Die Rega hat sich in einem neuen Buch ein Denkmal gesetzt. Auf 128 Seiten ist im AS Verlag der Bildband «Rega – Backstage» erschienen. Illustriert mit 120 Bildern geht es dabei nicht nur um die Faszination für die technischen Hilfsmittel der Schweizerischen Rettungsflugwacht, sondern auch um den Alltag ihrer rund 350 Angestellten, die täglich für die Patienten im Einsatz stehen.

Mit dem Hund auf der Brust sprangen Retter 1956 per Fallschirm aus dem Flugzeug ab, um zu den Patienten zu gelangen.

Mit dem Hund auf der Brust sprangen Retter 1956 per Fallschirm aus dem Flugzeug ab, um zu den Patienten zu gelangen.

Im Rega-Hangar am Flughafen Zürich fand nun die Vernissage des Buches statt. Dabei wurden für einmal nicht wie üblich die Autoren auf die Bühne gebeten, sondern drei der insgesamt zehn im Buch porträtierten Mitarbeiter, um dem Publikum von sich und ihrem Beruf zu berichten. So erzählte etwa Helikoptermechaniker Stefan Moser, dass auch er zu Beginn seiner Ausbildung teilweise an sich gezweifelt hatte: «Manchmal lag ich am Abend im Bett und überlegte mir plötzlich: ‹Habe ich jetzt diese Schraube wirklich angezogen . . .?›» Heute habe er nach Feierabend aber nie schlaflose Nächte, weil er wisse, dass er und sein Team ihre Arbeiten sauber ausführen würden.

Der Bildband lebt nicht zuletzt von spektakulären Bildern der Helikopterflotte. Im Bild ein Eurocopter EC 145.fOTOS: ZVG

Der Bildband lebt nicht zuletzt von spektakulären Bildern der Helikopterflotte. Im Bild ein Eurocopter EC 145.fOTOS: ZVG

Eine weitere der im Buch porträtierten Personen ist Patrizia Theiler. Sie arbeitet als Einsatzleiterin für die Ambulanzjets, die vor allem dazu aufgeboten werden, Patienten aus dem Ausland in die Schweiz zurückzuholen. Besonders gut konnte sich Theiler an ihren Einsatz erinnern, als 2012 im Wallis ein Car mit Schülern verunglückte. «Alle drei Ambulanzjets waren glücklicherweise in der Schweiz und wir waren bis tief in die Nacht mit der Organisation beschäftigt, damit die Jets von Sion nach Brüssel fliegen konnten», sagte Theiler. Trotz des tragischen Unglücks sei es schön gewesen am nächsten Morgen zu sehen, dass alles so gelaufen sei, wie man es organisiert habe, erinnerte sie sich.

Indes komme es auch vor, dass gewisse Patienten wegen Kleinigkeiten die Rega verlangten. «Einmal wollte jemand wegen eines Mückenstichs bei uns einen Helikopter bestellen», erzählte Theiler schmunzelnd.

Pionierarbeit geleistet

«Rega – Backstage» ist ein Blick hinter die Kulisse der Rettungsflugwacht. Ziel der Autoren – allesamt aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter der Rega – war es nicht, eine geschichtliche Abhandlung der Stiftung zu schaffen und sowohl Höhen als auch Tiefen aufzuarbeiten. Dennoch hält das Buch zahlreiche interessante Fakten bereit. So erfährt man zum Beispiel, dass die Mechaniker im Hangar pro Flugstunde des Helikopters zwei bis drei Stunden Wartungsarbeit investieren müssen. Oder dass die Rega nach ihrer Gründung 1952 echte Pionierarbeit geleistet hatte. Auf der Suche nach einem Weg, um im Winter zum Patienten zu gelangen, sprangen die Retter – die zuvor eine Ausbildung bei der Royal Air Force absolviert hatten – damals mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug. Den Lawinenhund banden sie sich dabei vor die Brust. Um den Hund bei der Landung nicht zu verletzen, senkten sie diesen kurz vorher an einer fünf Meter langen Spezialleine ab.

Weil es damals noch keine Rettungsseilwinden gab, testete die Rega andere Methoden. An den Helikopter wurde wahlweise montiert: Der Korb eines Gasballons, eine Strickleiter, ein Lachsnetz, um Retter und Ertrinkende aus dem Wasser zu fischen oder auch nur der Tellersitz eines Skilifts, auf welchem sitzend der Retter unter dem Helikopter baumelte. Schon damals mussten die Rega-Mitarbeiter Mut beweisen.

«Rega - Backstage» Erschienen im
AS Verlag, von Karin Hörhager, Ariane Lendenmann, Wanda Pfeifer und Walter Stünzi. 128 Seiten, 120 Abbildungen,
45 Franken.