Von Jerusalem und Sternenberg aus habe er die letzten Fäden gespannt. Gestern nun gab Daniel Bühler den offiziellen Startschuss für das neue Altstadt-Festival an Pfingsten «Eine Welt in Winterthur».

Die Bewilligung dafür hatte der OK-Präsident und inzwischen «Ex-Mister-Afro-Pfingsten» gleich mitgebracht, als er und sein Vorstand gestern in der neuen Geschäftsstelle an der Stadthausstrasse vor die Medien traten.

An der Vision, die Bühler bereits im Dezember verkündete, hat sich nichts geändert. «Eine Welt» soll ein «kunterbunter Markt» werden, der sich nicht nur Afrika, sondern der ganzen Welt öffnet.

Strassenmusiker und Artisten sollen das Festival beleben und Abwechslung garantieren. Die Bewilligung gilt für 280 Stände, rund 160 haben sich laut Bühler bereits angemeldet. «Schön wären 250», sagt er.

Sie sollen sich auf einen «BasarSud» (Afrika), einen Mercado (restliche Welt) und einen «FairMarket» für NGOs und gemeinnützige Organisationen verteilen.

Die Einnahmen durch die Standgebühren sollen das Festival finanziell tragen. «Hier gibt es keine Experimente», sagt Bühler und meint damit etwa Konzerte teurer World-Music-Stars. Die schwachen Billett-Verkäufe der letzten Jahre hatten den Konkurs der Afro-Pfingsten beschleunigt.

Der Schuldenberg wuchs auf über 700 000 Franken an. Dennoch: Club-Konzerte sind nicht ausgeschlossen. Die Alte Kaserne ist vorreserviert.

Findet sich ein Organisator, könnte dort gespielt werden. Auch das Albani, das Salzhaus und die Esse-Bar sind willige Konzert-Gastgeber.

Afro-Pfingsten im Geist

Ob und wie sie zum Zug kommen, hängt davon ab, wie viele Unterstützungsgelder fliessen. Ende Januar hat der Vorstand bei der kantonalen Fachstelle Kultur und mehreren privaten Stiftungen Gesuche eingereicht.

Man hofft auf 100 000 Franken. Mit drei Monaten ist der Planungshorizont aber kurz. «Im Zentrum steht der Markt.

Beim Rest müssen wir allenfalls improvisieren», sagt Bühler. Auch das Rahmenprogramm ist noch nicht fix. Der Blick ist nach vorne gerichtet, und doch dominierte die «Afro-Pfingsten» auch die gestrige Präsentation.

Bühler war Mitgründer und 22 Jahre Leiter des Festivals. 2012 verkaufte er die Rechte an die Marketing Manufaktur AG, blieb jedoch bis 2014 als Präsident des Träger- und Fördervereins und als künstlerischer Leiter aktiv.

Er betont: «‹Eine Welt› ist keine Konkurrenz. Wir füllen nur die Lücke, die entstanden ist.» Ermutigt dazu habe ihn die breite Unterstützung im Gemeinderat und von Besuchern.

Als Totengräber bezeichnet

Was 2017 folgt, bleibt offen. Die zweite Auflage, ein verheiratetes oder gar zwei eigenständige Festivals im Frühling und Herbst seien denkbar. Zum Dialog sei man stets bereit, doch die Solidarität hat ihre Grenzen.

Undenkbar sei, dass man 2017 die Verluste der Afro-Pfingsten decke. «Wir baden nicht aus, was andere sich eingebrockt haben», sagte Bühler. Das letzte Treffen fand an der Generalversammlung des Fördervereins am 2. Dezember statt.

Wenige Tage später hatte Roger-René Müller, der CEO der Marketing Manufaktur AG (Mutterfirma von Fairmeetings AG), Bühler im «Landboten» als «eigentlichen Totengräber der Afro-Pfingsten» bezeichnet, sollte er ein eigenes Festival lancieren.

Man beobachte die Entwicklung genau und prüfe später rechtliche Schritte. Aussagen wie diese mögen Bühler irritieren, und auch, dass er der Stadt Gebührenkosten von 20 000 Franken im Voraus bezahlen muss, weil sich diese inzwischen absichern will.

Er erwidert daher: «Zu Grabe tragen kann man nur, was bereits tot ist.» Derweil kündigen die Afro-Pfingsten auf ihrer Website an, noch im Februar über den «Kick-off 2017» zu informieren.