Semesterstart
Eine «Japanische WG» im Zürcher Enge-Quartier

Heute startet das Herbstsemester 2012 an der Universität Zürich und der ETH Zürich. Studenten aus dem Ausland und anderen Kantonen werden bei ihrer Suche nach einer passenden Wohnung oder einem Zimmer vom Housing Office von Uni und ETH unterstützt.

Dean Fuss
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Bezahlbarer Wohnraum für Studierende wird in Zürich knapp. Lydia Lehmann hat deshalb den japanischen Studenten Akihiko Tanigaito bei sich aufgenommen.

Bezahlbarer Wohnraum für Studierende wird in Zürich knapp. Lydia Lehmann hat deshalb den japanischen Studenten Akihiko Tanigaito bei sich aufgenommen.

Chris Iseli

So hat auch der Japaner Akihiko Tanigaito eine Bleibe für das kommende Studiumsjahr gefunden.

Die helle Wohnung im Zürcher Enge-Quartier verströmt einen exotischen, asiatischen Charme. Und das liegt nicht nur an den zahlreichen japanischen und teilweise auch indischen Kunstobjekten, die Lydia Lehmann im Laufe ihres Lebens angesammelt hat. Denn sie teilt ihre dreieinhalb Zimmer grosse Wohnung seit rund zwei Wochen mit dem japanischen Studenten Akihiko Tanigaito. Der 24-Jährige aus Yokohama hat in seiner Heimat ein Architekturstudium erfolgreich abgeschlossen und beginnt heute an der ETH Zürich einen zusätzlichen Masterkurs in Architektur und Information.

«Ich bin nun 72 Jahre alt und mag es einfach, bei mir zu Hause Gesellschaft zu haben», sagt Gastgeberin Lehmann. Sie habe keine eigenen Kinder gehabt, weshalb die Studenten für sie nicht etwa Ersatz für ein ausgezogenes Kind seien, so Lehmann. Während der beiden vergangenen Semester hatte Lehmann das Zimmer an einen französischen Post-Doc vermietet.

Housing Office

Über die Online-Plattform www.wohnen.ethz.ch vermittelt das Housing Office der Universität und der ETH Zürich Zimmer und Wohnungen an Studenten, Doktoranden und Mitarbeiter. «Jährlich werden Inserate für rund 2000 Objekte bei uns aufgegeben», sagt Pascal Felber vom Housing Office. In der Mehrzahl seien es ausländische oder ausserkantonale Interessenten, welche die Plattform nutzten. «Die Zimmer- und Wohnungsvermittlung vermittelt seit Jahrzehnten Wohnraum an Studierende.

Früher mussten die Suchenden und die Inserenten am Schalter vorbeikommen, seit April 2010 läuft bei unsfast alles online», sagt Felber. Für die Studenten und Doktoranden ist die Suche auf der Plattform kostenlos, Vermieter hingegen bezahlen für die Aufschaltung eines Inserats einen Unkostenbeitrag von 20 Franken.(dfs)

Aus rund 30 Interessenten, die ihr durch das Housing Office von Uni und ETH vermittelt worden sind, habe sie sich schliesslich für Tanigaito entschieden. Lehmann hatte sich als Untermieter einen Japaner gewünscht, da sie durch einen einjährigen Aufenthalt in Japan im Alter von 20 Jahren und ihre Tätigkeiten für japanisch-schweizerische Unternehmen einen engen Bezug zum Land entwickelt habe. Deshalb spricht sie auch etwas Japanisch. «So kann ich die Sprache wieder etwas auffrischen», sagt Lehmann.

Sprache half bei der Entscheidung

Das hat auch Tanigaito überzeugt: «Für mich war es schon ein Entscheidungsfaktor, dass Lydia etwas Japanisch spricht.» Kommuniziert wird im Haushalt Lehmann/Tanigaito allerdings grösstenteils in Englisch. Und Tanigaito will unbedingt Deutsch lernen. Den Satz «Ich spreche kein Deutsch» beherrscht er jedenfalls bereits ohne Probleme. Zu Hause lebte der Japaner zusammen mit seiner Familie, und er schätzt es deshalb, auch hier nicht alleine zu wohnen. «Es ist schön, familiäre Gesellschaft zu haben», sagt Tanigaito. Natürlich fehle ihm seine Familie, aber so habe er auch in Zürich eine direkte Bezugsperson. 800 Franken bezahlt er monatlich für das möblierte Zimmer – in der teueren Stadt Zürich ein durchaus attraktiver Mietzins.

Tanigaito gefällt es gut in der Schweiz. Als Teenager sei er bereits einmal mit seinen Eltern hier gewesen und habe als Tourist Matterhorn und Co bestaunt. Im März dieses Jahres traf er sich schliesslich in Zürich mit seinem künftigen ETH-Professor. Nach Abschluss seines Zusatzmasters im kommenden Sommer will sich Tanigaito in der Schweizer Architekturlandschaft einen Arbeitsplatz suchen. «Ich würde mein Berufsleben gerne hier in der Schweiz beginnen.»