericht begonnen

Zürcher Obergerich

Berufungsprozess vor Zürcher Obergericht begonnen

Ein früher erfolgreicher Wirtschaftsanwalt hat 1,6 Millionen Franken veruntreut und verjubelt. Das Zürcher Obergericht verurteilte den 54-Jährigen am Donnerstag zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Mit seinem Strafmass ging das Obergericht über die erstinstanzliche Strafe hinaus: Das Bezirksgericht Zürich hatte den Mann im März 2010 der qualifizierten Veruntreuung, der ungetreuen Geschäftsbesorgung und der mehrfachen Gläubigerschädigung schuldig gesprochen und zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 33 Monaten verurteilt - zwölf Monate davon sollte er absitzen.

Der Verurteilte war damit nicht zufrieden. Er wollte Teilfreisprüche und die Strafe auf 14 - maximal 24 Monate bedingt reduziert sehen. Es kam anders: Das Obergericht bestätigte den Schuldspruch vollumfänglich und es erhöhte das Strafmass deutlich.

Der Jurist habe eine beträchtlich kriminelle Energie an den Tag gelegt, argumentierte das Gericht. Er sei mit grosser Unverfrorenheit vorgegangen. Und dies, obwohl er als Rechtsanwalt eine erhöhte Verantwortung hätte wahrnehmen müssen.

Ausbruch aus angepasstem Leben

Der Fall geht auf Mitte der 1990-er Jahre zurück. Damals brach der erfolgreiche Wirtschaftsanwalt und Familienvater auf einmal aus seinem angepassten Leben aus. Er verkehrte nun am liebsten in Nachtclubs. Die Ehe zerbrach, der Mann geriet in finanzielle Engpässe.

Diesen versuchte er schliesslich auf krummen Wegen zu entkommen: Er versprach Bekannten, Firmen und Geschäftspartnern gewinnbringende Investitionen. Es kamen über 1,6 Millionen Franken zusammen, die er nicht anlegte, sondern im Rotlicht-Milieu verjubelte. Unter anderem brachte er ein Ehepaar, das er jahrelang in rechtlichen Belangen beraten hatte, um seine gesamte Altersvorsorge.

Heute steckt der Mann in einem Schuldenberg von rund fünf Millionen Franken. Er ist als privater Rechtsberater tätig. Aus dem kantonalen Anwaltsregister wurde er gelöscht.

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