Nachdemo

Eine Kundgebung für Flüchtlinge in Zürich endet mit Gewalt

Die Polizei versuchte die Nachdemo zunächst zu stoppen.

Die Polizei versuchte die Nachdemo zunächst zu stoppen.

Mit Gummischrot und Pfefferspray hat die Polizei am Samstag in Zürich versucht, eine nicht bewilligte Nachdemo im Anschluss an eine Kundgebung für Flüchtlinge zu stoppen. Dabei wurde eine Person verletzt, wie die Stadtpolizei mitteilte.

Gegen 3000 Personen hatten sich nach Angaben der Organisatoren am Samstagnachmittag auf dem Helvetiaplatz zu einer Kundgebung eingefunden. Unter dem Motto «let them in» («lasst sie rein») und «refugees welcome» («Flüchtlinge willkommen») bekundeten die Teilnehmer friedlich ihre Solidarität mit Flüchtlingen, die aus dem Nahen Osten und aus Afrika nach Europa gelangen.

In Reden wurden die «Festung Europa», «die restriktive Asylpolitik des Bundesrates», aber auch eine «rassistische Grundstimmung in der Schweiz» angeprangert. Dagegen gelte es ein «starkes Zeichen» zu setzen, sagte Sonia Bischoff, die zusammen mit zwölf Künstlerinnen und Künstlern des Kulturplatzes Basislager Zürich die Kundgebung über Facebook organisiert hatte.

Eine Gruppe aus der linksautonomen Szene wollte es jedoch nicht bei einer stillen Kundgebung belassen. Sie wollte den Protest mit einer «klassischen Demo» auf die Strasse tragen – gegen den Willen der Organisatoren.

Polizeieinsatz bei Flüchtlingsdemo umstritten

Polizeieinsatz bei Flüchtlingsdemo umstritten

Trotz dem eindringlichen Appell von Bischoff, den Platz nicht zu verlassen, weil eine Demo nicht bewilligt und deshalb illegal sei, formierten sich rund 1000 Personen mit Transparenten zu einem Umzug. Dieser wurde jedoch schon nach wenigen Metern von Polizeigrenadieren an der Langstrasse gestoppt. Mit Gummischrot und Pfefferspray wurden die Demonstrierenden auf den Helvetiaplatz zurückgedrängt.

Pfefferspray direkt ins Gesicht

Der unbewilligte Demonstrationszug habe sich «trotz mehrmaligen Abmahnungen» und der «Androhung eines Gummischroteinsatzes» in Bewegung gesetzt, begründete die Stadtpolizei das Eingreifen in einer Mitteilung.

Die Auseinandersetzung mit der Polizei dokumentiert ein auf dem Onlineportal Blick.ch veröffentlichtes Video von tsüri.ch. Es zeigt, wie sich eine ältere Frau mit erhobenen Händen vor die Polizisten stellt, während Grenadiere neben ihr vorbei mit Gummischrot auf die Demonstranten schiessen. Plötzlich tritt einer der Grenadiere auf die Frau zu und spritzt ihr Pfefferspray aus kurzer Distanz ins Gesicht.

Die Polizei setzt Gummischrot und Pfefferspray  gegen Demonstranten in Zürich ein.

Die Polizei setzt Gummischrot und Pfefferspray gegen Demonstranten in Zürich ein.

Nach dem Zusammenstoss mit der Polizei an der Langstrasse schlug der Demonstrationszug die entgegengesetzte Richtung ein. Zu weiteren Zwischenfällen kam es danach nicht mehr. Die Polizei liess die Demonstrierenden gewähren und beschränkte sich darauf, mehrere Strassen zu sperren, damit der Umzug nicht in die Innenstadt gelangen konnte.

Eine Person wurde bei der Demonstration verletzt. Diese habe sich am Samstag bei der Stadtpolizei gemeldet und angekündigt, sie werde den Hausarzt konsultieren, sagte ein Sprecher der Stadtpolizei gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Wie die Verletzung zustande gekommen sei, sei nicht bekannt.

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