Der Gleisgraben, der die Stadtkreise 3 und 4 voneinander trennt, soll überdacht werden. So könnte aus der Zugschneise der rund vier Hektar grosse Seebahn-Park entstehen. Die bestehenden Strassen und Brücken unterteilen die Anlage in sechs Abschnitte: den Bahnhof-Wiedikon-Park, den Tram-Depot-Park, den Kalkbreite-Park, den Lochergut-Park, den Anwand- und den Greulich-Park. Die Idee stammt von der Projektgruppe Greulich, die sich aus den Immobilienunternehmern Steff Fischer und Martin Hofer sowie Thomas Brunner, Gründer des Hotels Greulich, und Architekt Peter Keller zusammensetzt.

«Nach mehr als einem Jahr träumen und lobbyieren», wie Fischer sagt, präsentierten die Initianten gestern den Medien ihre Idee einer Parkanlage in der Grösse von fünf Fussballfeldern. «Unser Ziel ist, die Unterversorgung mit Frei- und Grünräumen in diesem Stadtteil zu beheben», sagt Brunner. Tatsächlich zeigt eine 2007 vom städtischen Tiefbauamt und Grün Stadt Zürich durchgeführte Untersuchung, dass die an den Seebahngraben angrenzenden Gebiete «schlecht» bis «ungenügend» mit Freiraum versorgt sind.

Frühzeitig Grünraum schaffen

Der rund ein Kilometer lange und zwischen 40 und 50 Meter breite Park soll von der Nachbarschaft mitgestaltet werden. «Wir haben bewusst keine konkreten Gestaltungspläne für die Parkanlage entworfen», sagt Fischer. Der Park solle als Sport- und Erholungszone dienen, aber auch Spielfläche für Kinder und Wiesenbereiche enthalten. Brunner bezeichnet den Seebahn-Park denn auch als «Perlenkette von sechs individuellen Pärken».

«Mit der bodennahen Überdeckung der Gleisschneise kann neuer Freiraum geschaffen werden», sagt Architekt Keller. Frei- und Grünraum müsse im Zuge der zunehmenden Verdichtung frühzeitig gesichert werden. Zudem wäre mit einem Dach über den Gleisen das Quartier von Zuglärm und Staubemissionen künftig geschützt. Laut den Initianten des Seebahn-Parks sind zudem «punktuelle Hochbauten» an beiden Parkenden denkbar.

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Mit einer 1 km langen Überdachung will die Projektgruppe "Greulich" dem Zuglärm Einhalt gebieten und eine 5 Fussballfelder grosse Grünfläche schaffen.

Hohe technische Anforderungen

Die Idee, den Seebahngraben zu überdachen, ist allerdings nicht neu. Bereits in der Vergangenheit gab es im städtischen Parlament entsprechende Vorstösse. Zuletzt wurde ein solcher Vorschlag beim Bau des Tramdepots an der Kalkbreite gemacht. Auf offene Ohren stösst das Projekt laut Initianten bei den SBB als Grundstücksbesitzerin sowie der Stadt und dem Kanton Zürich. «Der Kalkbreite-Park wäre aus Sicht der SBB am einfachsten umzusetzen», sagt Fischer. Die zuständigen Stadträte Filippo Leutenegger und André Odermatt begrüssen das Projekt ebenfalls. Zudem hält der kantonale Richtplan fest, dass Überdeckungen von Bahnlinien an geeigneten Lagen Siedlungsgebiet aufwerten können und deshalb im kantonalen Interesse lägen.

Die SBB sehen einer Überdeckung zwar positiv entgegen, bezeichnet «bahnnahes Bauen» aber als komplex. Der Bau der Parkanlage müsste bei laufendem Verkehr stattfinden und die Überdachung müsste 7,5 Meter über der Gleisachse liegen. Dies könnte stellenweise dazu führen, dass die Pärke rund einen halben Meter über der Strassenhöhe lägen, konkretisiert Fischer die bautechnischen Anforderungen der SBB. Trotzdem stünde auch die Möglichkeit, die Gleise abzusenken, im Raum. Weiter müssten der Tunnel stützenfrei gebaut, der Gleisabstand vergrössert und neue Fluchtwege konzipiert werden.

Für den Bau der Parkanlage rechnet die Projektgruppe Greulich mit rund 300 bis 400 Millionen Franken. Die Finanzierung soll aus verschiedenen Quellen kommen, unter anderem aus dem Mehrwertausgleichfonds, aus dem Agglomerationsprogramm des Bundes sowie von der Stadt und dem Kanton Zürich. Aber auch von privaten Stiftungen, die in ihrem Stiftungszweck die Aufwertung der Lebensqualität verfolgen, oder mit privaten Spenden könnte der Seebahn-Park unterstützt werden.

In den weiteren Schritten will die Projektgruppe Greulich die Parkanlage nun konzeptionell, technisch und wirtschaftlich konkretisieren. Deshalb wollen die Initianten zuerst mit Anwohnern, Genossenschaften, Liegenschaftsbesitzern, Vereinen und Investoren zusammen deren Bedürfnisse abklären. Unter Einbezug von Fachleuten und der städtischen Verwaltung soll das Projekt hinsichtlich seiner Machbarkeit vorwärtsgetrieben und ein Bauträger bestimmt werden.