Zürich
Eine mörderische Stadt: Das zeigt die Ausstellung «Gift, Hieb, Stich»

Die Zürcher Zentralbibliothek beleuchtet in ihrer aktuellen Ausstellung acht Mordfälle.

Fabio Lüdi
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Die Ausstellung läuft bis zum 6. April, von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr und am Samstag und Sonntag von 9 bis 17 Uhr.

Die Ausstellung läuft bis zum 6. April, von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr und am Samstag und Sonntag von 9 bis 17 Uhr.

Zur Verfügung gestellt

Übersteht jemand einen Sprung aus drei Metern Höhe ohne Verletzungen? Und ohne dabei Spuren im Boden zu hinterlassen? Die Polizei bezweifelt das im Jahr 1882. Sie verhaftet eine Magd aus Glattfelden, die zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt wird. Wegen Mordes.

Die Zentralbibliothek beleuchtet in ihrer Ausstellung «Gift, Hieb, Stich» acht solcher Fälle aus dem ganzen Kanton. Im Themenraum Turicensia im Lesesaal der Bibliothek wirft sie bis zum 6. April ein Schlaglicht auf die dunkle Seite der Leidenschaft.

Denn die Verbrechen aus der Zeit vom 18. Jahrhundert bis heute drehen sich alle um Liebe, Leidenschaft und Eifersucht. Das jüngste datiert aus dem Jahr 2014, damals machte ein Mord im Hotel Dolder Schlagzeilen. «Wir rollen die Mordfälle aber nicht neu auf», sagt Roberto Alliegro, einer der Kuratorinnen und Kuratoren. «Wir zeigen lediglich abgeschlossene Delikte in ihrer Gesamtheit.»

Dafür greifen er und sein Team auf zeitgenössische Zeitungsberichte, Protokolle und Fotografien zurück. Ergänzt wird die Ausstellung mit einer statistischen Einordnung dieser Gewalt. «Unsere Welt wird immer sicherer», sagt Alliegro.

«Trotzdem gibt es immer wieder Verbrechen, die aus Liebe oder Hass begangen werden. Jede und jeder weiss, was starke Emotionen auslösen können, darum fasziniert dieses Thema so sehr.» Ihm selbst hat es besonders der Fall der mörderischen Magd aus Glattfelden angetan.

Denn neben einer schillernden Pfarrersfigur mit sündigem Lebenswandel und einer leeren Schatulle bleibt nach Durchsicht der Akten vor allem eins: ein Fragezeichen. Trug sie wirklich die alleinige Schuld?

Der Fall beschäftigte schon die Zeitgenossen. In einem zwanzigseitigen Büchlein wurde der Fall damals publiziert und ist heute in elektronischer Form in der Ausstellung einsehbar. Der virtuelle Ausstellungsteil vor Ort liefert daneben ergänzendes Material zu den vorgestellten Fällen, wie Gnadengesuche.

Zu dieser Krimilektüre aus dem realen Leben zeigen die Kuratoren fiktive Pendants. Zu je zwei der Fälle haben sie einen Zürcher Krimiroman herausgesucht, der Parallelen zeigt zum Hergang, der Mordwaffe oder dem Schauplatz. «Ziemlich schwierig» sei das gewesen, sagt Alliegro, schliesslich aber von Erfolg gekrönt. Tatsächlich ist der Vergleich der gewalttätigen Realität mit der gewalttätigen Fiktion auf eigentümliche Weise tröstlich: Kein richtiger Mörder ist so gerissen wie ein Krimi-Killer.