Regierungsratswahlen

Einer, der einfeuern und zuhören kann

Regierungsrat Markus Kägi

Regierungsrat Markus Kägi

Seit vier Jahren ist Markus Kägi (SVP) Baudirektor – den Mangel an Führungserfahrung hat er wettgemacht.Dabei mag Kägi auch eine Eigenschaft zugute kommen, die ihm von verschiedener Seite attestiert wird: Er kann zuhören.

«Gmögig». Das las man vor vier Jahren öfters in Porträts über den Regierungsratskandidaten Kägi . Darin schwang auch etwas Ratlosigkeit mit und die Frage: Wer ist dieser Mensch, der damals noch Ombudsmann des Kantons Zürich war? Dieses Amt bekleidete er seit 1996.

Weiter hiess es, er bewege sich ganz auf der Linie seiner Partei - eine Aussage, der er damals nicht widersprach und es auch heute nicht tut. Anders als während seiner Zeit als Kantonsrat exponierte er sich als Ombudsmann aber bereits nicht mehr politisch. Das hätte er als nicht passend zu diesem Amt gefunden. Nun ist er Regierungsrat und hält mit seinen parteipolitischen Ansichten wegen des Kollegialitätsprinzips zurück. Aus der Rolle gefallen ist er nie.

«Ein Regierungsrat führt seine Amstvorsteher»

Auf Prinzipientreue weist auch Folgendes hin. Als ihm vor vier Jahren fehlende Führungserfahrung vorgehalten wurde - die Ombudsperson steht einem halben Dutzend Leuten vor, ein Baudirektor 1600 - sagte er: «Ein Regierungsrat führt seine Amtsvorsteher, nicht das Personal als Ganzes.»

Und das sagt er auch heute noch. Nichts deutet auf eine überdurchschnittliche Personalfluktuation in seiner Direktion hin, was nahelegt, dass das Prinzip funktioniert. Dabei mag Kägi auch eine Eigenschaft zugute kommen, die ihm von verschiedener Seite attestiert wird: Er kann zuhören. Und, so seine Überzeugung: Wenn etwas schiefgeht, ist es besser, Lehren zu ziehen, als abzustrafen. Kägi : «Ich habe in der Direktion eine Fehlerkultur eingeführt.»

Regierungsrat Markus Kägi sagt, was er tut, wenn er nicht regiert.

Regierungsrat Markus Kägi sagt, was er tut, wenn er nicht regiert.

So behauptet er denn auch nicht, selber fehlerfrei zu sein. Die Kommunikation punkto Polizei- und Justizzentrum, als so nebenher plötzlich eine viel höhere Kostenschätzung genannt wurde, sei sicher nicht ideal verlaufen, gibt er zu. Ganz leicht fällt ihm das freilich nicht und er beeilt sich darzulegen, dass er sich zumindest nicht verrechnet hat. Er verweist auf die höhere Abweichungstoleranz in der Anfangsphase eines so grossen Bauprojektes sowie nachträglich angehobene Anforderungen etwa bezüglich Sicherheit, Energetik und Ausbau. «Dies einberechnet, war unsere Budgetierung eine Punktlandung.»

Rohstoffe aus Abfall

So einiges ist ihm aber auch gut gelungen. Der Teilrichtplan Entsorgung ging schlank durchs Parlament. Der Zürichsee wurde von Teer-Altlasten befreit. Im neuen Zentrum ZAR in Hinwil - ein Vorzeigeprojekt - werden Rohstoffe aus dem Abfall separiert. Das Schloss Laufen ist renoviert; seither steigen die Besucherzahlen.

Der Umbau der Klosterinsel Rheinau ist auf gutem Weg. Das neue Holzheizkraftwerk Aubrugg ist in Betrieb. Weniger erfreulich verläuft der Umbau des Massnahmenzentrums Uitikon, für das Kägi einen Baustopp verfügt hat. «Da musste ich durchgreifen.»

Einsicht nicht hoheitlich

Eben in die Vernehmlassung geschickt hat er eine Richtplan-Gesamtrevision. Das übergeordnete Thema: Landschaftsverbrauch senken, Siedlungsentwicklung nach innen. Kägi setzt dabei auf den Dialog mit den Gemeinden und Regionen; Einsicht soll nicht hoheitlich verordnet werden. Auch das ist Kommunikation, hier hat Kägi einen Akzent gesetzt. Und auch Beispiele geglückter medialer Kommunikation gibt es: ein Pressetermin mit Kägi , der vorführt, wie man richtig einfeuert, ein anderer auf dem Solarboot.

Dazu eingeladen hatte er als Umweltminister. Eine Aufgabe, die ihm sichtlich passt. Ist er nun bereits ein Grüner geworden? «Nein», sagt er, «ich mag keinen Fundamentalismus.» Seine Naturverbundenheit gründet auf seiner Passion für die Jagd.

Die Aufgaben des Baudirektors - auch die Landwirtschaft gehört dazu - sind vielfältig. Eine Sonderrolle gesteht Kägi keiner von ihnen zu. Wenn, wie gerade geschehen, gespart werden muss, dann überall - auch beim Umweltschutz. Ungerecht findet er den Vorwurf der Grünen, er habe sie beim Umweltkredit hinters Licht geführt. Die hier erfolgte Kürzung werde durch neu fliessende Bundesgelder kompensiert, betont er.

Lockerungen des Baurechtes für energetische Gebäudesanierungen findet er gut. Und es gibt sie auch, wie er betont. Anders als die FDP findet er aber, dass es Sinn macht, auch dafür eine Baubewilligung zu verlangen. «Es geht dabei auch um die Interessen des Nachbarn.» Im Übrigen verweist er darauf, dass der Wärmebedarf im Kanton seit 1995 sinkt trotz stetiger Zunahme der beheizten Fläche. Auch ein Verdienst kantonaler Fördermassnahmen, fügt er an.

Zum Visionär hat sich Kägi die letzten vier Jahre nicht entwickelt, an Profil hat er aber zugelegt: als einer, dem Rechtsstaatlichkeit, Ausgleich, Dialog wichtig sind. Und wenn man ihn nur lässt, ist er noch immer «gmögig».

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